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Donnerstag, 01.09.2016
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Von Shen Nung bis Kneipp

Die Anfänge der Pflanzenheilkunde

Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Methoden der Menschheit. Durch die Beobachtungen und Erfahrungen über viele Generationen hinweg fanden unsere Vorfahren schon heraus, welche Pflanzen bei welchen Leiden halfen und durch welche Dosierungen sich heilende von giftigen Wirkungen unterschieden.

Knoblauch

Knoblauch

Systematischer wurde das Ganze in der Hochkultur Chinas: Der chinesische Kaiser Shen Nung soll schon um 3.000 vor Christus das erste Heilkräuterbuch verfasst haben. In diesem werden bereits 239 pflanzliche Heilmittel genannt. Auch die Ägypter schrieben im dritten Jahrhundert vor Christus ihr Wissen über rund 700 verschiedene Arzneistoffe in Papyrus-Schriften nieder. Buddhistische Mönche empfahlen Knoblauch bereits vor über 1.500 Jahren für vielerlei Krankheiten.

Hippokrates von Kos (460 - 377 vor Christus) berichtete in seinen Schriften über 236 ausgewählte und geprüfte Heilpflanzen. Um 50 nach Christus verfasste der aus Kleinasien stammende Arzt Dioskurides Pedanios, Kaiser Neros Leibarzt, eine fünfbändige Arzneimittellehre "De materia medica", die für mehr als anderthalb Jahrtausende das grundlegende Arzneibuch war. Zur gleichen Zeit schrieb Gaius Plinius Secundus der Ältere eine Naturgeschichte in 37 Bänden, die "Naturalis historia", in der allein acht Bände von Pflanzen handeln.

Salat als Schlafmittel


Lange Zeit als die Bibel der Ärzte galt eine Enzyklopädie mit über hundert Schriften von Galenus, dem aus Kleinasien stammenden Leibarzt des römischen Kaisers Marc Aurel. Noch heute wird der Name Galenos im Begriff der galenischen Pharmazie gebraucht, der „Veredelung" und Zubereitung von Pflanzenstoffen zur Arznei. Durch Galenos weiß man, dass die Römer auch Salat und Kohl zu therapeutischen Zwecken nutzten. Salat galt als wirksames Schlafmittel – und nicht zu Unrecht. Denn inzwischen hat man diese Wirkung auf eine müdemachende Substanz im Milchsaft vieler Salatsorten zurück geführt.

Seite aus einem alten Heilkräuterbuch

Hildegard von Bingen (1098-1179) wird gerne als die „erste deutsche Naturforscherin und Ärztin" bezeichnet. Die Äbtissin legte im Garten des Benediktinerinnenklosters Rupertsberg einen Garten mit Nahrungs-, Gewürz- und Heilpflanzen an. Sie studierte die antiken und arabischen Schriften zur Arzneimittellehre und Heilkunst von Dioskurides, Galen und anderen. Durch ihre Nähe zum einfachen Volk konnte sie zusätzlich viel einheimisches Kräuterwissen zusammentragen. In ihrem Buch "Physika" werden die medizinischen Eigenschaften und Anwendungen von einheimischen und ausländischen Pflanzen, Tieren und Steinen beschrieben.

Paracelsus als Wegbereiter


Paracelsus (1492 - 1541) war die herausragende Ärztepersönlichkeit zwischen Mittelalter und Neuzeit im mitteleuropäischen Raum. In seinen medizinischen, naturkundlichen, astrologischen und theologischen Schriften brach Paracelsus mit der hippokratisch-galenistischen Heilkunde, die pflanzliche Heilmittel in ihren Mittelpunkt stellte, und war damit Wegbereiter einer pharmazeutischen Chemie. Auf seine Überlegungen baute die chemische Heilkunst des 16. und 17. Jahrhunderts auf, die in die moderne Arzneimittellehre mündete. Seine wohl bekannteste These lautete: „Die Menge macht das Gift (Dosis facit venenium)."

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden die berühmten Kräuterbücher von Otto Brunsfeld, Hieronymus Bock und Leonhart Fuchs verfasst, die versuchten, die umgebende Pflanzenwelt genau zu beschreiben und ihre Heilkräfte zu erklären. Sie schufen die ersten graphischen Pflanzenwerke, Herbarien, die mit lebensgroßen Bildern und Holzschnitten versehen waren.

Renaissance mit Kneipp


Im 19.Jahrhundert trat die Kräuterheilkunde, zumindest in Europa, durch den verstärkten Einsatz chemisch-synthetischer Arzneimittel merklich in den Hintergrund. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen Trend zurück zur Natur, weg von den Mitteln der chemischen Industrie. Einer der führenden Vorkämpfer der Pflanzenheilkunde war der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 - 1897), der sich darum bemühte längst vergessenes Kräuterwissen auszugraben.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde schließlich von Henri Leclerc (1870-1955) der Begriff Phytotherapie eingeführt, darunter versteht man die Wissenschaft, die sich mit der Anwendung von pflanzlichen Heilmitteln beim kranken Menschen befasst. Heute sind in der Medizin rund 3000 Pflanzen mit heilender Wirkung bekannt.

Stand: 23.02.2007
 
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