Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Glasfaser als Lichtspeicher
Mikroresonator für verschiedene Lichtfrequenzen in einem Bauteil
Einen Lichtspeicher, der lange Speicherzeit, kleines Volumen, und Abstimmbarkeit auf beliebige Lichtfrequenzen in sich vereint, haben jetzt deutsche Physiker entwickelt. Der aus nur einem Bauteil bestehende Mikroresonator besteht im Prinzip nur aus einer Ausbauchung einer Glasfaser. Er könnte zukünftig beispielweise in der Quantenkommunikation eingesetzt werden.

Brechung von Lichtstrahlen
Brechung von Lichtstrahlen
© PNNL
Licht ist nicht greifbar und bewegt sich zudem mit großer Geschwindigkeit. Es lässt sich jedoch auf kleinstem Raum einfangen, indem man die Wände eines mikroskopischen Containers, in den das Licht kontrolliert einfällt, verspiegelt. Durch fortwährende Reflexion wird das Licht gewissermaßen eingesperrt und kann nicht entweichen. Einen so verspiegelten Mikro-Hohlraum nennen die Experten Mikroresonator. Ein technisches Einsatzgebiet für Mikroresonatoren ist beispielsweise die Laserdiode, die die Telekommunikation und die optische Datenspeicherung in den letzten Jahrzehnten revolutioniert hat.

Aufgrund der hohen Lichtgeschwindigkeit beträgt die Zahl der Reflexionen in Mikroresonatoren pro Sekunde bis zu einige Billionen. Soll unter diesen Bedingungen das Licht auch nur eine Millionstel Sekunde gespeichert bleiben, so darf bei jeder einzelnen der eine Million Reflexionen, die in dieser Zeit erfolgen, nur etwa ein Millionstel der Lichtleistung verloren gehen. Ein gewöhnlicher metallisierter Spiegel verliert pro Reflexion einige Prozent Lichtleistung und wäre damit mehr als zehntausend Mal zu schlecht.

„Alleskönner“-Mikroresonator aus nur einem Bauteil
Ein Mikroresonator kann zudem, abhängig von seinen Abmessungen, nur Licht bestimmter Frequenzen beziehungsweise Farben speichern. Soll das gespeicherte Licht aber mit Atomen gekoppelt werden, beispielsweise in einem Laser, so muss seine Frequenz genau auf die jeweilige Atomsorte abgestimmt sein. An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist es nun einem Team von Physikern um Professor Arno Rauschenbeutel erstmals gelungen, einen nur aus einem Bauteil bestehenden Mikroresonator zu realisieren, der alle gewünschten Eigenschaften in sich vereint: lange Speicherzeit, kleines Volumen, und Abstimmbarkeit auf beliebige Lichtfrequenzen.

Schematische Darstellung des Mainzer Flaschenresonators.
Schematische Darstellung des Mainzer Flaschenresonators.
© Universität Mainz Schematische Darstellung des Mainzer Flaschenresonators.
Glasfaser mit „Bauch“
Wie das Forscherteam in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Physical Review Letters berichtet, genügt es hierfür, eine herkömmliche Glasfaser durch Erhitzen und Strecken auf etwa den halben Durchmesser eines menschlichen Haares zu verjüngen und auf dieser dann mit Hilfe eines Lasers eine bauchige Struktur zu erzeugen. In dieser Struktur wird das Licht kontinuierlich an der Oberfläche der Glasfaser reflektiert und umläuft so auf einer Schraubenbahn die Achse der Glasfaser. Dabei kann das Licht auch entlang der Glasfaser nicht entweichen, weil der Durchmesser der Glasfaser zu beiden Seiten hin abnimmt.

Einstellung auf Lichtfrequenz durch Ziehen
Ähnlich den geladenen Teilchen in einer magnetischen Flasche, einem räumlich variierenden Magnetfeld, pendelt das Licht in dem neu entwickelten Mikroresonator der Mainzer Physiker zwischen zwei Umkehrpunkten entlang der Glasfaser hin und her. Aus diesem Grund spricht man bei dem hier realisierten Lichtspeicher von einem Flaschenresonator. Die Einstellung dieses Flaschenresonators auf bestimmte Lichtfrequenzen erfolgt ganz einfach über Ziehen an den beiden Enden der ihn tragenden Glasfaser. Die dabei auftretende mechanische Spannung wirkt sich auf den Brechungsindex des Glases aus, so dass sich die Umlaufzeit des Lichts je nach Spannung verlängert oder verkürzt.

Quantenschnittstelle zwischen Licht und Materie
Mit seinen außergewöhnlichen Eigenschaften und seiner einfachen, auf Glasfasertechnologie beruhenden Bauart eröffnet der Flaschenresonator zahlreiche Anwendungsfelder. "An der Universität Mainz möchten wir den neuen multifunktionalen Mikroresonator einsetzen, um winzige, nur aus einzelnen Photonen bestehende Lichtfelder mit einzelnen Atomen zu koppeln", erklärt Rauschenbeutel. "Sollte das gelingen, so könnte man zum Beispiel eine glasfaserbasierte Quanten-Schnittstelle zwischen Licht und Materie realisieren.“ Damit könnte ein wichtiger Beitrag zur Quantenkommunikation und zur zukünftigen Realisierung eines Quantencomputers geleistet werden.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Licht, Lichtspeicher, Glasfaser, Resonator, Mikroresonator, Frequenz, Reflexion, Lichtgeschwindigkeit, Speicher, Quanteneffekt, Quantenphysik, Laserdiode, Physik, Optik
Weitere News zum Thema
Kaltwasserkorallen als Anpassungskünstler? (10.02.2012)
Können Kaltwasserkorallen der Versauerung des Meerwassers standhalten?
Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig (09.02.2012)
Hamburger Forscher sammeln neue Erkenntnisse für einen optischen Quantencomputer
Auch Zwerggalaxien sind Kannibalen (09.02.2012)
Astronomen beobachten, wie sich ein kleines Milchstraßensystem ein noch kleineres einverleibt
Warum der Mittelfinger so eine lange Leitung hat (08.02.2012)
Hemmung von den Nachbarnervenzellen bestimmt die Reaktionsgeschwindigkeit
Laser schützt Satelliten vor Weltraumschrott (07.02.2012)
Genauere Überwachung könnte Kollisionsgefahr verringern
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Licht
Seekabel
OLEDs
Kugelblitze
Dossiers zum Thema
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Licht nach Maß
Ein universelles Werkzeug mit großem Potenzial
Licht aus Plastik
Organische Leuchtdioden auf dem Vormarsch
Seekabel
Schlagadern der Weltkommunikation
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
News des Tages
Frühestes baumlebendes Wirbeltier entdeckt
Roter Überriese speit Materie
Glasfaser als Lichtspeicher
Belohnung verleiht besseres Fingerspitzengefühl
Strom aus Biomasse muss zukünftig nachhaltig erzeugt sein
Große Brecher mit dem Radar im Visier
Kalzium als Treib-Stoff für das Herz
Bücher zum Thema
Das Wunder des Lichts
DVD der BBC
QED
Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie von Richard P. Feynman
Das informative Universum
Das neue Weltbild der Physik von Hans Chr. von Baeyer
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes