Neue Datierung präzisiert Häufigkeit von Meteoriteneinschlägen Wolfe-Creek-Krater ist halb so alt wie gedacht - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wolfe-Creek-Krater ist halb so alt wie gedacht

Neue Datierung präzisiert Häufigkeit von Meteoriteneinschlägen

Wolfe Creek Crater
Blick auf den Wolfe-Creek-Krater in Westaustralien. Wann dieser rund 900 Meter große Einschalgskrater entstand, haben Forscher nun aufgeklärt. © nordseegold/ iStock

Einschlagszeuge neu vermessen: Der rund 900 Meter große Wolfe-Creek-Krater in Australien ist deutlich jünger als bislang angenommen. Statt vor rund 300.000 Jahren entstand er erst vor rund 120.000 Jahren, wie neue Datierungen enthüllen. Aus der Zahl der seither in Australien entstandenen Einschlagskrater schätzen die Forscher, dass weltweit etwa alle 180 Jahre ein Meteorit von etwa 30 Metern Größe einschlägt – mindestens.

Ob das Nördlinger Ries, der Meteor-Krater in den USA oder der Chicxulub-Krater in Yucatan: Zahlreiche Krater zeugen davon, dass die Erde immer wieder von kosmischen Gesteins- und Eisenbrocken getroffen wird. Für Meteoriten von 20 bis 50 Metern Durchmesser kommt dies Schätzungen zufolge alle 60 bis 760 Jahre vor. Beispiele für solche Treffer sind das Tunguska-Ereignis, der Tscheljabinsk-Meteor und der Eisenmeteorit, der den Wolfe-Creek-Krater in Australien hinterließ.

Dunkelziffer hoch

Doch gerade bei diesen „kleineren“ Einschlägen ist die Dunkelziffer noch ziemlich hoch. Umso wichtiger ist es deshalb, die bekannten Krater solcher Ereignisse möglichst genau zu datieren. Denn nur dann kann man anhand der Kraterverteilung die Einschlagsrate für die gesamte Erde präzisieren – und damit auch das Risiko für ein solches zumindest lokal zerstörerisches Ereignis.

Ausgerechnet für einen der bekanntesten und am besten erhaltenen Meteoritenkrater fehlte eine genaue Datierung aber bisher: den Wolfe-Creek-Krater. Dieser knapp 900 Meter große Krater liegt in einer Wüstengegend in Westaustralien und galt bisher als rund 300.000 Jahre alt. Ob das stimmt, haben nun Timothy Barrows von der University of Portsmouth und sein Team mit zwei Datierungsmethoden überprüft.

Halb so alt wie gedacht

Für ihre Studie analysierten die Forscher zunächst den Anteil der Isotope Beryllium-10 und Aluminium-26. Beide Atomsorten entstehen vor allem dann, wenn kosmische Strahlung auf Gestein trifft – im Falle eines Kraters verrät dies, wann das Gestein am Kratergrund durch den Einschlag freigelegt wurde. Für die zweite Methode bestrahlten sie Sand vom Kraterrand und ermittelten auf Basis der dabei erzeugten Lumineszenz, wann dieser Sand aufgetürmt wurde.

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Das Ergebnis: Der Wolfe-Creek-Krater ist deutlich jünger als gedacht – er entstand erst vor rund 120.000 Jahren. „Dieses Ergebnis gibt uns einen besseren Eindruck davon, wie häufig solche Ereignisse vorkommen“, sagt Barrows. Denn damit ist Wolfe Creek einer von sieben Kratern in Australien, die erst in den letzten 120.000 Jahren entstanden sind.

Ein Treffer alle 180 Jahre

Auf Basis dieser Daten schätzen Barrows und sein Team die mittlere globale Einschlagsrate von Objekten bis 30 Meter Größe auf etwa einmal alle 180 Jahre. „Dies ist eine eher minimale Schätzung, weil einige der kleineren Einschläge wahrscheinlich während der letzten Eiszeit durch Sand aufgefüllt wurden“, sagt Barrows. „Zudem dringen größere Meteoriten wahrscheinlich sogar 20 Mal häufiger in die Atmosphäre ein.“ Doch ein Teil der Gesteinsmeteoriten explodiert schon in der Luft wie bei Tunguska oder Tscheljabinsk. Diese Einschläge hinterlassen daher keine Krater wie bei den stabileren Eisenmeteoriten der Fall.

Ergänzend zu ihrer Datierung führten Barrows und sein Team auch eine neue topografische Vermessung des Wolfe-Creek-Kraters durch. Demnach hat der Krater seine größte Ausdehnung in Nordost-Südwest-Richtung – entlang dieser Linie ist der 946 Meter breit statt der sonstigen rund 900 Meter. Die Forscher schließen daraus, dass sie die Einschlagsrichtung des Meteoriten markiert. Die Messdaten zeigten zudem, dass der Krater 178 Meter tief ist. 120 Meter davon sind allerdings durch nachträglich abgelagertes Sediment aufgefüllt. (Meteoritics & Planetary Science, 2019; doi: 10.1111/maps.13378)

Quelle: University of Portsmouth

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