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Freitag, 10.02.2012
Waldsterben überlebt…
…aber der Stress bleibt

Mischwald am Rursee 
Mischwald am Rursee
© Andreas Heitkamp  Mischwald am Rursee
Trotz aller Unkenrufe vor allem in den 1980er und 1990er Jahren hat der deutsche Wald das prognostizierte Waldsterben bis heute nicht nur problemlos überlebt, sondern ist dabei in den letzten Jahren sogar noch erheblich weiter gewachsen.

Unumstritten jedoch ist, dass die Bäume trotz aller Anstrengungen im Umweltschutz noch immer Stress haben, der zu schwerwiegenden Schäden führt. „Die durch Luftverschmutzung verursachten Stoffeinträge, insbesondere die Stickstoffeinträge und die Ozonbelastung, sind trotz Erfolgen in der Luftreinhaltung immer noch zu hoch. Nach wie vor werden auf nahezu allen Messflächen im Wald die kritischen Werte (Critical loads) für Stickstoff- und Säureeinträge überschritten.“, resümierte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Peter Paziorek, bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2005 am 24. Januar 2006.

Doch das ist noch längst nicht alles: „Auch die kritische Ozon-Konzentration, bei deren Überschreitung nach aktuellem Kenntnisstand mit direkten negativen Auswirkungen auf Waldbäume zu rechnen ist (Critical level), wird großräumig überschritten. Zudem stellen die in den Waldböden bereits über Jahrzehnte akkumulierten Stoffeinträge eine latente Gefahr für die Qualität der Waldböden und des Grundwassers dar“, so Paziorek weiter.

Nicht ganz gesund und nicht gänzlich krank
Doch wie krank oder gesund ist der Wald nun tatsächlich? Hat er mittlerweile das Schlimmste überstanden? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. „Wenn die Bundesregierung nicht schnell die gesetzlichen Weichen in Richtung einer stabilisierenden Waldbehandlung stellt, werden sich die negativen Waldzustandsberichte in einigen Jahren mangels Wald von selbst erledigt haben“, behauptete beispielsweise NABU-Präsident Olaf Tschimpke noch am 24.01.2006.

 Bergwald
Bergwald
© Harald Frater  Bergwald
Professor Ernst Hildebrand vom Institut für Bodenkunde und Waldernährung der Universität Freiburg hält solchen Unkenrufen in einem Beitrag für den Deutschlandfunk im Jahr 2004 entgegen: „Die Zeit des Waldsterbens ist in der Tat vorbei, die ist auch Gott sei Dank nicht in Sicht. Dennoch würde ich sagen, haben wir den Patient Wald nach wie vor.“

Und weiter: „Ich will es mal in einen Vergleich kleiden: Wenn wir es an der Ressource messen, dann ist der Wald gesund, wenn wir es an den Funktionen messen, dann ist er krank. Das ist genau so wie ein Mensch, der sich gesund fühlen kann, krank ist, oder zumindest einen Defekt hat, wenn er seinen Blutdruck misst, und feststellt, der ist zu hoch. Dann wird der Arzt sagen: Du hast da einen gewissen Defekt, und da muss man was tun. Ich denke: In einer ähnlichen Situation sind wir mit unseren Wäldern: Gewisse Funktionen sind nicht so, wie sie sein sollten.“

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