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Salzwassersee auf dem Mars entdeckt

Unter dem Südpoleis des Roten Planeten liegt ein See mit mehreren Tümpeln

Mars Südpol
Blick auf die Eiskappe am marsianischen Südpol. Unter dem Eis liegt ein See mit flüssigem Salzwasser, wie Radardaten zeigen. © ESA/DLR/ FU Berlin/CC-by-sa 3.0 IGO

Versteckte Lebens-Oase? Unter dem Südpoleis des Mars gibt es einen großen See aus flüssigem Salzwasser, wie nun Radardaten der ESA-Sonde Mars Express bestätigen. Demnach ist der subglaziale See rund 20 mal 30 Kilometer groß und von kleineren Tümpeln umgeben. Wahrscheinlich hält eine hohe Konzentration von Perchloratsalzen das Wasser in ihnen flüssig, mutmaßen die Forscher. Ob es in diesen Seen Leben gibt, bleibt jedoch offen.

Auch wenn es nicht so scheint: Auf dem Mars gibt es Wasser. Allerdings liegt dieses fast nur als Wasserdampf oder Eis vor – beispielsweise in Gletschern unter der Oberfläche und in den Eiskappen der marsianischen Pole. Aber auch Reste flüssigen Wassers könnte es nach jüngsten Daten von Raumsonden und Rovern geben. Indizien dafür sind Perchlorat-haltige Laugen im Mars-Untergrund, die zumindest zeitweise flüssig sein könnten.

Fahndung nach flüssigem Wasser unter dem Marseis

Ein weiteres Reservoir möglicherweise flüssigen Wassers könnte unter der Eiskappe am Mars-Südpol liegen. Erste Hinweise darauf lieferten im Jahr 2018 Daten des Radarsensors MARSIS an Bord der ESA-Sonde Mars Express. Die Messungen zeigten eine hellreflektierende Schicht an der Basis des dicken Eispanzers. Doch aus den Daten ging nicht hervor, ob es sich nur um wassergesättigtes Material oder Schichten flüssigen Wassers handelte.

Jetzt haben Elena Pettinelli von der Universität Roma Tre und ihre Kollegen weitere Daten des MARSIS-Instruments ausgewertet. Ihre Analysen basieren auf 134 Radarprofilen, die die ESA-Raumsonde zwischen 2010 und 2019 in der Region Ultimi Scopuli erstellt hatte. Dieses Gebiet liegt auf rund 80 Grad südlicher Breite und ist von einem gut einen Kilometer dicken Eispanzer bedeckt. Die Forscher wandelten für ihre Analysen eine Methode ab, mit der auf der Erde schon mehrere subglaziale Seen auf Grönland und in der Antarktis gefunden wurden.

Ein großer See und viele kleinere Tümpel

Die Ergebnisse bestätigen, dass unter dem dicken Südpoleis des Mars flüssiges Wasser in Form eines subglazialen Sees existiert. „Das Gebiet ist durch einen großen Wasserkörper gekennzeichnet, der von kleineren Wassertümpeln oder Feuchtgebieten umgeben ist“, berichten Pettinelli und ihre Kollegen. Der zentrale See hat einen Durchmesser von 20 mal 30 Kilometern und scheint stabil flüssig zu sein. Er ist von den umgebenden Tümpeln durch schmale Streifen trockenen Gesteins getrennt.

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Wie und warum diese Seen und Tümpel unter dem Marseis flüssig bleiben, ist bislang unklar. „Welche einzigartige Kombination physikalischer, geologischer, klimatische und topografischer Bedingungen die Bildung flüssigen Wassers und sein Überdauern ermöglichen, darüber können wir nur spekulieren“, sagen die Forscher.

Sie vermuten aber, dass die subglazialen Wasservorkommen hohe Konzentrationen an Perchloratsalzen enthalten. Denn solche Salzlaugen können auch bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt flüssig bleiben.

Gibt es Leben im salzigen Marssee?

Das Spannende jedoch: Wenn es auf dem Roten Planeten flüssiges Wasser gibt, dann könnte es dort vielleicht sogar Leben geben. Denn irdische subglaziale Seen und laugengefüllte Meereiskanälchen belegen, dass selbst in solchen dunklen, salzigen Wasservorkommen einzellige Organismen vorkommen. „Diese Gewässer an der Basis der südpolaren Eiskappe sind damit Areale von hohem astrobiologischem Interesse“, sagen Pettinelli und ihr Team.

Ob es auf dem Mars tatsächlich Leben gibt, ist aber noch immer reine Spekulation. Eine Antwort wird sich wahrscheinlich nur vor Ort finden lassen. „Zukünftige Marsmissionen sollten diese Region anvisieren, um dieses hydrologische System, seine Chemie und mögliche Spuren außerirdischen Lebens näher zu untersuchen“, konstatieren die Wissenschaftler. (Nature Astronomy, 2020; doi: 10.1038/s41550-020-1200-6)

Quelle: Nature

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