Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Von Salzwiesen und Dünen...
Die Lebensräume im Watt

Priele, Baljen und Seegats -  
Priele, Baljen und Seegats - "Kanäle" des Watts
© Grünes Oval
Das Watt ist der Teil des Wattenmeeres, der dem täglichen Wechsel der Gezeiten ausgesetzt ist. Priele, Baljen und Seegats führen das Nordseewasser ins Watt und auch wieder hinaus. Auf und im Wattboden leben Unmengen von Kleinstlebewesen, die Nährstoffe, aber auch Schadstoffe, aus dem Wasser und dem Boden aufnehmen. Sie selbst stellen ein reichhaltiges Nahrungsangebot für Fische und Vögel dar.

Zwischen Meer und Festland befindet sich auf einer Gesamtfläche von 30.000 Hektar ein mittlerweile selten gewordenes Biotop - die Salzwiesen des Wattenmeeres. Sie entstehen durch Schlickablagerungen vor dem Deich und liegen dadurch über der Hochwasserlinie, so dass sie den Gezeiten nicht mehr ausgeliefert sind. Salzwiesen werden nur noch unregelmäßig überflutet. Vor allem im Winterhalbjahr und bei Sturmfluten kommen immerhin noch 10 bis 250 Salzwasserüberflutungen im Jahr zustande.

Spezialisten sind gefragt
Auf den Salzwiesen hat sich eine hochspezialisierte Lebensgemeinschaft aus salzresistenten Pflanzen, wie Queller, Strandgrasnelken und Strandflieder gebildet, die selbst unter diesen unwirtlichen Bedingungen überleben kann.

Aber auch einige Tiere haben diesen extremen Lebensraum für sich erobert. Bis Ende der 80er Jahre prägten Schafe die Salzwiesen, doch heute werden bereits 45 Prozent nicht mehr beweidet, um die natürlichen Prozesse ungestörter ablaufen zu lassen. So sind die Salzwiesen Heimat von 1.650 hochspezialisierten Insekten, Milben, Spinnen und Würmern. 250 dieser Arten sind sogar endemisch, das heißt sie kommen nur hier vor. Auch Küstenvögel fühlen sich auf den Salzwiesen wie zu Hause. Nicht umsonst sind die Salzwiesen ein Rastplatz und Brutgebiet von internationalem Rang.

Mehr als nur Sand...
Dünen gehören zur Nordsee, wie die erfrischenden 16°C des Nordseewassers und das wechselhafte Wetter. Meistens sind sie an der Ost- und Nordseite der Inseln zu finden. Die Dünenbildung ist ein komplizierter Prozess. Vereinfacht ausgedrückt bilden sich Dünen so: Die Brandung spült Sand vom Meeresboden an den Strand, durch den Westwind trocknet er und wird weggeweht. Der Sand bleibt an den langen Sprossen und Wurzeln der Dünengräser hängen und sammelt sich an. Mit der Zeit entsteht so eine Erhebung - die Düne. Als natürlicher Küstenschutz und Wellenbrecher halten Dünen Überflutungen ab. Deiche werden auf Inseln mit einer solchen Dünenkette nicht benötigt - die Dünen sind viel höher und breiter, allerdings auch empfindlicher als die künstlichen Wellenbrecher.

Strände uns Ästuare
Der Strand befindet sich zwischen Dünen und der Niedrigwasserlinie des Meeres. Sand an Stränden und Sandbänken ist in ständiger Bewegung und Pflanzen haben hier keine Chance Fuß zu fassen. Vor allem die Nordseiten der Inseln sind Wind und Wellen ununterbrochen ausgesetzt. Erst wenn soviel Sand abgelagert wurde, dass sie aus dem Überflutungsbereich herauswachsen besteht die Möglichkeit, dass irgendwann einmal eine Düne oder Salzwiese entsteht. Am Strand leben vorwiegend Vögel, wenige Insektenarten und Krebse, die die Flut zurückgelassen hat. Auch kleinere Organismen, die so klein sind, dass sie sich frei zwischen den Sandkörnern bewegen können, fühlen sich hier wohl. Auf den Sandbänken können Seehunde beobachtet werden.

Der letzte Lebensraum im Watt sind die Ästuare - die Flussmündungen. An den Ästuaren der großen Wattenmeer-Zuflüsse Rhein, Ems, Weser und Elbe vermischen sich Süß- und Salzwasser. Es entsteht so genanntes Brackwasser, in dem besondere Lebensbedingungen herrschen.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Bedrohtes Paradies Wattenmeer
Wo der Meeresboden begehbar ist...
Gebiet, in dem man waten kann
Das Wattenmeer stellt sich vor
Beständig ist nur der Wandel
Wieso gibt es eigentlich das Watt?
Watt ist nicht gleich Watt...
Geologische und geographische Einteilung
Von Salzwiesen und Dünen...
Die Lebensräume im Watt
Schützenwerte Naturlandschaft
Die Nationalparks im Wattenmeer
Hier ist mehr los als im Regenwald...
Nicht jeder kann hier leben
Rekordverdächtiges im Wattenmeer
Es kreucht und fleucht...
Von Knutt, Plattfisch, Heuler und dem kleinen Tümmler
Watt als Heimat für Tiere der Lüfte und des Wassers
Ganz schön abgehärtet
Die Pflanzen im Wattenmeer
Erdöl in der Nordsee
Nicht nur Tankerunglücke sind Schuld...
Von "schwarzen Flecken" und grünen Algen
Zu viel Nährstoffe sind auch nicht gut...
Der "blanke Hans" und seine Folgen
Der Sand wird immer weniger...
Jubiläum im Watt
Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer 20 Jahre alt
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen