Der Gobi verfallen... - scinexx | Das Wissensmagazin
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Der Gobi verfallen…

Von Marco Polo bis Sven Hedin

Marco Polo © Fordham University

„Diese Wüste ist so groß, dass man ein Jahr bräuchte, um von einem zum anderen Ende zu gelangen; und an ihrer schmalsten Stelle braucht man dazu noch einen Monat. Sie besteht gänzlich aus Bergen, Sand und Tälern. Es gibt dort nichts Essbares.“ – Der Mann der in seinen Reiseaufzeichnungen ein derart vernichtendes und angsteinflößendes Urteil über die Gobi fällte, war Marco Polo. Zusammen mit Vater Nicolao und Onkel Maffeo durchquerte er um 1270 auf dem Weg nach China große Teile der Wüste auf den verschlungenen Karawanenwegen der Seidenstraße.

Die Mitglieder einer altehrwürdigen Kaufmannsfamilie in Venedig gehörten damals zu den ersten Europäern, die Bekanntschaft mit dem Reich der Mitte und speziell den Qualen und Mühen in der Wüste Gobi machten.

Als die Polos vor rund 700 Jahren in China weilten, war der vielleicht berühmteste Sprößling der Gobi, der legendäre Dschingis Khan, bereits einige Jahrzehnte tot. Mit seiner mehr als hunderttausend Mann zählenden Reiterarmee hatte er sich aus den Steppen der Wüste um 1210 nach China aufgemacht und in einem blutigen Feldzug Städte wie Zhongdu, das spätere Beijing, erobert. Mit der Zeit entwickelte sich das Mongolenreich unter Dschingis Khan und seinen Nachfolgern zum größten Landimperium aller Zeiten. Es reichte von der Gobi bis nach Indien und Europa.

Nach seiner Rückkehr aus China Ende des 13. Jahrhunderts berichtet Polo in seinem Buch „Il Milione – Die Wunder der Welt“ den staunenden Europäern nicht nur über die Reichtümer und Schätze Asiens, es entstand auch der erste echte systematische Reiseführer über die Gobi und den Fernen Osten.

Marco Polo jedoch blieb nicht der einzige Europäer, der sich um das Wissen über die Gobi verdient gemacht hat. Im Jahr 1895 war es der schwedische Abenteurer und Wissenschaftler Sven Hedin, der zunächst versuchte, die Wüste Takla Makan mit seinen Begleitern zu durchqueren. Obwohl die Mission in einem Fiasko endete – nur Hedin selbst und seine Diener kehrten von der Expedition lebend zurück- war sein Aufstieg zum berühmtesten Abenteurer und Forscher der damaligen Zeit nicht mehr aufzuhalten. Denn er hatte eine Vielzahl an spannenden Erlebnissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Wüste mitgebracht, die er in seinen Reisememoiren geschickt unter das Volk brachte.

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Doch der große Schwede war seitdem von dem Gobi-Virus infiziert. 1927 brach Hedin schließlich erneut in die Gobi auf. Vom Gelben Fluss, dem Huang He, ging es zum Fluss Edsin Göl und später weiter bis Urumchi in der chinesischen Provinz Xinjiang.

Ziel war es, im Auftrag und mit erheblicher finanzieller Unterstützung der deutschen Reichsregierung, einen Atlas Zentralasiens anzufertigen und Witterungsbedingungen und Landeplätze zu erkunden. Die Spionageaktion wurde gut getarnt unter dem Deckmantel der Lufthansa, die eine Flugroute China – Deutschland einrichten wollte. Dazu musste sie angeblich wissen, ob die Gobi ohne größere Probleme überquert werden konnte.

Obwohl Hedin nach vielen Mühen und Strapazen das Ziel Urumchi erreichte, war die Mission vergebens. Die Politiker in Xinjiang verweigerten eine Zusammenarbeit und stellten auch keine Fluggenehmigung für das deutsche Unternehmen aus. Hedin hatte im Laufe der Exkursion große Gebiete kartiert und Informationen gesammelt, die für eine spätere militärische Nutzung wichtig sein konnten. So nutzten beispielsweise im Jahr 2001 amerikanische Piloten beim Angriff auf Afghanistan Karten, die auf den Aufzeichnungen Hedins basierten.

Hedin jedoch ließ die Wüste auch später nicht mehr los. Im Rahmen einer Expedition auf dem Fluss Konqi nahe der Takla Makan Wüste landete er nach einer abenteuerlichen Bootsfahrt 1934 am Lop Nur-See und konnte nachweisen, dass es sich dabei um ein „wanderndes“ Gewässer handelt. Der See wurde damals gespeist durch die Flüsse Tarim und Konqui, die gelegentlich ihr Flussbett wechselten. Wie Hedin herausfand, bildete sich der See je nach Verlauf der beiden Flüsse jeweils an einem anderen Ort neu. Heute jedoch erreicht nur noch wenig Wasser über Tarim und Konqui den Lop Nur. Er hat sich deshalb in weiten Bereichen zu einem Salzsee mit einem markantem Äußeren entwickelt…

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Stand: 28.10.2003

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wüste Gobi
Welt ohne Wasser

Zum Weiterlesen
Links und Literatur

Faszination und Schrecken
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Der Gobi verfallen...
Von Marco Polo bis Sven Hedin

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Von Dinos und frühen Säugern

Einzigartige Tierwelt der Gobi
Schneeleoparden, Gobi-Bären und salzwasserresistente Kamele

Badain Jaran Shamo
Von Megadünen und versteckten Seen

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