Metallzusammensetzung als Schlüssel zur Bestimmung moderner Skulpturen Chemischer Fingerabdruck auch bei Bronzeskulpturen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Metallzusammensetzung als Schlüssel zur Bestimmung moderner Skulpturen

Chemischer Fingerabdruck auch bei Bronzeskulpturen

Bronzeskulptur © SXC

Wie kann man herausfinden, wann, wo und wie eine Skulptur von Picasso oder Matisse gegossen wurde? Vor allem, wenn entsprechende Unterlagen fehlen? Helfen könnte hier eine Art chemischen Fingerabdruck, über den jetzt amerikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Analytical & Bioanalytical Chemistry“ berichten. Sie analysierten die Legierungselemente der verwendeten Bronzen und konnten durch Abgleich mit Angaben aus der Kunstgeschichte wichtige Informationen über den Künstler, das Herstellungsdatum, die Herkunft und die Authentizität der Kunstwerke gewinnen.

Bronzen sind Kupferlegierungen, die unterschiedliche Mengen von Zinn, Zink und anderen Metallen enthalten, die die Schmelztemperatur, Festigkeit und Härte der Skulptur, ihre Korrosionsbeständigkeit, Farbe und Patinierung verändern. Die Gießereien des frühen 20. Jahrhunderts gaben ihre Bronzezusammensetzungen nicht gern preis, damit andere Gießereien nicht etwa ein höherwertigeres Produkt herstellen konnten. Damit könnte die Legierungszusammensetzung wichtige Hinweis darüber geben, welche Gießerei eine bestimmte Skulptur gegossen hat. Denn längst nicht alle Skulpturen tragen einen Gussstempel oder es fehlen Urkundenbeweise, die belegen, wo und wann sie gegossen wurden. Deshalb ist für Kunsthistoriker und Kunstkenner, die die Skulpturen des 20. Jahrhunderts studieren und nach einer Antwort auf die Frage nach deren Authentizität, Herkunft und der Absicht des Künstlers suchen, eine fundierte Kenntnis der Bronzezusammensetzung wichtig.

Emissionsspektren der Atome verraten Legierungszusammensetzung

Der amerikanische Wissenschaftler Marcus Young von der Northwestern University hat mit seinen Kollegen vom Art Institute of Chicago nun Daten über die Zusammensetzung von Legierungen moderner Skulpturen mit Angaben aus der Kunstgeschichte verglichen. Young verwendete für seine Analysen eine spezielle Art der Emissionsspektroskopie, die so genannte Atomemissionsspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (ICP-OES. Sie erlaubte es ihm, die genaue Metallzusammensetzung von 62 modernen Bronzeskulpturen zu bestimmen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Paris gegossen wurden und aus den Sammlungen des Art Institute of Chicago und des Philadelphia Museum of Art stammen.

Dabei wurden Skulpturen von Matisse, Picasso, Renoir, Rodin und anderen Meistern untersucht. Diese Studie ist die erste umfassende Untersuchung der Legierungszusammensetzung einer größeren Anzahl moderner Skulpturen von einer Vielzahl von Künstlern und Gießereien, die einen Zeitraum von einem halben Jahrhundert umfassen.

Zuordnung zu Künstlern und Gießereien möglich

Die Ergebnisse zeigten, dass die Skulpturen aus Kupfer mit Zink und Zinn tatsächlich bei einer Vielzahl von Zusammensetzungen variierten. Die Wissenchaftler konnten die Skulpturen damit in drei verschiedene Typen einordnen: Messing mit hohem Zinkgehalt, Messing mit niedrigem Zinkgehalt und Kupfer-Zinn-Bronze. Diese drei Gruppen und weitere Feinheiten der Zusammensetzung zeigten gute Korrelationen zwischen dem Künstler, der Gießerei, dem Gießdatum und dem Gießverfahren. Beispielsweise korrespondieren die Messinglegierungen mit hohem Zinkgehalt mit den meisten Skulpturen von Picasso, die in der Valsuani-Gießerei nach dem Zweiten Weltkrieg im Wachsausschmelzverfahren hergestellt wurden.

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Die jetzt erstellten einzigartigen Profile geben Aufschluss über die Zusammensetzung gegossener Bronzeskulpturen von wichtigen europäischen Künstlern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass „diese Materialkorrelationen durch die Ausweitung der ICP-OES-Datenbank studierter Objekte bei der Identifizierung, Datierung oder möglicherweise sogar der Authentifizierung anderer Bronzeskulpturen hilfreich sein könnten, die keinen Gussstempel tragen.”

(Springer science and bussines media, 31.07.2009 – NPO)

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