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Freitag, 10.02.2012
Selbst die Mafia gibt einen aus
Was hat sich durch das Kobe-Erdbeben verändert?

Die Mängel im Krisenmanagement zeigen sich noch lange nach der Katastrophe. Es dauert einige Zeit, bis die zerstörten Wasser-, Gas- und Stromleitungen repariert werden können. Innerhalb eines Jahres nach dem Beben werden die großen Straßen und der wirtschaftlich bedeutende Hafen Kobes wieder hergestellt, auch neue Hochhäuser recken sich bereits in den Himmel.

Allerdings fehlen ein Jahr nach der Katastrophe noch immer neue Unterkünfte für die vielen Obdachlosen, die ihr Haus verloren haben. Noch immer wohnen 800 Menschen in Zelten, 90.000 müssen sich mit winzigen Behelfswohnungen zufrieden geben. Dort wachen sie nachts oft auf, wenn sie wieder einmal geträumt haben, dass die Erde bebt. Der Schock sitzt tief.

Die grundlegende Zerstörung durch das Erdbeben hat Japans Regierung dazu gebracht, Pläne für eine neue Hauptstadt zu schmieden. Falls ein solches Beben Tokyo treffen sollte, dann wären nicht nur 30 Millionen Menschen in Gefahr, sondern auch der gesamte Regierungsapparat. Japan wäre danach praktisch führungslos.

Auch die Diskussion um die Errichtung neuer Kernkraftwerke wird unter neuen Gesichtspunkten beleuchtet, Wie groß ist die Gefahr eines atomaren Zwischenfalls, wenn ein Erdbeben die Anlage beschädigt oder zerstört? Obwohl die Notwendigkeit von Atomenergie in Japan mit Verweisen auf die geringen Rohstoff-Vorräte der Insel bisher immer große Akzeptanz in der Bevölkerung fand, erlebte die Regierung jetzt doch eine Niederlage. Aufgerüttelt durch das Erdbeben, das einige Mängel der Sicherheitsvorkehrungen des dortigen Kernkraftwerkes aufdeckte, stimmten zum ersten Mal in der Geschichte Japans die Einwohner einer Stadt gegen den geplanten Bau eines AKW. 61 Prozent der Kleinstadt Maki lehnten die Pläne der Regierung ab.

Die Erschütterung des Bodens unter Kobe deckte somit zahlreiche Sicherheitsmängel und menschliches Versagen auf. Eines aber muß lobend erwähnt werden: Die Disziplin der Bevölkerung unter den Katastrophenbedingungen war beispiellos. Sogar Mitglieder der Yakuza, der japanischen Mafia, verteilten kostenlos Wasser und Nahrungsmittel an die notleidenden Opfer des Bebens. Allerdings taten sie dies vermutlich weniger aus Menschenliebe, sonder eher, weil sie auf baldige Aufnahme ihrer Geschäfte hofften...

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