Wie die Droge die Verarbeitung von Emotionen im Gehirn manipuliert LSD gegen Angststörungen? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wie die Droge die Verarbeitung von Emotionen im Gehirn manipuliert

LSD gegen Angststörungen?

LSD hat unter anderem eine "entängstigende" Wirkung, die es interessant für die Therapie von Angststörungen macht. © Feralt / pixabay

Die ehemalige Partydroge LSD könnte eine neue Karriere starten: als Therapiemittel gegen krankhafte Angststörungen. Das legen zumindest die ersten Ergebnisse einer LSD-Studie nahe. Forscher untersuchten dabei die „entängstigende“ Wirkung der psychoaktiven Substanz, indem sie zwanzig Freiwillige unter Drogen setzten – natürlich streng wissenschaftlich.

Die Wirkungen von Halluzinogenen auf die Psyche sind vielfältig, unter anderem verändern sie Wahrnehmung, Zeitempfinden, Denken und emotionales Erleben. Nach der Entdeckung des Lysergsäurediethylamid, kurz LSD, durch den Basler Chemiker Albert Hofmann in den 1940er Jahren war das Interesse an dieser Substanz insbesondere in der Psychiatrie groß.

Renaissance als Psycho-Arznei?

Man erhoffte sich beispielsweise Einblicke in die Entstehung von Halluzinationen und führte Studien zur Wirksamkeit der Droge bei Erkrankungen wie Depression oder Alkoholabhängigkeit durch. In den 1960er Jahren wurde LSD weltweit für illegal erklärt und auch die medizinische Forschung kam zum Erliegen.

Seit einigen Jahren ist das Interesse an der Erforschung von Halluzinogenen für medizinische Zwecke allerdings wieder erwacht. Psychoaktive Substanzen wie LSD könnten vor allem in der Kombination mit Psychotherapien eine Alternative zu herkömmlichen Medikamenten bieten. Heute ist bekannt, dass Halluzinogene an einen Rezeptor des Neurotransmitters Serotonin binden. Wie genau die Droge die Verarbeitung von Emotionen im Gehirn verändert, war bisher aber kaum erforscht.

Ein etwas anderer Drogentest

Um die Wirkung von LSD auf das emotionale Erleben zu untersuchen, lud das Team von Felix Müller und Claudia Lenz von der Universität Basel 20 gesunde Testpersonen zu ihrem speziellen Drogenexperiment ein. Die Forscher ließen sie unter strenger medizinischer Beobachtung 100 Mikrogramm LSD einnehmen und zeigten ihnen dann Bilder von Gesichtern, die verschiedene Gefühle wie Wut, Freude oder Angst darstellten.

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Während die Probanden die Bilder betrachteten, wurde ihre Gehirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomografie (fMRT) aufgezeichnet. Die gleichen Tests wurden auch als Blindprobe ohne verabreichtes LSD durchgeführt, sodass die Forscher aus dem Vergleich der MRT-Aufnahmen den Einfluss der Droge ableiten konnten.

Angstzentrum gehemmt

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Einnahme von LSD offenbar das Angstempfinden verringert: Wenn die Probanden unter Drogeneinfluss Bilder mit angsterfüllten Gesichtern sahen, verzeichnete das MRT eine niedrigere Hirnaktivität als im drogenfreien Zustand. Vor allem die Region der Amygdala wurde von der Droge offenbar in ihrer Aktivität gehemmt. Diesem Hirnareal schreiben Forscher eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen zu.

Bei den anderen Gesichtsausdrücken wie Wut oder Glück zeigten sich hingegen keine verringerten Reaktionen in der Amygdala, so die Forscher. Dies lege nahe, dass LSD tatsächlich gezielt auf das Angstempfinden von Menschen wirkt, während die Verarbeitung anderer Gefühle kaum beeinträchtigt wird. „Diese ‚entängstigende‘ Wirkung könnte ein wichtiger Faktor für positive therapeutische Effekte darstellen“, erklärt Müller.

Therapieeinsatz noch in weiter Ferne

Bevor die Droge aber tatsächlich zur Therapie von Angststörungen eingesetzt wird, ist noch eine Menge Arbeit nötig. So betonen die Forscher, dass sie noch keine Daten zu möglichen negativen Effekten der Behandlung erhoben haben. Auch der Auswirkung von höheren Dosen müsse noch untersucht werden, um das therapeutische Potenzial von LSD näher aufzuschlüsseln.

Vielleicht hat die in Verruf geratene frühere Party-Droge ja dann irgendwann eine Zukunft als anerkanntes Psychopharmakon. (Translational Psychiatry, 2017; doi: 10.1038/tp.2017.54)

(Universität Basel, 06.04.2017 – CLU)

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