DNA-Vergleiche belegen Anteile indianischer Gene im Erbgut der Rapanui Osterinsel: Doch Kontakt zu Südamerika - scinexx | Das Wissensmagazin
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DNA-Vergleiche belegen Anteile indianischer Gene im Erbgut der Rapanui

Osterinsel: Doch Kontakt zu Südamerika

Die großen steinernen Moais zeugen von der vergangenen Kultur der Osterinseln © Natalia Solar

Und es gab ihn doch – den Kontakt zwischen Südamerika und der Osterinsel mitten im Pazifik. Neue DNA-Vergleiche belegen, dass sich vor rund 800 Jahren die polynesischen Bewohner der Osterinsel mit Ureinwohnern Südamerikas gekreuzt haben. Ob sie damals per Floß nach Westen reisten und zurück oder ob Indianer sie besuchten, ist allerdings noch unklar, wie Forscher im Fachmagazin „Current Biology“ berichten.

Riesige Steinköpfe mit großen Nasen und langen Ohren blicken Ankömmlingen entgegen: Die gewaltigen steinernen Moais der Osterinsel sind so geheimnisvoll wie weltberühmt. Woher ihre Erbauer kamen, war lange umstritten. Der norwegische Abenteurer Thor Heyerdahl glaubte, in den Osterinsel-Statuen Ähnlichkeiten zu südamerikanischen Skulpturen zu erkennen und vermutete deshalb, die Ureinwohner seien ursprünglich aus Südamerika gekommen.

Polynesische Wurzeln

Dass eine Seereise von Südamerika aus bis zu dieser entlegenen Pazifikinsel selbst mit einem einfachen Floß möglich ist, belegte Heyerdahl 1947 in seiner berühmtem Kon-Tiki-Expedition. Mit einem Floß aus Balsaholz segelte er von Peru bis zu den Tuamotu-Inseln Französisch-Polynesiens. Die gängige Lehrmeinung und zahlreiche archäologische und genetische Hinweise sprachen und sprechen allerdings gegen eine Erstbesiedelung der Osterinsel aus Südamerika.

Stattdessen geht man heute davon aus, dass die Ureinwohner der Osterinsel polynesischen Ursprungs sind. Das Seefahrervolk breitete sich vom asiatischen Festland kommend nach Osten und Süden aus und erreichte dank günstiger Klimaumstände vor gut 1.200 Jahren auch die Osterinsel. Offen blieb jedoch, ob die Bewohner der Insel anschließend Kontakt mit den Menschen im etwa 4.000 Kilometer entfernten Südamerika aufnahmen.

Anteile indianischer Gene

Victor Moreno-Mayar vom Museum für Naturgeschichte in Kopenhagen und seine Kollegen haben dies nun erneut mittel Genanalysen überprüft – und bestätigt. Vergleiche des Genoms der 27 untersuchten Osterinsel-Bewohner ergaben, dass ihr Erbgut zu 76 Prozent polynesisch, zu 16 Prozent europäisch und zu 8 Prozent indianisch-amerikanisch ist.

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„Die Präsenz von Genen amerikanischer Ureinwohner allein beweist noch nicht, dass es einen präkolumbianischen Kontakt gab“, räumen die Forscher ein. Doch die DNA-Analysen zeigten auch, wann es zur Einkreuzung des indianischen Erbguts kam. Demnach geschah dies etwa zwischen 1280 und 1425 – rund 400 Jahre, bevor die ersten Europäer die Osterinsel betraten.

Ausflüge nach Südamerika?

Wie genau der Kontakt zwischen den Nachfahren der Polynesier und südamerikanischen Indianern damals ablief, ist allerdings unklar. Nach Ansicht von Moreno-Mayar und seinen Kollegen ist es jedoch wahrscheinlicher, dass die Polynesier von der Osterinsel aus nach Osten segelten und dann von dieser Reise zurückkehrten – möglicherweise in Begleitung von Indianern. Denn die Küste Südamerikas ist bei einer solchen Fahrt quasi nicht zu verfehlen, umgekehrt ist die Chance verschwindend gering, die Osterinsel bei einer Fahrt von Osten aus durch Zufall zu finden.

Thor Heyerdahl lag demnach zumindest nicht komplett falsch: Es gab Kontakt zwischen Südamerika und der Osterinsel – auch wenn dieser wahrscheinlich von den Polynesiern ausging und nicht von den Indianern. Dafür spricht auch ein Fund, den Forscher vor kurzem in Brasilien machten: Dort entdeckten sie zwei alte Schädel von Ureinwohnern, deren Erbgut sich als rein polynesisch erwies – auch dies spricht für Besuche der Pazifikbewohner auf dem Kontinent.

Und auch die Seereise zwischen den beiden Regionen, die er mit der Kon-Tiki nachvollzog, hat offensichtlich mehrfach stattgefunden. Das belegt erneut, dass auch für vermeintlich primitive Kulturen die Ozeane keine unüberwindbare Barriere waren. (Current Biology, 2014; doi: 10.1016/j.cub.2014.09.057)

(Cell Press, 24.10.2014 – NPO/MVI)

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