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Freitag, 10.02.2012
Klimakapriolen
Pollen und Bohrkerne erzählen die Erdgeschichte

Nicht nur 80 Millionen Jahre alte Dinos und Wunderseen beschäftigen die Wissenschaftler in der Wüste Gobi, auch die "Rekonstruktion des spätpleistozänen und holozänen Environments in der westlichen Inneren Mongolei Chinas" steht auf ihrem Forschungsplan. Hinter diesem für den Laien einigermaßen abstrakten Titel steckt ein Bündel von Teilprojekten im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Dabei untersuchen Geographen oder Geophysiker die tektonische, sedimentologische und hydrogeologische Entwicklung eines Sedimentbeckens in der Badain Jaran Shamao. Sie interessieren sich unter anderem für ehemalige Seen und deren Zuflüsse in der Region um die Oase Ejina Qi in der Inneren Mongolei.

Klima und Umwelt unter der Lupe
 Pollen
Pollen
© USDA
Pflanzenpollen, Gesteinsproben, aber auch alte Schriftstücke sollen in dem multinationalen DFG-Forschungsprojekt Prof. Hans-Joachim Pachur vom Institut für Geographische Wissenschaften der Freien Universität Berlin und seinem Team dabei helfen, mehr über das Klima und die Umwelt in der Vergangenheit der Gobi zu erfahren. An den Arbeiten sind neben Pachur unter anderem Biologen, Bodenkundler und Sinologen beteiligt. "Wir versuchen nachzuweisen, dass es in einigen Gebieten der Gobi sehr fruchtbare Perioden mit hohen Niederschlagsmengen gegeben hat.", sagt Pachur dazu in einem Bericht der FU-Nachrichten.

Im Mittelpunkt des Interesse steht unter anderem die Zeit vor mehr als 2.000 Jahren. Damals lebten in den Steppenlandschaften der Gobi chinesische Soldaten, die nicht nur die Grenze vor Feinden abschotten sollten, sondern auch Talente als Bauern bewiesen. Stutzig machte die Wissenschaftler nun, dass diese Vorposten des Reichs der Mitte um 140 nach Christus urplötzlich die Region verließen. Die Frage, die sich die Wissenschaftler nun stellen lautet: War es ein Klimawandel, der die Menschen aus dem einstmals fruchtbaren Gebiet vertrieb oder einfach nur das sich bereits ankündigende Ende der Blütezeit der Han-Dynastie?

Doch die Forscher wollen auch noch viel weiter zurück in der Erdgeschichte. Mithilfe von über 200 Meter tiefen Bohrungen versuchen sie das Aussehen der Gobi vor knapp einer Million Jahren zu rekonsturieren. Die Bohrkerne liefern eine Vielzahl an Überresten von Schnecken, Krebsen und anderen Lebewesen, aber auch Pollenkörner sind darunter.

Die Analyse der Funde soll schließlich Mosaiksteichen für Mosaiksteinchen zu einer genauen Vorstellung vom Klima und dem Aussehen der Tier - und Pflanzenwelt führen. Bis es jedoch so weit ist, müssen noch viele Forschungscamps aufgeschlagen, Proben erbohrt und Pollen gezählt werden...

Geophysikalische Forschung
Im Mittelpunkt der geophysikalischen Arbeiten von Prof. Hans Burkhardt und seinem Team von der Technischen Universität Berlin stand im Jahr 2001 dagegen die Erforschung eines Wadis, dessen tektonische Bildung möglicherweise im Zusammenhang mit der Entstehung des so genannten Yuanze-Sees steht.

Mithilfe von elektrisch-elektromagnetischen Messungen - unter anderem unter Verwendung eines Bodenradars - konnten sie hochwertige Daten über die "Geburt" des Wadis und des begrenzenden Grundgebirges gewinnen, die zurzeit zum großen Teil noch ausgewertet werden. Erste Ergebnisse der Analysen belegen beispielsweise, dass die Sedimentschichten am Westrand des Wadis eine Dicke von rund 500 Meter besitzen.

Doch die Geophysiker der TU Berlin haben auch bereits neue Ziele ins Visier genommen. In den nächsten Jahren wollen sie einige der 100 "Wunderseen" im Dünengebiet der Badain Jaran Shamo näher unter die Lupe nehmen.

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