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Freitag, 10.02.2012
Erdöl macht bald „schlapp“
Studie Energierohstoffe 2009 verrät, woher die Energie für das 21. Jahrhundert kommt
Die Weltvorräte an Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran reichen aus, um die Energieversorgung auch für die kommenden Jahrzehnte sicher zu stellen. Allerdings muss sich der Energiemix weltweit in dieser Zeit an neue Bedingungen anpassen. Zu diesem Schluss sind Experten in der gestern veröffentlichten Studie „Energierohstoffe 2009“ gekommen.

Erdölförderung an der vietnamesischen Küste
Erdölförderung an der vietnamesischen Küste
© gemeinfrei Erdölförderung an der vietnamesischen Küste
In dem im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) erstellten Report analysieren die Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) weltweit die Reserven und Ressourcen, die Produktion sowie aktuelle Trends und technische Entwicklungen bei den nicht-erneuerbaren Energieträgern.

Erdöl bald nicht mehr wichtigster Energieträger?
Danach liefern Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran heute mehr als 85 Prozent der Primärenergie für die Welt. „Diese Hauptlast der Versorgung können die vier großen Energieträger auch weiterhin tragen“, so BGR-Präsident Professor Hans-Joachim Kümpel. „Allerdings rechnen wir damit, dass Erdöl mit einem aktuellen Anteil an der Primärenergie von einem Drittel seine Rolle als wichtigster Energieträger in den kommenden Jahrzehnten verlieren wird.“

Grund für diese Aussage sind die Ergebnisse der im Rahmen der Studie durchgeführten Projektion der Erdölförderung bis ins Jahr 2050. Danach wird Erdöl der erste Energierohstoff sein, bei dem aufgrund der begrenzten Vorräte eine immer weiter steigende Produktion nicht mehr möglich sein wird.

BGR-Energierohstoffexperte Professor Bernhard Cramer dazu: „Bei Erdöl aus konventionellen Vorkommen erwarten wir nach unseren Berechnungen, dass schon in den kommenden Jahren ein Produktionsmaximum erreicht wird. Wenn wir aber alle Optionen optimal nutzen, könnte die Erdölförderung insgesamt – also auch aus nicht-konventionellen Quellen wie Ölsanden sowie durch eine bessere Entölung der Lagerstätten – bis etwa 2030 gesteigert werden.“

Erneuerbare Energien, Erdgas, Kohle und Uran
Nach dieser Projektion rechnet die BGR mit einer maximal möglichen Erdölförderung von etwa 4,7 Gigatonnen (Gt) pro Jahr. Zum Vergleich: Derzeit werden jährlich knapp vier Gt produziert.

Diese Entwicklung muss nach Ansicht der BGR-Wissenschaftler durch Erneuerbare Energien und durch Erdgas, Kohle und Uran abgefangen werden. Die Studie zeigt, dass die globale Verfügbarkeit an Erdgas, Kohle und Uran aus geologischer Sicht auf absehbare Zeit auch bei steigendem Verbrauch nicht gefährdet ist.

Steinkohle
Steinkohle
© USGS / Mineral Information Institute Steinkohle
Jede Menge Kohle
„Gerade bei Kohle“, so der BGR-Präsident, „kann die weltweite Vorratssituation die Versorgung auch bei deutlicher Steigerung noch über viele Jahrzehnte sichern. Die hohen Energierohstoffpreise der vergangenen Jahre haben zu verstärkter Aktivität bei der Rohstofferkundung und damit zu einer wachsenden Ressourcenbasis insbesondere bei Kohle und Uran geführt.“

Die BGR-Studie betrachtet zudem ausführlich die mögliche Rolle von Alternativen zu den konventionellen Energierohstoffen. So sind in den vergangenen Jahren weltweit Projekte angelaufen, die technische und wirtschaftliche Möglichkeiten einer breiten Gewinnung von Erdgas aus Gashydrat, von Erdöl aus Ölschiefer, aber auch der Kohleverflüssigung prüfen.

Bald Boom bei Erdwärme?
Absehbar ist nach den Erkenntnissen der BGR zudem schon heute eine rasante Entwicklung bei der Nutzung geothermischer Energie. Ob diese Entwicklung auch in Deutschland möglich sein wird, werden Pilotvorhaben wie das soeben von der BGR gestartete Geothermieprojekt GeneSys zeigen.

GeneSys hat zum Ziel, den Gebäudekomplex des Geozentrums Hannover durch neue Konzepte wie das so genannte Ein-Bohrloch-Verfahren mit Hilfe von Erdwärme aus rund 4.000 Meter Tiefe zu beheizen.
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