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Dienstag, 25.09.2018
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Meerestemperatur und Mikroplastik

Die wissenschaftlichen Aufgaben der Expedition

Die Kon-Tiki 2-Expedition ist mehr als nur ein Abenteuer auf den Spuren der Altvorderen – sie ist auch eine einzigartige Chance, wissenschaftliche Daten aus einer Meeresregion zu sammeln, in die sich kaum ein Schiff verirrt. Auf ihren beiden Touren zur Osterinsel und zurück haben die Crews der beiden Flöße daher ein volles Programm: Sie nehmen tausende von Messungen mit verschiedensten Geräten vor, die Meeresforschern wertvolle Daten liefern.

Insgesamt 20 Driftbojen wird die Kon-Tiki 2-Expedition auf ihrer Fahrt im Südpazifik aussetzen.

Altes Floß - modernste Technik


"Ein sich nur langsam bewegendes Floß ist eine perfekte Plattform, um Forschung zu betreiben", erklärt das für die Technik zuständige Crewmitglied Håkon Wium Lie. "Wir messen die Menge an Mikroplastik, den Salzgehalt, die Temperatur, den Sauerstoffgehalt des Wassers und vieles mehr." Es geht darum herauszufinden, wie Klimawandel und Umweltverschmutzung die Meeresumwelt des Pazifiks verändert und wie das marine Leben darauf reagiert.

Ausgerüstet sind die ansonsten primitiven Flöße dafür mit der modernsten Technik: Unter der Tupac Yupanqui ist ein Echo-Sounder befestigt, der sechs Stunden täglich das Wasser unter dem Floß per Sonar abtastet. Ein Strömungsmesser zeichnet Richtung und Tempo der Strömung auf und eine per Seil in definierte Wassertiefen abgelassene Messsonde registriert Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoffmenge und Chlorophyllgehalt des Wassers. Zudem setzt die Floßbesatzung 20 Driftersonden aus, die das weltweite Messnetz des Global Drifter Program vervollständigen.

Verknäuelte Reste von Netzen gehören zu den häufigen Funden von Plastik im Meer

Problemfall Mikroplastik


Einer der wissenschaftlichen Schwerpunkte der Expedition ist die Kartierung von Mikroplastik im Ozean. Denn inzwischen schwimmen mehr als fünf Billionen Kunststoffpartikel in den Meeren – und jedes Jahr kommen acht Millionen Tonnen dazu. Dies entspricht 15 vollen Plastiktüten auf jedem Meter Küste weltweit.

Ob Fischernetze, weggeworfene Plastiktüten und das nur wenige Millimeter kleine Mikroplastik: All das wird von Meeresströmungen mitgetragen und sammelt sich in fünf großen Müllstrudeln. Mitten durch den besonders vermüllten, aber bisher kaum untersuchten Südpazifischen Müllstrudel führt der Weg der Kon-Tiki 2-Expedition.

Die Filterpumpe für die Mikroplastik-Messung wird bereits gemacht.

Unsichtbare Gefahr


Um die Belastung des Wassers mit Mikroplastik zu testen, nehmen die Crews der Flöße regelmäßig Proben mit dem Manta Trawl, einem hinter dem Floß hergezogenen Filtersystem, das Plastikteilchen größer 300 Mikrometer aus dem Wasser herausfiltert. Die Menge kleinerer Partikel bis hinunter auf 50 Mikrometer Größe wird mit einer dreistufigen Filterpumpe bestimmt. Sie pumpt pro Einsatz genau 15.000 Liter Wasser durch drei verschieden feine Filter.

Zu sehen bekommt die Besatzung der Flöße von dem Plastikmüll allerdings kaum etwas. Denn die ständigen, starken Winde haben das Meerwasser durchmischt und die meisten Plastikteile unter die Oberfläche gedrückt. Doch das ändert nichts an der Bedrohung für die Meeresumwelt: "Mikroplastik ist eine besonders heimtückische Verschmutzung", erklärt Kon-Tiki 2-Chefwissenschaftlerin Cecilie Mauritz. "Denn es zieht Giftstoffe an und folgt den Nahrungsnetz des marinen Ökosystems – dadurch vergiftet es langsam die gesamte Nahrungskette."
Nadja Podbregar
Stand: 11.12.2015
 
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