Dr. Livingstone, I presume? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Spekes Rehabilitation

Dr. Livingstone, I presume?

1866, drei Jahre nach Spekes Rückkehr aus Ostafrika und der folgenden Demontage seiner Ergebnisse und seines Rufs entschloss sich die Royal Geographical Society, einen dritten Versuch zu starten. Sie engagierte dafür den erfahrensten und bekanntesten Afrikaforscher seiner Zeit, David Livingstone.

David Livingstone © National Library of Congress

Der gerade erst von seiner Erforschung des Sambesi zurückgekehrte Arzt und Entdecker machte sich noch im gleichen Jahr auf, das Gebiet zwischen dem Tanganjikasee und dem südlicher gelegenen Lake Nyaza (Malawisee) zu erkunden. Nach seinem Aufbruch ins Innere des Kontinents umrundete er das Südende des Nyazasees und arbeitete sich unter großen Schwierigkeiten nach Norden vor. Einige seiner vorher angeheuerten Begleiter desertierten auf diesem Marsch und verbreiteten in Sansibar das Gerücht, Livingstone sei tot.

Tatsächlich blieb er mehrere Jahre verschollen, so dass 1871 der amerikanische Journalist Henry Morton Stanley eine Suchexpedition startete. Ihr Ende fand diese in Ujiji am Tanganjikasee, wo Stanley den berühmte Satz äußerte: „Dr. Livingstone, I presume?“. Livingstone war zu diesem Zeitpunkt zwar schwerkrank und litt unter Nahrungsmangel, erholte sich dank Stanleys Vorräte jedoch schnell wieder. Gemeinsam erkundeten sie erneut das Nordende des Tanganjikasees und bestätigten die Feststellung Burton und Spekes, dass dort nur ein Fluss hinein, aber keiner herausfloss.

Im März 1872 trennte sich Stanley wieder von Livingstone. Angeregt durch seine Erfahrungen mit dem Afrikaforscher entschied er sich, nun selbst eine Expedition durchzuführen. Zwei Jahre später war Stanley, mit drei weiteren Europäern, 300 Trägern und einem zerlegbaren Schiff ausgerüstet, zurück in Ostafrika. Auf dem Wasserweg wollte er nun nach einer Verbindung zwischen Nil und Tanganjikasee oder Viktoriasee suchen.

Mithilfe des Schiffes gelang ihm, was seine Vorgänger so lange vergeblich versucht hatten: Er bewies eindeutig, dass es zwischen Tanganjikasee und Nil keinerlei Verbindung gab, wohl aber zwischen Viktoriasee und Nil. Damit war, zehn Jahre nach der öffentlichen Demontage des Entdeckers John Hanning Spekes, der Streit um den Ursprung des Nils endgültig entschieden und Speke rehabilitiert. Für diesen kam die Bestätigung allerdings zu spät: Er war kurz nach Veröffentlichung seines umstrittenen Berichts gestorben – an Selbstmord, wie einige Zeitgenossen vermuteten…

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Stand: 11.03.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Vorstoß in das Herz Afrikas
Die lange Suche nach den Quellen des Nil

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Wie die "Stecknadel im Heuhaufen"
Das Mysterium des Nilursprungs

Lebensader Nil
Wiege der Kulturen und Weg ins Innere Afrikas

Profit, Ruhm und "Gottes Auftrag"...
Der Run auf den dunklen Kontinent beginnt

Zum blauen Auge Äthiopiens
Die (Wieder)-Entdeckung der Quelle des Blauen Nils

Aufbruch ins unbekannte Herz Afrikas
Streit um den Kilimandscharo

Zu den großen Seen des Inneren
Die Expedition von Burton und Speke

"Das Rätsel ist gelöst"?
Spekes zweite Reise zum Viktoria-See

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