Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Und der Status bisher?
Die Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen

Die Vorgaben und Ziele sind klar, doch am Handeln hapert es nach wie vor. Denn passiert ist im Klimaschutz bisher reichlich wenig. Ganz im Gegenteil: Der Ausstoß von Treibausgasen ist heute so hoch wie nie zuvor. Das ergab der vor rund einem Monat veröffentlichte Jahresbericht 2008 des Global Carbon Projects (GCP). Nach diesem sind die Treibhausgas-Emissionen 2008 trotz der weltweiten Finanzkrise und den damit verbundenen Wachstumseinbrüchen weltweit um weitere zwei Prozent gestiegen. Sie haben damit einen Rekordwert von 1,3 Tonnen Kohlenstoff pro Kopf und Jahr erreicht.

 Temperatur-Prognosen des IPCC (2007) für verschiedene Szenarien. Unterste Reihe:
Temperatur-Prognosen des IPCC (2007) für verschiedene Szenarien. Unterste Reihe: "Business as usual" mit steigendem Treibhausgasaustoß.
© IPCC AR4 2007  Temperatur-Prognosen des IPCC (2007) für verschiedene Szenarien. Unterste Reihe:
Dieser Zuwachs schraubt die atmosphärischen CO2-Konzentrationen auf einen neuen Höchststand von 385 parts per million (ppm). Damit bewegen sich diese Werte sehr nahe am „Worst Case“-Szenario des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Zwar senkten einige Industrieländer ihre Emissionen relativ zur Wirtschaftsleistung, absolut gesehen jedoch ist bei vielen keine Reduktion in Sicht.

Industrieländer machen’s vor
Als größte „Klimasünder“ stehen nach wie vor Australien, Kanada und die USA dar: Ihre Emissionen stiegen 2007 gegenüber 1990 um 30, 26 und rund 17 Prozent. Das zeigt die offizielle Statistik des UN-Klimasekretariats (UNFCC). Deutschland kann immerhin eine Verringerung von 21,3 Prozent gegenüber 1990 aufweisen, zehrt dabei aber immer noch vom Abbau der emissionsintensiven DDR-Industrien. Zusammen mit Japan und Großbritannien gehört Deutschland aber trotzdem zur Riege der großen Emittenten unter den Industrieländern, nach den USA und Kanada.

Entwicklung der Treibhausgasemissionen ausgewählter Staaten 
Entwicklung der Treibhausgasemissionen ausgewählter Staaten
© Datenquelle: UNFCC 2009  Entwicklung der Treibhausgasemissionen ausgewählter Staaten
Schwellenländer ziehen nach
Und auch die Schwellenländer rücken längst eifrig nach: China hat im vergangenen Jahr erstmals die USA als größter Verursacher von CO2-Emissionen abgelöst. Die Hälfte der weltweiten Emissionen für die Energieproduktion geht heute auf nur vier Verursacher zurück: China, die USA, Russland und Indien. Das zeigt eine Anfang Dezember 2009 veröffentlichte Studie der Internationalen Energieagentur (IEA).

Danach sorgten China und die USA im Jahr 2007 allein für 40 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes aus Kraftwerken. Die Hälfte des globalen Zuwachses seit 1990 - von 21 auf 29 Milliarden Tonnen CO2 – geht dabei auf das Konto Chinas. Allerdings sind die Emissionen pro Kopf gerechnet bei ihnen noch immer deutlich niedriger als in den Industrieländern. 2007 lagen sie in den USA pro Einwohner 16-Mal so hoch wie beispielsweise in Indien. Doch die Schere schließt sich allmählich. Und mit wachsender Weltbevölkerung und dem noch immer rasant steigenden Wirtschaftswachstum der Schwellenländer Asiens sind weitere Steigerungen vorprogrammiert.

Nach Angaben der IEA wird der globale Energiebedarf bis 2030 um 55 Prozent wachsen. Um diesen in klimaverträgliche Bahnen zu lenken, wäre eine Investition von insgesamt 26 Trillionen US-Dollar nötig, die Hälfte davon in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Denn wenn deren Emissionen nicht gebremst werden, würden sie alleine schon ausreichen, um ein Erreichen des Zwei-Grad-Zieles unmöglich zu machen - selbst wenn die Industrieländer heute ihre Emissionen komplett stoppen würden. So das düstere Fazit der Internationalen Energieagentur.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Klimagipfel 2009 - Akteure
Klimafolge Artensterben
Verlierer Mensch?
Klimawandel in Deutschland
Facts
„Brandschutzmauern“ und „Endzeituhren“
Zitate zur Klimakonferenz
Artikel zum Thema
Letzte Chance Kopenhagen
Der 15. Weltklimagipfel: Klimaschutz wohin?
Was muss getan werden?
Die von der Klimaforschung vorgegebenen Ziele
„Bekenntnis zur Zwei-Grad-Leitplanke“ muss sein
Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber im Interview
Und der Status bisher?
Die Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen
Wer bietet weniger?
Die Reduktionsziele der wichtigsten Akteure in Kopenhagen
Was kann in Kopenhagen erreicht werden?
Die Erwartungen und Zugeständnisse
Hemmschuh oder Wachstumsanreiz?
Was bedeutet Klimaschutz für die Wirtschaft?
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen