Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Neue Perspektiven für die Landwirtschaft
Warum Kleinbauern wieder traditionelle Anbautechniken aufgreifen

Hunger und Mangelernährung sind in vielen Entwicklungsländern heute an der Tagesordnung, obwohl die Ökonomie von Entwicklungsländern stark landwirtschaftlich geprägt ist. Teilweise müssen daher große Mengen an Nahrungsmittel importiert werden. Die Förderung der Landwirtschaft wurde in den ersten Jahrzehnten der Entwicklungszusammenarbeit stark vernachlässigt. Doch das hohe Bevölkerungswachstum ließ gerade auf diesem Sektor die Probleme größer werden.

Zudem sind die Anbaubedingungen in vielen Regionen der Entwicklungsländer sind schwierig. Lange Dürreperioden vernichten Ernten und wenn der Regen fällt, dann so stark, dass er die Erde wegschwemmt. In den feuchttropischen Bereichen hingegen sind die Böden unfruchtbar, auch wenn der Anblick des Regenwaldes dies zunächst nicht vermuten läßt. Die natürliche Pflanzenfülle täuscht, denn sie funktioniert nur im geschlossenen Ökosystem des Regenwaldes. Früher fiel die geringe Nutzung nicht ins Gewicht, doch das Bevölkerungswachstum hat die Intensität des Anbaus verstärkt. Hinzu kommt die großflächige Bewirtschaftung mit Exportprodukten. Die Monokulturen laugen den Boden zusätzlich aus und haben traditionelle Landnutzungssysteme verdrängt.

Kleinbauer 
Kleinbauer
© Kirsten Hildebrandt
Entscheidend für die Zukunft vieler Entwicklungsländer wird es daher sein, inwiefern es gelingt, die kleinbäuerliche Landwirtschaft wieder aufzubauen. Erste Projekte hierzu gab es in den 70er Jahren. Unmengen an Dünger und Hochertragssorten sollten dazu beitragen die Ernten schnell zu verbessern. Mitte der 80er wurde aber klar, dass nur eine nachhaltige Landwirtschaft, die Zukunft der Bauern und damit die Ernährung dauerhaft sichern kann. Inzwischen gibt es eine Reihe von Projekten, die die Umorientierung auf nachhaltige Anbaumethoden fördern. Dabei kommen auch Aspekte des Ökolandbaus in Industrieländern zum Einsatz. Vor allem aber wird auf die Kenntnisse traditioneller Anbautechniken zurückgegriffen, die in hohem Maße an die Verhältnisse der Regionen angepaßt waren.

Auch das International Centre for Research in Agroforestry in Nairobi sieht die Zukunft des Landes bei den Kleinbauern. Das Institut bildet die Bauern in nachhaltiger Landwirtschaft aus, die dann als Berater die Kenntnisse an die Bewohner ihrer Dörfer weitergeben. So sorgt zum Beispiel die Anpflanzung des Strauchgewächses Calliandra für eine Verdopplung der Erträge. Die Pflanze bindet Stickstoff aus der Luft und speichert den Nährstoff dem Boden. Zudem verhindern die Wurzeln die Erosion und das Holz kann zum Feuern genutzt werden. Die Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern ist wichtiger Bestandteil nachhaltiger Anbaumethoden, denn sie verbessern Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt und Mikroklima entscheidend. Frucht- und Nussbäume sorgen zudem für ein zusätzliches Einkommen.

Im indischen Bundesstaat Maharashtra sichern seit einem Projekt in den 90er Jahren Mango- und Cashewbäume zwischen den Feldern Natur und Einkommen der Familien. Die Maßnahmen wurden von einer einheimischen Nichtregierungsorganisation initiert und durchgeführt. Finanzielle Unterstützung kam von der GTZ aus Deutschland. Die meist in Hanglage liegenden Felder erhielten durch Anlage von Erddämmen und Baumanpflanzungen eine Terrassierung, um zukünftig die starke Erosion zu verhindern. Darüberhinaus wurde ein Staudamm und kleinere Wasserspeicher für die bessere Verteilung des kostbaren Gutes angelegt. In den Speichern züchten die Einwohner zudem Fische als Bereicherung für die Ernährung.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Facts
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Entwicklungsländer
Gibt es Wege aus dem Labyrinth der Armut?
Fünf Welten in der einen Welt
Wie die politischen Umbrüche der 90er Jahre die Einteilung der Welt veränderten
Was charakterisiert ein Entwicklungsland?
Die Merkmale und die Probleme bei der Definition
Die Suche nach den Ursachen
Warum es vielen Entwicklungsländern nicht gelingt, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen
Aus reich mach arm
Wie der Krieg um Rohstoffe Potentiale ruiniert
Export von Rohstoffen und Import von Fertigwaren
Die Abhängigkeit der Entwicklungsländer auf dem weltweiten Handelsmarkt
Kenia
Geographie, Wirtschaft und Bevölkerung
Naturwelt, Tourismus, Armut...
Die Entwicklung zum Wirtschaftsmotor Ostafrikas
Warum in Kenia das Licht nicht brennt
Das Musterland auf dem wirtschaftlichen Rückschritt
Von der Entwicklungshilfe zur Partnerschaft
Geschichte, Prinzipien und Strukturen der Entwicklungszusammenarbeit
Wenn Projekte scheitern
Über den Sinn und Unsinn einer Hilfe von außen
Burkina Faso
Wie 1.000 Handpumpen einer ganzen Region zu neuer Lebensqualität verhalfen
Beispiel Tansania: ein Kleinstprojekt
Wasserkraft statt Diesel für Maismühlen
Bildung als Chance
In den Dorfschulen Honduras lernen die Kinder für's Leben
Neue Perspektiven für die Landwirtschaft
Warum Kleinbauern wieder traditionelle Anbautechniken aufgreifen
Afrika überwindet Grenzen
Geben Nationalparkprojekte dem Kontinent neue Hoffnung?
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen