Vierländereck mit Sonderstatus - scinexx | Das Wissensmagazin
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Einmalig, aber bedroht

Vierländereck mit Sonderstatus

Vier Länder teilen sich das Land „unterm Mond“ oder das „Goldene Gebirge“, wie der Name in verschiedenen Turksprachen heißt – Russland, die Mongolei, China und Kasachstan.

Land der Urmutter

Die Belucha, der höchste Berg des Altai © Viktor Vologodskov

Genau auf der Grenze zwischen Russland und Kasachstan liegt die Belucha, mit 4.506 Metern der höchste Berg des Altai. Für Schamanen ist der Doppelgipfel die Heimat der Urmutter Umaj – das weibliche Pendant zum schroffen Khan Tengri, der mit 7.010 Metern an der Grenze von China, Kirgistan und Kasachstan aufragt und nach Schamanenglaube Sitz des männlichen Himmelsgottes ist. Nach den weißschäumenden Bergflüssen, die der Belucha entspringen, wird das Altai-Vorland als Bjelowodje bezeichnet, als Land der weißen Wasser. Zwei der weltweit größten Flüsse beherrschen die Ebenen, die sich von den Höhen des Altai nach Norden und Nordosten hinabziehen – Ob und Jenissej.

Erstrangig bei UNESCO und WWF

Die Tier- und Pflanzenwelt des Altai ist legendär. Deshalb hat die UNESCO schon 1998 das fast 1,7 Millionen Hektar große Kerngebiet des Altai-Gebirges als Weltnaturerbe eingestuft. Auch beim Wold Wildlife Fund (WWF) ist der Altai unter den „Global 200“ eingeordnet, eine Liste, die einmalig erhaltene und besonders schützenswerte Naturlandschaften herausstellt. Das vom WWF als Altai-Sayan-Ökoregion bezeichnete Gebiet erstreckt sich nicht nur über das Altai-Gebirge, sondern umfasst auch die auch die russischen Republiken Altai, Chakassien, Tuva und Burjatien und erstreckt sich nordöstlich bis kurz vor den Baikalsee und die Sayan-Berge, östlich bis zur Wüste Gobi.

Wüste und Steppe – Blick vom kasachischen in den chinesischen Altai © Edda Schlager

Dieses Gebiet wird von vielen Historikern und Archäologen als die „Wiege der Zivilisation“ bezeichnet, denn hier entwickelten sich unterschiedliche Sprachfamilien und von hier ging die Besiedelung des Kontinents aus. Hier wurden einige der ältesten Funde menschlicher Kultur gemacht.

Steppen, Tundra, Hochgebirge

Bis heute finden sich hier die größten noch intakten Wald- und Steppenlandschaften der Erde. In den baumlosen Bergsteppen und Bergtundren und den dichten Zedernwäldern des Altai leben Schneeleopard und Manul – eine seltene Wildkatze Zentralasiens –, Rotwolf und Braunbär, Maral-Hirsche, Zobel, Streifen- und Flughörnchen.

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Doch die einmalige Lebenswelt ist bedroht. Mitten im Herz des eurasischen Kontinents, weitab von allen Weltmeeren gelegen, herrscht in der Region ein stark kontinental geprägtes Klima – lange, kalte Winter und kurze, aber heiße Sommer prägen die Landschaft.

Bedroht durch Erderwärmung

Genau deshalb, so eine Studie des WWF, ist der Altai besonders von der globalen Erwärmung bedroht. „Die Region zwischen Altai und Sayan,“ so der WWF, „erwartet ähnlich starke klimatische Veränderungen wie die Arktis und eine größere Temperaturzunahme als die nördliche Halbkugel im Durschschnitt.“

Was das für die Ökosysteme der Region bedeutet, malt die WWF-Studie ebenso aus. Vor allem im Frühling und im Winter würde sich der Temperaturanstieg signifikant bemerkbar machen. Heftige Schneefälle und schwere Überschwemmungen werden die Folge sein, prognostiziert der WWF.

Wandernde Baumgrenze

„Während der nächsten 30 bis 50 Jahre könnte sich die Baumgrenze deutlich nach oben verschieben.“ Die Differenz, je nach Prognose-Szenario und Region, könne zwischen 15 und 150 Metern liegen. Das wiederum würde dazu führen, dass besonders sensible Lebensräume stark reduziert und isoliert würden, vor allem die Hochgebirgszonen.

Besonders stark könnte der mongolische Teil des Altai betroffen sein. Die Nordgrenze der Wüste Gobi werde sich durch die Erwärmung weiter nach Norden verschieben. Bis zu 14 Prozent der einmaligen Tundren- und Steppenlandschaft im Norden der Mongolei gingen so an die Wüste verloren, prognostiziert der WWF.

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Stand: 12.09.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Altai
Die Wiege der Zivilisation im Herzen Eurasiens

Vierländereck mit Sonderstatus
Einmalig, aber bedroht

Gigantische Superflut
Das Ende der Eiszeit im Altai

Mit dem Hubschrauber zur Jagd
Ein Präzedenzfall der Wilderei

Jagd als Kulturgut
Das Dilemma der Ur-Einwohner

Von Skythen, Hunnen und Türken
Der Altai, „Wiege der Zivilisation“

Die Mumie aus dem Eis
Knochenschwund und schlechte Mundhygiene

Schamanen und die Marktwirtschaft
Tradition im neuen Gewand

Hirschhorn für ein langes Leben
Wellness nach Altai-Art

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