Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Was für Rifftypen gibt es?
Schon Darwin kannte sie

Riff ist nicht gleich Riff, das stellte bereits 1842 Charles Darwin fest. Heute unterscheidet man vier Rifftypen - Barriere-Riffe, Saum-Riffe, Plattformriffe und Atolle.

Der weltweit häufigste Rifftyp ist das Saum-Riff (fringing reef) - ein schmaler Saum unmittelbar vor der Küste. Diese Riffe wachsen vom Festland aus soweit seewärts, bis das Meer zu tief wird. So kommt es, dass Saumriffe zwar viele Kilometer lang sind, aber höchstens 100 Meter breit. Zur küstenzugewandten Seite hin können durch Erosion Lagunen entstehen. Ein Beispiel für Saumriffe sind die Korallenriffe im Roten Meer.

Entstehung eines Atolls 
Entstehung eines Atolls
© MMCD
Barriere-Riffe (barrier reef) liegen im Gegensatz zu Saumriffen weiter vom Festland entfernt und kommen auch nicht so häufig vor. Durch Senkung des Untergrundes oder Hebung des Meeresspiegels entstanden breite und tiefe Lagunen, die die Riffe vom Festland trennen. Das bekannteste Beispiel eines Barriere-Riffes ist das australische Great Barrier Reef, das aber strenggenommen eine Mischung aus verschiedenen Rifftypen ist.

Ein weiterer Rifftyp sind die so genannten Plattform-Riffe (platform reef oder coral cay). Ihre Entwicklung ist nicht an Landmassen gebunden und sie wachsen im Gegensatz zu Saum- und Barriereriffen nach allen Seiten und nicht nur seewärts. Ist ein Plattformriff erodiert, wird es Pseudoatoll genannt, da es kaum mehr von einem echten Atoll zu unterscheiden ist. Plattformriffe findet man beispielsweise auf der Maskarenenbank im Indischen Ozean.

Atolle entstehen wenn sich gleichzeitig eine Vulkaninsel absenkt und Korallen dem Licht entgegenwachsen. Bei Atollen ist das Zentrum eine 30 bis 80 Meter tiefe Lagune, die von einem ringförmigen Korallenriff umschlossen wird. Die Lagune ist aber mindestens durch eine Passage mit dem offenen Meer verbunden. Die bekanntesten Atolle sind in der Südsee und in der Region der Malediven.

So unterschiedlich die verschiedenen Rifftypen auch sind, so haben sie doch alle eine ähnliche charakteristische Struktur. Lagunen mit Strand, das Riffdach sowie das flachere und das tiefere Vorriff sind dabei die wichtigsten Zonen eines Riffes. In allen Lebensräumen herrschen unterschiedliche Lebensbedingungen und jede Zone hat deshalb unterschiedliche Bewohner. Die Artenvielfalt und der Spezialisierungsgrad der "Riffbevölkerung" ist enorm und hat den Korallenriffen deshalb den Namen "Regenwälder des Meeres" eingebracht.

Die vom Festland aus gesehenen ersten Zonen eines Korallenriffes sind der Strand und die Lagune. Der Strand dient als Eiablageplatz der Meeresschildkröten und die Lagune bietet unter anderem verschiedensten Korallen, Schwämmen, Schnecken, Muscheln, Fischen und Meeresschildkröten als Lebensraum.

Das Riffdach ist der höchste Punkt eines Korallenriffes und liegt nur knapp unter dem Meeresspiegel. Brandung und Stürmen ist dieser Teil besonders stark ausgeliefert. Hier leben unter anderem Algen, Korallen und Seeigel. Läuft das Wasser ab, bleiben in den flachen Wasserlöchern Krabben, Würmer, kleine Fische, Schnecken und Schlangensterne zurück.

Im flacheren Vorriff tummelt sich das meiste Leben. Hier ist die Sonneneinstrahlung besonders stark und so herrschen hier perfekte Lebensbedingungen für sämtliche Stein- und Weichkorallen. Dementsprechend stark sind sie, neben Schwämmen, unzählige Fischen, Seesternen und Muscheln, in diesem Bereich auch vertreten.

Je weiter das Korallenriff in die offene See hinaus reicht und dementsprechend immer tiefer wird, desto mehr geht die Artenvielfalt zurück. Der damit verbundene immer schwächer werdende Lichteinfall lässt nicht mehr so viel Leben zu, wie in den übrigen Riffzonen. Deshalb dominieren im tieferen Vorriff auch so genannte Schwachlichtspezialisten, wie einige Steinkorallenarten, Hornkorallen und Schwarze Korallen. Außerdem können Riffhaie und Mantas hier an einem vorbei schwimmen.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Great Barrier Reef
Bedrohte Wunderwelt des Meeres
Tückische Gefahr im kristallklaren Wasser
Wo liegt das Riff und wie kam es zu seinem Namen?
Das größte Lebewesen unserer Zeit
Sogar vom Mond aus ist es noch zu erkennen...
Die Riff-Baumeister
Korallenpolypen, Kalkskelette und Korallenstöcke
Leben auf einem toten Kern
Stadien des Riffwachstums
Ganz schön anspruchsvoll...
Die Lebensbedingungen der Korallen
Was für Rifftypen gibt es?
Schon Darwin kannte sie
Wer hier alles so lebt...
Von bizarren Korallen und bunten Fischen
Gefahren lauern überall
Vorsicht vor Haien, Krokodilen und box jelly-fish
Ein Klimaphänomen lässt Korallen erblassen
El Nino und seine Folgen
Von Eingriffen des Menschen...
...und wie man Riffe wiederherstellen kann
Haben Korallen heilende Kräfte?
Schutz vor bösen Geistern und Wundermittel gegen fast alles
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen