Gehirnscans zeigen Unterschiede in grauer Substanz spezifischer Hirnregion Verändert Medien-Multitasking das Gehirn? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Gehirnscans zeigen Unterschiede in grauer Substanz spezifischer Hirnregion

Verändert Medien-Multitasking das Gehirn?

Medien-Multitasking und geringere Dichte der grauen Substanz im vorderen Gyrus Cynguli stehen im Zusammenhang. © PLOS ONE

Ständig vor mehr als einem Bildschirm? Der gleichzeitige Einsatz von Geräten wie Smartphones, Laptops und Fernsehern könnte auf Dauer die Gehirnstruktur verändern, berichten Forscher aus England. Allerdings könnten die von ihnen gemessenen Unterschiede auch die Ursache für stärkeres Medien-Multitasking sein, nicht dessen Wirkung, wie die Forscher im Magazin „PLOS ONE“ betonen. Langzeitstudien seien nötig, um eventuelle Gesundheitsrisiken abzuschätzen.

Vom Fernseher bis zum Smartphone – verschiedene Medien-Geräte gewinnen zunehmend an Bedeutung in unserem alltäglichen Leben. Viele Menschen nutzen oft mehrere solcher Geräte gleichzeitig: Bei der Arbeit am Laptop telefonieren sie, oder holen sich auf dem Tablet zusätzliche Informationen zum eingeschalteten Fernsehprogramm. Welche Auswirkungen dieses Medien-Multitasking auf unsere Gesundheit haben könnte, ist bislang wenig erforscht.

Graue Substanz mit geringerer Dichte

Frühere Studien haben bereits einen Zusammenhang zwischen hohem Multitasking und niedriger Aufmerksamkeitsspanne sowie emotionalen Problemen wie Depressionen oder Unruhe festgestellt. „Medien-Multitasking wird immer verbreiteter im Alltag, und die Sorge über seinen Einfluss auf unsere geistigen Fähigkeiten und unser sozial-emotionales Wohlbefinden wächst“, sagt Kep Kee Loh von der Universität Sussex.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Ryota Kanai hat der Neurowissenschaftler Magnetresonanz-Scans an 75 erwachsenen Studienteilnehmern durchgeführt. Die Teilnehmer hatten zuvor in einem Fragebogen angegeben, wie intensiv sie verschiedene Medien wie Mobiltelefone oder Fernseher nutzen, und ob sie dies auch mit mehreren Geräten gleichzeitig tun.

Der vordere Gyrus Cynguli gehört zum limbischen System und ist wichtig für emotionale und soziale Kontrollfunktionen. © University of Sussex

Dabei fanden sie heraus: Die Menschen, die eine höhere Anzahl an Geräten zugleich nutzten, wiesen eine geringere Dichte der grauen Substanz im vorderen Gyrus Cynguli auf. In dieser Hirnregion liegen bekanntermaßen verschiedene emotionale und soziale Kontrollfunktionen, und sie ist ein wichtiger Bestandteil des limbischen Systems, welches Emotionen, Lernprozesse und Erinnerungen verarbeitet. „Unsere Studie ist die erste, die einen Zusammenhang zwischen Medien-Multitasking und Gehirnstruktur zeigt.“

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Ursache oder Wirkung?

Allerdings betonen die Wissenschaftler, dass sie nur einen Zusammenhang gefunden haben, keine Ursache. Es müsse nicht zwangsläufig bedeuten, dass Multitasking das Gehirn verändert – ebenso gut könnten Menschen mit weniger dichter grauer Substanz zum gleichzeitigen Einsatz mehrerer Medien neigen. „Einerseits ist es denkbar, dass Menschen mit kleinerem Gyrus Cynguli empfänglicher sind für Multitasking, weil sie geringere kognitive Kontrolle oder sozio-emotionale Regulation aufweisen“, erklärt Kep Kee Loh. „Andererseits ist es genauso plausibel, dass stärkeres Multitasking diesen Hirnbereich strukturell verändert.“ Um dies sicher festzustellen, seien Langzeitstudien erforderlich.

Es ist allerdings bekannt, dass neue Umgebungen und Erfahrungen über einen längeren Zeitraum in der Tat Veränderungen der Gehirnstruktur bewirken können. Nervenbahnen und Synapsen ändern abhängig von Verhalten, Umwelt und Gefühlen. Bei Lernprozessen etwa geschieht dies auf zellulärer Ebene. In bestimmten Hirnbereichen nimmt die Dichte der grauen Substanz beim Erlernen neuer Fähigkeiten zu, sei es Jonglieren oder das Auswendiglernen eines Stadtplans. Es kann aber auch ein weitreichender Prozess sein, wenn etwa nach einer Verletzung oder einem Schlaganfall ganze Funktionen aus einer beschädigten Hirnregion in einen anderen Bereich verlegt werden. „Die genauen Mechanismen dieser Veränderung sind noch unklar“, sagt Kep Kee Loh.

(University of Sussex, 25.09.2014 – AKR)

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