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Kein erhöhtes Krebsrisiko durch Handystrahlung

Langzeitstudie findet keinen Effekt von Mobiltelefonen auf das Risiko für Hirntumore

MObiltelefon
Selbst häufiges Telefonieren mit dem Handy erhöht das Risiko für Hirntumore offenbar nicht. © AntonioGuillem/ Getty images

Auch ständiges Telefonieren mit dem Handy erhöht das Risiko für Hirntumore offenbar nicht, wie nun eine große Langzeitstudie belegt. Demnach erkrankten die Handynutzerinnen unter den knapp 800.000 untersuchten Frauen im Laufe von 20 Jahren nicht häufiger an bösartigen Tumoren im Kopfbereich als diejenigen ohne Handy. Tumoren der rechten Kopfseite waren zudem nicht häufiger als die der linken. Das Krebsrisiko scheint demnach durch die normale Handynutzung nicht zu steigen.

Ob und wie Handystrahlung der Gesundheit schadet, ist nach wie vor umstritten. Zwar liegt die Mobilfunk-Strahlung im Bereich zwischen Radio- und Mikrowellen und ist damit nicht energiereich genug, um DNA und Zellen direkt zu schädigen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass diese elektromagnetische Strahlung lokal das Gewebe erwärmen und den Hirnstoffwechsel verändern kann. Eine Studie legt sogar negative Effekte auf Teile des Gedächtnisses bei vieltelefonierenden Jugendlichen nahe.

Diskutiert wird zudem, ob Handystrahlung auch unterhalb der direkten Zellschädigung eine krebsfördernde Wirkung haben könnte. Im Jahr 2011 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) deshalb Mobilfunkstrahlung als „möglicherweise krebserregend“ ein. Unklar ist auch, wie sich die höheren Frequenzen des 5G-Netzes auswirken – weil das Netz gerade erst aufgebaut wird, fehlt es hier noch an Daten.

Hirntumore im Blick

Jetzt liefert eine große Langzeitstudie zumindest für die bisher gängige Handystrahlung eine Entwarnung. Joachim Schüz von der IARC und seine Kollegen haben dafür die Daten der seit gut 20 Jahren laufenden UK Million Women Study ausgewertet. Für diese wird jede vierte zwischen 1935 und 1950 geborene Britin regelmäßig medizinisch untersucht und befragt. In den Jahren 2001 und 2011 gaben knapp 800.000 Teilnehmerinnen auch ausführlich Auskunft über ihre Handynutzung.

Im Laufe der rund 20-jährigen Untersuchungszeit erkrankten 3.268 dieser Frauen an einem Tumor im Kopfbereich. Darunter waren Hirntumore wie Gliome und Glioblastome, Krebs der Hirnhäute, der Hirnanhangsdrüse sowie Tumore am Hörnerv. Schüz und sein Team ermittelten auf Basis dieser Daten, ob Frauen, die häufiger und länger mit dem Handy telefonierten, ,überproportional stärker von solchen Tumoren betroffen waren als Frauen ohne Handy oder mit nur seltener Nutzung.

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Keine Unterschiede gefunden

Das Ergebnis: Bei keiner der Tumorformen konnten die Forschenden Unterschiede im Tumorrisiko feststellen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Hirntumor war bei Handynutzerinnen und Nichtnutzerinnen gleich hoch. „Das galt auch für Tumore der Schläfen- und Scheitellappen, die die am stärksten exponierten Teile des Gehirns darstellen“, betont das Team. „Auch die Häufigkeit von Tumoren auf der rechten und linken Kopfseite war bei den Handynutzerinnen gleich – obwohl das Handy weit häufiger auf der rechten Kopfseite gehalten wird.“

Nach Ansicht von Schüz und seinem Kollegen gibt es demnach keine Indizien dafür, dass die Handystrahlung das Risiko für Hirntumore erhöht. Selbst bei Frauen, die täglich längere Zeit mobil telefonierten, ließen sich keine Auffälligkeiten finden. „Auch wenn in dieser Studie ausschließlich Daten zu Frauen erhoben wurden, unterstützen die Ergebnisse die zunehmende Evidenz, dass eine Mobiltelefon-Nutzung unter den üblichen Bedingungen das Risiko und die Inzidenz für Hirntumoren nicht erhöht“, kommentiert Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie die Studie.

Hinzu kommt, dass moderne Mobiltelefone heute deutlich weniger Strahlung abgeben als die Geräte vor zehn oder 20 Jahren. Dennoch gilt allgemein die Empfehlung, dass Menschen mit langer, täglicher Handynutzung, beispielsweise aus beruflichen Gründen, Kopfhörer oder Freisprechanlagen nutzen sollten. (JNCI: Journal of the National Cancer Institute, 2022; doi: 10.1093/jnci/djac042)

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

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