8-Punkte-Plan der Bundesregierung zum Thema Klimaschutz vorgelegt 40 Prozent weniger CO2 bis 2020? - scinexx | Das Wissensmagazin
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8-Punkte-Plan der Bundesregierung zum Thema Klimaschutz vorgelegt

40 Prozent weniger CO2 bis 2020?

Die massive Senkung des Energieverbrauchs, der Neubau effizienterer Kraftwerke und ein drastischer Ausbau der Erneuerbaren Energien sind die Eckpunkte eines 8-Punkte-Plans mit dem die Bundesregierung den CO2-Ausstoß in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent reduzieren will. Noch in diesem Jahr wird ein neues Klimaschutzprogramm starten. Ziel ist es Deutschland zum energieeffizientesten Land der Welt zu machen.

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„Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Aber erste Ergebnisse von Studien im Auftrag der Bundesregierung zeigen, dass das machbar ist. Wir können den CO2-Ausstoß bis 2020 um 270 Millionen Tonnen gegenüber dem Stand von heute reduzieren, wenn wir die Weichen richtig stellen“, sagte Sigmar Gabriel in seiner Regierungserklärung im Deutschen Bundestag.

Die acht Maßnahmen im Überblick:

  • Reduktion des Stromverbrauchs um elf Prozent durch massive Steigerung der Energieeffizienz (Einsparvolumen: 40 Millionen Tonnen)
  • Erneuerung des Kraftwerksparks durch effizientere Kraftwerke (30 Millionen Tonnen)
  • Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf über 27 Prozent (55 Millionen Tonnen)
  • Verdoppelung der effizienten Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung auf 25 Prozent (20 Millionen Tonnen)
  • Reduktion des Energieverbrauchs durch Gebäudesanierung, effiziente Heizungsanlagen und in Produktionsprozessen (41 Millionen Tonnen)
  • Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien im Wärmesektor auf 14 Prozent (14 Millionen Tonnen)
  • Steigerung der Effizienz im Verkehr und Steigerung des Anteils der Biokraftstoffe auf 17 Prozent (30 Millionen Tonnen)
  • Reduktion der Emissionen von anderen Treibhausgasen wie zum Beispiel Methan (40 Millionen Tonnen).

„Die letzten Monate haben uns allen die Gefahren des Klimawandels vor Augen geführt. Jetzt müssen wir die richtigen Konsequenzen aus den wissenschaftlich belegten Fakten ziehen. Dabei geht es um nicht weniger als den Umbau der Industriewirtschaft. Wir werden neue Technologien entwickeln müssen, um effizienter mit den vorhandenen Energieträgern umzugehen. Wir werden bei den erneuerbaren Energien weitere Innovationsschübe brauchen. All das birgt auch große ökonomische Chancen – gerade für ein exportorientiertes Land wie Deutschland.“, so Gabriel weiter.

Nichtstun wir teuer

Nichtstun könne sich Deutschland wirtschaftlich nicht leisten. Das DIW habe errechnet, dass sich die ökonomischen Folgeschäden eines ungebremsten Klimawandels für Deutschland auf 137 Milliarden Euro belaufen würden, so Gabriel. Die notwenigen Klimaschutzinvestitionen anzustoßen, werde hingegen bis zum Jahr 2010 nur rund drei Milliarden Euro kosten.

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„Wir alle können mit unserem Verhalten im Alltag ganz maßgeblich zum Klimaschutz beitragen. Energie sparen ist so einfach und lohnt sich. Wenn wir kurz und kräftig die Wohnung lüften, sparen wir Heizenergie. Ziehen wir nachts beim Fernsehgerät den Stecker aus der Dose, sparen wir Standby-Verluste. Ganz entscheidend können wir den Stromverbrauch senken, wenn wir beim Kauf von Kühlschränken, Computern und Glühlampen auf den Stromverbrauch achten. All das spart Geld – und schränkt die Lebensqualität kein bisschen ein.“, sagte Gabriel weiter.

Zwiespältige Reaktionen bei den Umweltverbänden

Bei den Umweltschutzorganisationen in Deutschland ist die Regierungserklärung Gabriels unterschiedlich aufgenommen worden. „Das Klimaschutzprogramm von Minister Gabriel ist ambitioniert. Den Worten müssen jetzt aber zeitnah die entsprechenden Taten folgen. Die Bundesregierung muss umgehend Gesetze zur Förderung erneuerbarer Energien im Wärmebereich und moderner Kraft-Wärme-gekoppelter Kraftwerke vorlegen. Außerdem müssen die Vorschriften für die Wärmedämmung von Gebäuden verschärft werden.“, so Angelika Zahrnt, Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Gefährdet würden die Klimaschutzziele durch Pläne zum Bau von rund 30 neuen Kohlekraftwerken. Wenn die Bundesregierung dies nicht verhindere, würden die von Gabriel punktuell erreichten Fortschritte beim Klimaschutz dauerhaft wieder zunichte gemacht.

Klimateufel steckt im Detail

Für ein grundsätzlich positives Echo sorgte der 8-Punkte-Plan auch beim WWF Deutschland. „Die Erklärung geht in die richtige Richtung, auch wenn noch viele Detailfragen zu konkretisieren sind“, so Matthias Kopp, Klimareferent der Umweltschutzorganisation.

„Langfristiger Klimaschutz bleibt ein frommer Wunsch, wenn die Regierung weiter an Energieversorger, die auf die Kohleverstromung setzen, Geschenke verteilt“, so Kopp. Leider bekomme die Bundesregierung, wenn es darauf ankomme, immer wieder weiche Knie. Zuletzt habe sich das bei Verteilung der Verschmutzungszertifikate gezeigt. Durch die Einräumung von Privilegien an klimaschädliche Kohlekraftwerke werde effizienter Klimaschutz über das Jahr 2020 nahezu unmöglich. Bei der Ausgestaltung des nationalen Allokationsplans seien Nachbesserungen dringend erforderlich. Insbesondere die Versteigerung der Zertifikate sei notwendig.

„Regierungserklärung zum Klimaschutz absolut unzureichend“

Roland Hipp von Greenpeace Deutschland, kritisierte dagegen gestern die Bundesregierung im „ZDF-Mittagsmagazin“ scharf. Die Regierungserklärung zum Klimaschutz sei „absolut unzureichend“ gewesen. „Herr Gabriel hat nur über Kann-Bestimmungen geredet. Er hat gesagt, das können wir alles machen. Er hat aber nicht gesagt, das wollen wir alles machen“, sagte Hipp. „Wir haben solche Reden in den letzten Monaten sehr oft gehört – wohltuend klingende Reden, wo man denkt, die machen irgendwas.“ Stattdessen habe Frau Merkel vor ein paar Monaten den Grundstein für ein Braunkohle-Kraftwerk gelegt, das jährlich 16 Millionen Tonnen CO2 produziere.

(BMU/BUND/WWF/ZDF, 27.04.2007 – DLO)

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