Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Die Mischung macht’s…
Toxincocktail statt Einzelgift

Latrodectus hasseltii (Rotrückenspinne) 
Latrodectus hasseltii (Rotrückenspinne)
© Wolfgang Wüster
Neben den Nervengiften gibt es aber auch noch andere Wirkstoffe, die dem Opfer schwere Schäden zufügen oder es für immer außer Gefecht setzen können. So haben häufig auch Hämotoxine - Blutgifte - ihre Hand im Spiel. Sie vernichten Zellen oder Gewebe und machen in ihrer Zerstörungswut auch vor den roten und weißen Blutkörperchen nicht halt. Die Cardiotoxine einiger Schlangen dagegen verursachen Herzstillstand und führen so zum Exitus des Beutetieres.

So verschieden die einzelnen Giftmischer unter den Tieren auch arbeiten, eines haben sie stets gemeinsam: Ihre chemischen Waffen bestehen nie auf einem einzigen Stoff. Es handelt sich immer um einen Cocktail aus zum Teil hunderten oder tausenden von Substanzen, die zusammen für die Giftwirkung im Organismus verantwortlich sind. Nervengifte werden dabei munter kombiniert mit Blutgiften oder andersherum.

Bei manchen Tieren dürfen auch Verdauungsenzyme im Gift nicht fehlen. Nach dem Biss oder Stich ist die Beute in so einem Fall nicht nur gelähmt oder tot, sondern auch bereits für das Gefressenwerden bestens präpariert. Der Gift-/Enzymmix führt dazu, dass sich das Innere der Beutetiere nach und nach auflöst und anschließend vom Angreifer „ausgeschlürft“ werden kann. Übrig bleiben am Ende nur noch die widerstandsfähigen harten Überreste der Opfer wie beispielsweise ein Krebspanzer nach einer Tintenfischmahlzeit.

Um sich nicht selbst mit den gefährlichen Substanzen zu vergiften, lagern einige Arten die verschiedenen Bestandteile ihres Toxins getrennt. Erst kurz vor dem Biss oder Stich werden sie „zusammengemixt“ und können dann im Opfer ihre volle Wirkung entfalten.

Toxine als der Bakterienfabrik
 Dendrobates auratus
Dendrobates auratus
© Thomas Villegas / "Arachnokulture"
Längst nicht alle Gifttiere rühren ihre chemischen Waffen in eigener Regie an, manche wie die Pfeilgiftfrösche rekrutieren sie auch aus der Nahrung. Gelegentlich beschäftigen die giftigen Organismen sogar „Untermieter“, die die brisanten Giftcocktails für sie herstellen.

Die zehn bis 15 Zentimeter großen Blauringkraken vor der Küste Australiens beißen, wenn sie gereizt werden, gerne mal kräftig zu. Selbst ein Neoprenanzug kann dieser Attacke nicht standhalten. Das im Speichel enthaltene Tetrodotoxin, ein Nervengift für das auch der Kugelfisch berüchtigt ist, gelangt dabei in die Wunde. Das Toxin kann im Extremfall zur totalen Atemlähmung bis hin zum Tod führen. Erzeugt wird das gefährliche Gift nicht durch die Tintenfische selbst, sondern von winzigen Bakterien, die mit den Kraken in Symbiose leben.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Gefährliche Giftmischer
Tiere und ihre Toxine
Winzlinge in tödlicher Mission
Pfeilgiftfrösche
Gift ist nicht gleich Gift
Woraus bestehen tierische Waffen?
Die Mischung macht’s…
Toxincocktail statt Einzelgift
Spuckangriffe und Hautsekrete
Wie setzen Tiere ihre Gifte ein?
Mit Giftharpunen und Stacheln gegen den Feind
Strategien zum Übertragen der Toxine
Der Klügere siegt!
Wettstreit zwischen Gifttieren und ihren Opfern
El Dorado für tödliche Kreaturen
Gefährliches Australien
Mit Schnecken gegen Schmerzen
Neue Medikamente aus Tiergiften
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen