Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Öl raus, Gas rein
Ölfelder als CO2-Speicher?

Längst wird nicht nur in Norwegen nach weiteren geeigneten CO2-Lagerstätten im Untergrund Ausschau gehalten, sondern fast weltweit. Selbst in Australien machen sich Wissenschaftler inzwischen auf die Suche nach vielversprechenden „CO2-sinks“: Simon Lang, Koordinator eines eine Million Dollar schweren Forschungsprojekts beschreibt das Ziel so: „Die Idee ist es, Orte zu finden, wo wir hunderte von Millionen Tonnen CO2 für viele Jahre unterbringen können. Denn das könnte sich als eine der wenigen Möglichkeiten herausstellen, die Emissionen schnell und stark genug zu senken.“

Neben den salinen Aquiferen richtet sich das Augenmerk der Geologen vor allem auf Lagerstätten von fossilen Brennstoffen. Als besonders vielversprechend, weil mit lukrativem Nebeneffekt, könnte sich dabei die Nutzung von Ölfeldern erweisen.

Prinzip des Enhanced Oil Recovery 
Prinzip des Enhanced Oil Recovery
© GFZ/MMCD
Wenn das Öl in einem Reservoir zur Neige geht, reichen die normalen Fördermethoden nicht mehr aus, um den Ölrest zu gewinnen. Deshalb setzen Ölkonzerne die Technik des „Enhanced Oil Recovery“ ein. Dabei wird ein Gasgemisch, oft auch CO2, in das Ölreservoir gepumpt, der Druck im Inneren steigt und drückt das Restöl an die Oberfläche. Allein die USA pumpen dafür bereits jetzt jährlich 32 Millionen Tonnen Kohlendioxid in den Untergrund, weltweit sind es sogar 31 Millionen Tonnen pro Tag. Da diese Technologie schon seit den 1970er Jahren eingesetzt wird, ist sie erprobt und bewährt. Die Gewinne durch die Ölförderung tragen zudem dazu bei, die Nettokosten für das Verfahren zu senken.

Ein Nachteil in Bezug auf die langfristige CO2-Speicherung ist allerdings, dass ein Teil des Kohlendioxids bei der Ölförderung wieder mit an die Oberfläche gelangt und hier abgetrennt und reinjiziert werden müsste. Experten schätzen die durchschnittliche Speicherdauer zudem auf nur einige Jahrzehnte und die Kapazität weltweit mit nur 20 bis 65 Gigatonnen Kohlenstoff als eher gering ein.

Besser, wenngleich ohne die zusätzliche Einnahmequelle durch das Enhanced Oil Recovery, sieht es für erschöpfte Ölfelder aus. Hier geht beispielsweise das IPCC von einer weltweiten Kapazität von mindestens 100 Gigatonnen und durchschnittlichen Lagerzeiten von hunderttausenden von Jahren aus. Ein Nachteil sowohl der aktiven als auch der erschöpften Ölfelder ist ihre Lage: Die meisten Ölfelder befinden sich fernab von Kohlendioxid produzierenden Kraftwerken oder Industrieanlagen, so dass der Transport relativ aufwendig und teuer wäre.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Wohin mit dem CO2?
Auf der Suche nach „Endlagern“ in Untergrund und Ozeanen
Ab in den Untergrund
Das Projekt Sleipner
Öl raus, Gas rein
Ölfelder als CO2-Speicher?
Gas rein, Gas raus
Speicherung in Gas- und Kohlelagerstätten
Trockeneis in die Tiefsee
Ozeane als Kohlendioxidspeicher?
Mit dem Eisenexpress in die Tiefe?
CO2-Speicherung durch Eisendüngung des Meeres
Ein endlicher Puffer...
Ozeane als „Lösung auf Zeit“
Alibi oder Abhilfe?
Sinn und Effektivität der Sequestrierung
Eine Frage des Geldes...
Die Kosten der Sequestrierung
Wie geht es weiter?
Zukunftschancen der Sequestrierungstechnologie
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links ud Literatur zum Thema
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen