Druck vom Roboterarm hilft dem Mars-"Maulwurf" beim Bohren Mars InSight bohrt wieder - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mars InSight bohrt wieder

Druck vom Roboterarm hilft dem Mars-"Maulwurf" beim Bohren

Marsbohrer
Die Schaufel des Roboterarms stützt den Bohrer der Marssonde InSight – auf diese Weise gelang das weitere Vordringen in die Tiefe. © NASA/JPL-Caltech

Gute Nachrichten vom Mars: Der Bohrer der Marssonde InSight funktioniert wieder. Nach wochenlanger Zwangspause hat sich die Messsonde nun weiter in den Untergrund gehämmert – immerhin zwei Zentimeter innerhalb einer Woche. Möglich wurde dies durch eine Hilfestellung des Roboterarms der Sonde. Sie drückt den Bohrer seitlich an das Gestein und gibt ihm so ein Widerlager. Hilfestrategien für die nächste Bohrphase sind schon in Arbeit.

Es ist eine ärgerliche und teure Panne: Das HP3-Instrument der Marssonde InSight sollte erstmals bis zu fünf Meter tief in den Untergrund des Roten Planeten eindringen und so ein genaueres Bild der Wärmeverteilung und Beschaffenheit des Marsinneren liefern. Doch schon kurz nach Beginn der Bohrung blieb der „Marsmaulwurf“ stecken, weil er für seinen hämmernden Vortrieb nicht genug Widerlager und Reibung bekam. Das zeigte sich, als die NASA mithilfe des Roboterarms im Juni 2019 das Gehäuse des HP3-Instruments abhob.

Mars InSight beim Bohren
Das HP3-Instrument der Marssonde InSight sollte eigentlich bis zu fünf Meter tief in den Marsuntergrund bohren. © NASA/JPL-Caltech

Nach einem ersten gescheiterten Hilfeversuch, bei dem der Roboterarm mehr Geröll in das Bohrloch schieben sollte, haben NASA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Anfang Oktober 2019 mit einer neuen Hilfsstrategie begonnen: Die Schaufel des Roboterarms drückt den Bohrer vorsichtig von der Seite gegen die Wand des Bohrlochs. Das sollte dem Bohrhammer mehr Reibung verleihen.

Endlich: Der Bohrer bewegt sich wieder!

Jetzt melden NASA und DLR einen ersten Erfolg: In der letzten Woche ist der Bohrer mithilfe der neuen Technik zwei Zentimeter weiter in den Boden eingedrungen. „Insgesamt waren dafür 220 Hammerschläge nötig – erst vorsichtige 20 und danach weitere zwei Mal 100 Schläge“, berichtet HP3-Projektleiter Tilman Spohn vom DLR. Zwar sind zwei Zentimeter nicht viel, die Forscher werten dies jedoch als Zeichen dafür, dass ihre Strategie aufgeht.

„Die eindeutige Vorwärtsbewegung ist ein gutes Zeichen und bestärkt uns in der Hypothese, dass dem Maulwurf die Reibung, sozusagen der ‚Grip‘, fehlte“, sagt Spohn. „Der Fortschritt zeigt uns auch, dass kein Felsblock unseren Bohrpfad blockiert. Das sind großartige Nachrichten!“ Sein Kollege Troy Hudson vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA ergänzt: „Der Maulwurf hat noch einiges vor sich, aber wir sind alle begeistert, ihn wieder bohren zu sehen.“

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Es bleibt spannend

Die nächste spannende Frage wird sein, was passiert, wenn der Bohrer sich so weit eingegraben hat, dass ihn der Roboterarm nicht mehr seitlich stützen kann. „Wir müssen sehen, ob er dann alleine vorankommt“, sagt Spohn. Ingenieure am JPL und DLR testen bereits mit Modellen des Bohrers und des Roboterarms, was man tun kann, wenn der Bohrer dann wieder stecken bleibt.

Eine Möglichkeit wäre, mehr Geröll auf den Bohrer zu schaufeln, um ihn zusätzlich zu beschweren. Sollte das nicht reichen, könnte man vorsichtigen Druck mit der Roboterarm-Schaufel von oben ausüben: „Wir werden den Boden mit der Schaufel belasten, um in geringen Tiefen etwas mehr Druck auf den Maulwurf zu ermöglichen“, erklärt Spohn. Dies muss allerdings sehr vorsichtig geschehen, um die oben aus dem Bohrer herauskommenden Sensorkabel nicht zu beschädigen.

Quelle: NASA, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

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