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Donnerstag, 25.08.2016
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Mit dem Hubschrauber zur Jagd

Ein Präzedenzfall der Wilderei

Die größte Gefahr für den Altai sind jedoch nicht der Klimawandel oder verheerende Naturkatastrophen. Der Mensch selbst betreibt Raubbau an der einmaligen Tier- und Pflanzenwelt dieser Region.

Zedernüsse und Baumaterial


Zedernzapfen

Zedernzapfen

Die mehrere Jahrhunderte alten dichten Wälder, eines der größten noch zusammenhängenden Waldgebiete der Erde, sind einerseits Ziel für harmlose Sammler von Zedernnüssen. Jedes Jahr im Herbst ziehen die Bewohner des Altai zu Hunderten in die Wälder und lesen die Zedernzapfen von Bäumen und Boden. Denn den Früchten der Sibirischen Zirbelkiefer wird nicht nur nachgesagt, die Abwehrkräfte des Menschen zu stärken und ausgesprochen gesund zu sein. Sie verkaufen sich auch bestens, vor allem an gut zahlende gesundheitsbewusste Europäer.

Die Wälder Südsibiriens sind aber auch längst Spekulationsobjekt geworden, Tausende von Kubikmetern Holz werden in Russland und Kasachstan jedes Jahr illegal geschlagen und als teures Baumaterial verkauft. Mitarbeiter der Waldverwaltung sind meist selbst tief in die Machenschaften der Wald-Mafia verstrickt und verkaufen das Holz, um sich selbst zu bereichern.

Wilderer abgestürzt


Wilderer, die es auf die seltenen Schneeleoparden und Argali-Wildschafe abgesehen haben, bezahlen mehrere Zehntausend Dollar für Jagdreisen, um eine der begehrten Trophäen mit nach Hause zu nehmen.

Argali-Wildschaf

Argali-Wildschaf

Spektakulär ist ein Fall aus dem Januar 2009. Bei einem Hubschrauber-Absturz in einer entlegenen Gegend des russischen Altai kamen sieben Menschen ums Leben. Der Hubschrauber gehörte zum russischen Öl-Konzern Gazprom. Unter den Opfern waren Alexander Kosopkin, ein Mitglied der Duma, des russischen Parlaments, und Viktor Kaymin, Umweltbeauftragter der Republik Altai. Der ebenfalls an Bord befindliche ehemalige stellvertretende Gouverneur der Republik Altai Anatoli Bannykh überlebte den Absturz.

Bei der Bergung fand man an der Absturzstelle auch Überreste aus der Ausrüstung der illustren Gesellschaft: erlegte Argali-Schafe, Waffen, Munition - Hinweise auf einen offensichtlich illegalen Jagdausflug.

Bedrohtes Argali-Schaf


Das Altai-Argali ist eine der am meisten bedrohten Tierarten des Altai und dementsprechend geschützt. Männliche Exemplare können bis zu 200 Kilogramm schwer werden, die in Schnecken eingedrehten Gehörne der Widder bis zu 25 Kilogramm schwer. In allen vier Altai-Staaten ist die Jagd auf das Argali strengstens verboten. In Russland, so schätzt der WWF, leben noch 600 Tiere, in Kasachstan etwa ebenso viele, in der Mongolei möglicherweise noch ein paar tausend Stück. Noch in den 1970er Jahren gab es allein in der Mongolei über 70.000 Argalis.

Vier getötete Argalis wurden in dem angestürzten Helikopter gefunden. Doch die Ermittlungen ergaben, dass Bewohner des Gebiets sogar von 18 bis 28 getöteten Exemplaren wussten, abgeschossen aus dem fliegenden Hubschrauber, mit dem die Tiere zuvor zusammengetrieben worden waren.

Wilderer sind gut geschützt


Bis heute sind die Schuldigen in diesem Fall nicht bestraft. Und niemand in Russland glaubt ernsthaft daran, dass sie jemals bestraft werden. Russische Umweltschützer fanden heraus, dass eine gut organisierte Infrastruktur existiert, um die illegale Jagd zu ermöglichen. Darin verwickelt sind hoch gestellte Politiker und regionale Unternehmer, Angestellte der Umweltämter und der Waldverwaltung.

Der russische Journalist Vladimir Ryzhkov, selbst ehemaliger Duma-Abgeordneter, fand heraus, dass vor dem Hubschrauber-Absturz im Januar fast wöchentlich hochrangige Politiker zur Jagd in den Altai geflogen kamen. Auf ihrer Abschussliste standen neben Argali-Schafen, auch Schneeleoparden, Bären oder Hirsche.


Stand: 12.09.2009
 
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