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Freitag, 24.11.2017
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Vorteile und Risiken extremer Anpassung

Teilweise passen sich Pflanzen so extrem an einen Bestäuber an, dass sie nur noch von dieser einen Spezies besucht werden. Der Vorteil liegt darin, dass sie den Pollentransport auf diese Weise perfektionieren können: Ihre Pollen gelangen mit Sicherheit auf eine passende Blüte der gleichen Art. Der Bestäuber profitiert im Gegenzug von einem Monopol auf die Futterquelle.

Die Passionsblume Passiflora tarminiana hat eine lange Blüte und ist auf die Bestäubung durch den Schwertschnabelkolibri angewiesen.

Die passende Blüte zum Schnabel


Eine solche gegenseitige Anpassung ist etwa bei einigen Kolibri-Arten zu finden, deren Schnabel exakt die Form der zur Symbiose gehörenden Blüte hat. Vögel mit anders geformten Schnäbeln können den Nektar am Blütengrund nicht erreichen. So ist die Passionsblume Passiflora tarminiana auf die Bestäubung durch den Schwertschnabelkolibri angewiesen. Der langschnäblige Vogel ist der einzige, der an den Blütensaft in der langen und schmalen Nektarröhre der Blume gelangen und sie dabei befruchten kann.

Solche extremen Abhängigkeiten sind in Mitteleuropa zwar selten. Wählerisch sind Blütenpflanzen aber auch hierzulande. Zum Beispiel können die Blüten einiger Arten aufgrund ihrer Länge nur noch von Insekten mit langen Saugrüsseln aufgesucht werden, wie sie manche Schmetterlingsarten besitzen.

Ergebnis von Koevolution


Der Naturforscher Charles Darwin beschrieb die im Laufe der Zeit entstandene äußere Übereinstimmung von Blüten und Bestäubern bereits vor mehr als 150 Jahren als perfektes Ergebnis der Koevolution. Doch die hochspezialisierte Bestäubung hat auch Nachteile. Indem sich Pflanzen auf einen Bestäuber oder Tiere auf eine Nahrungsquelle festlegen, treffen sie eine riskante evolutionäre Entscheidung. Denn stirbt der eine Partner aus, hat das auch das Verschwinden des anderen zur Folge.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Evolution extreme Anpassungen bei Bedarf wieder rückgängig machen kann. So haben Susanne Renner von der Ludwig-Maximilians-Universität in München und ihre Kollegen mithilfe von Stammbaumanalysen herausgefunden: Passionsblumen der Untergattung Tacsonia entwickelten vor etwa elf Millionen Jahren erstmals extrem lange Nektarröhren und spezialisierten sich damit auf Bestäuber wie den langschnäbligen Schwertschnabelkolibri.

Manche Pflanzenarten hat der Schwertschnabelkolibri im Stich gelassen.

Manche Pflanzenarten hat der Schwertschnabelkolibri im Stich gelassen.

Anpassung im Rückwärtsgang


Vor zwei bis vier Millionen Jahren schwenkten einige Arten dann allerdings wieder auf kurze Blüten um. Seitdem können die Pflanzen auch von kurzschnäbligen Kolibris und Fledermäusen bestäubt werden. Die Forscher vermuten, dass dieser Rückwärtsgang nötig war, um das eigene Überleben zu sichern.

Kam der Schwertschnabelkolibri zum Beispiel aufgrund von Lebensraumfragmentierung immer seltener bei manchen auf ihn angewiesene Arten vorbei, drohte ihr Verschwinden. Mindestens vier Passionsblumenarten hat dieses Schicksal in der Vergangenheit ereilt. Sie kommen in bestimmten Regionen Ecuadors inzwischen nicht mehr vor, weil der Kolibri sie dort im Stich gelassen hat.
Daniela Albat
Stand: 20.10.2017
 
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