Zahnstein alter Skelette klärt Paradox vermeintlich "ausgestorbener" Nahrung Osterinsel: Rätsel um Speiseplan gelöst - scinexx | Das Wissensmagazin
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Zahnstein alter Skelette klärt Paradox vermeintlich "ausgestorbener" Nahrung

Osterinsel: Rätsel um Speiseplan gelöst

Die alte Kultur der Osterinsel ist für ihre Steinfiguren berühmt © Bradenfox / CC-by-sa 3.0

Unmöglicher Speiseplan: Wie können die Bewohner der Osterinsel Palmfrüchte gegessen haben, obwohl es zu ihrer Zeit dort gar keine Palmen mehr gab? Dieses verblüffende Paradox entstand, als man vor kurzem winzige Palmreste im Zahnstein von Skeletten aus der frühen Besiedelungszeit der Osterinsel fand. Jetzt jedoch zeigt eine neue Analyse: Der Zahnstein führte in die Irre – in Wirklichkeit aßen die Rapa Nui etwas ganz anderes.

Die Kultur der Osterinseln gibt bis heute Rätsel auf. So ist bis heute nicht bekannt, wozu die monumentalen Steinstatuen, die Moai, den Menschen der Osterinsel einst dienten oder wen die darstellen. Bekannt ist nur, dass die Insel spätestens seit dem 13. Jahrhundert besiedelt war, und dass die neuen Bewohner die ursprüngliche Landschaft schnell veränderten: Sie legten Felder an und fällten nach und nach fast alle Palmen der Insel. Was die Osterinsel-Bewohner aber anbauten und aßen, blieb unklar.

Rätsel im Zahnstein

Vor kurzem brachte dazu eine Studie ein ziemlich verblüffendes Ergebnis: Analysen des Zahnsteins einiger auf der Insel gefundener Skelette schienen darauf hinzudeuten, dass die Bewohner vor allem Palm-Produkte verzehrt hatten. Doch Palmen waren schon bald nach der Kolonisierung der Insel ausgestorben. Wie aber kamen die Palmenreste dann in den Zahnstein der Bewohner?

Stärkekörnchen im Zahnstein halfen aufzuklären, was die Rapa Nui aßen. © Monica Tromp

Um diese Frage zu klären, haben sich Monica Tromp von der University of Otago und ihr Kollege John Dudgeon von der Idaho State University den Zahnstein der Osterinsel-Bewohner noch einmal vorgenommen. Sie analysierten dafür pflanzliche Mikrofossilien und die winzigen Stärkekörnchen, die im Zahnstein von 30 Zähnen eingebettet und konserviert worden waren.

Süßkartoffeln statt Palmen

Dabei zeigte sich: Die meisten Mikrofossilien stammten tatsächlich von Palmen. Die Stärkekörnchen jedoch erwiesen sich zum größten Teil als Kartoffelstärke – ihr Ursprung muss eine Ernährung auf Süßkartoffel-Basis gewesen sein, wie die Forscher berichten. Woher aber kommen dann die Palmrelikte?

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Dieses Rätsel löste ein verblüffend simples Experiment: Die Forscher ließen dafür Süßkartoffeln in Boden von der Osterinsel aufwachsen und analysierten dann deren Schale. Wie sich zeigte, hatten die Knollen während ihres Wachstums winzige Bodenteilchen in ihre Schale eingelagert – und in im Boden der Osterinsel finden sich auch Jahrhunderte nach Verschwinden der Palmen noch immer unzählige winzige Palmenrelikte.

Der erste Eindruck kann täuschen

Wie die Forscher erklären, belegt dies zweierlei: Zum einen ernährten sich die Osterinsel-Bewohner vor rund tausend Jahren offenbar hauptsächlich von Süßkartoffeln und bauten diese auch auf ihren Feldern an. „Vor dem Kontakt mit den Europäern im Jahr 1722 war die Süßkartoffel für die Rapa Nui demnach sehr wichtig“, so Tromp und Dudgeon.

Zum anderen aber können Mikrofossilien im Zahnstein Forscher ziemlich in die Irre führen. „Die Pflanzenrelikte, die man im Zahnstein findet, müssen nicht immer aus der Nahrung selbst kommen, sie können auch von den Nahrungspflanzen aus der Umwelt aufgenommen worden sein“, so Tromp. (Journal of Archaeological Science, 2014; doi: 10.1016/j.jas.2014.11.024)

(University of Otago, 17.12.2014 – NPO)

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