Besonders für bereits bedrohte insulare Tierarten ist die Gefahr groß Wenn die Meere steigen, sterben Arten - scinexx | Das Wissensmagazin
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Besonders für bereits bedrohte insulare Tierarten ist die Gefahr groß

Wenn die Meere steigen, sterben Arten

Inseln im Südpazifik könnten in Folge der Klimaerwärmung bald abtauchen. © Hakilon / CC-by-sa 3.0

Der Meeresspiegel steigt, daran besteht kaum Zweifel. Doch welche Folgen das für Tier und Mensch hat, bleibt häufig noch sehr abstrakt. Ein Deutsch-amerikanisches Forscherteam hat jetzt in der Fachzeitschrift „Global Change Biology“ veröffentlicht, wie sich diese Veränderungen auf die Artenvielfalt und die Insellandschaft in Südostasien und dem pazifischen Raum auswirken könnten. Das Ergebnis: Viele Arten kommen stark in Bedrängnis. Und sollten heute gängige Klimaszenarien tatsächlich eintreten, werden viele Inseln ganz unter der Meeresoberfläche verschwinden.

Klimaforscher sagen bis zum Ende dieses Jahrhunderts einen Anstieg des Meeresspiegels von etwa einem Meter voraus. Bis zum Jahr 2500 könnten es bis zu fünfeinhalb Meter sein. Davon betroffen sind, laut einer neuen Studie, besonders Landtierarten auf niedrig liegenden Inseln und in Küstengebieten. Zu den am stärksten bedrohten Tieren gehören endemische Arten, also solche mit begrenzten Lebensräumen, sowie andere seltene Arten, die schon heute als gefährdet gelten.

Dass die Meeresspiegel in Folge der Klimaerwärmung steigen, wissen wir bereits länger. Doch welche Auswirkungen dies im Einzelnen haben wird, untersuchen Wissenschaftler noch immer fieberhaft. Die Studie Florian Wetzels von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Walter Jetz von er Yale University in den USA befasst sich dabei mit einem großen geografischen Gebiet: Sie deckt den gesamten südostasiatischen und pazifischen Raum mit über 12.000 Inseln und die Verbreitungsgebiete von über 3. 000 Wirbeltierarten, darunter Vögel, Amphibien, Reptilien und Säugetiere ab. Verglichen mit früheren Studien seien die Vorhersagen deshalb besonders genau, da sie zusätzlich eine räumliche Auflösung von 90 Metern hätten, so die Forscher. „Die hohe Datenqualität, mit der wir arbeiten konnten, stellt einen Quantensprung in der Genauigkeit dar“, sagt Co-Autor Helmut Beissmann.

Inseln tauchen ab

Ihre Berechnungen zeigen, wie Inseln und Atolle Landfläche verlieren. Einige Inseln würden gar komplett überspült, so die Forscher. Sie sagen zudem voraus, dass bereits bei einem Anstieg von einem Meter, wie er noch in diesem Jahrhundert erwartet wird, im untersuchten Gebiet etwa ein Prozent der Landmasse verloren geht. Denn viele pazifische Inseln liegen nur ein paar Meter über dem Meeresspiegel. So könnte ein Meter bei vielen Inseln bereits einen Flächenverlust von knapp vier Prozent bedeuten. Aber schon 14,7 Prozent der Inseln im untersuchten Gebiet würden in diesem Falle völlig überflutet, was vor allem kleine Inseln betreffe. „Diese enorme Zahl an ganzen Inseln, die verschwinden werden, ist das verblüffendste Ergebnis unserer Studie“, sagt Dustin Penn, Mitautor der Studie.

Sollte der Meeresspiegel zudem bis zum Jahr 2500 tatsächlich um sechs Meter ansteigen, könnten die pazifischen Inseln 14,5 Prozent ihrer gegenwärtigen Gesamt-Landfläche verlieren. Der Verlust in der ganzen Region würde im Durchschnitt bei 9,3 Prozent liegen, was eine signifikante Reduktion des Lebensraumes bedeutet.

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Stark variierende Auswirkungen

Für die Forscher überraschend war außerdem, wie unterschiedlich laut Modell die Auswirkungen auf einzelne Inselgruppen sein werden: „Manche Atolle im Pazifik würden bereits bei einem Meeresspiegelanstieg von einem Meter ein Drittel ihrer Fläche verlieren, die darauf lebenden Arten wären hiervon stark betroffen“, erläutert Wetzel. „Im Gegensatz dazu würden andere vulkanische Inselgruppen und auf ihnen ansässigen Arten nur einen Verlust von einigen wenigen Prozenten erleiden.“

Nachdem die Forscher die betroffenen Flächen ermittelt hatten, bestimmten sie die dort lebenden Arten, die von einem Anstieg des Meeresspiegels am stärksten betroffen wären. Um die möglichen Auswirkungen auf Landwirbeltierarten festzustellen, errechneten die Forscher einen Gefährdungsindex der Biodiversität. Ihre Ergebnisse zeigen, dass der Verlust an Lebensraum, auf einigen Inseln eine sehr schwerwiegende Bedrohung für den Fortbestand besonders endemischer Arten darstellt. Sie fanden heraus, dass sowohl Arten, die nur auf bestimmten Inseln leben, als auch Arten, die schon heute als gefährdet gelten, mit den größten Flächenverlusten konfrontiert wären. „Unsere Ergebnisse geben Anlass zu Sorge, nicht nur hinsichtlich einzelner untersuchter Tierarten, sondern auch der globalen Bedrohung aller Insel- und Küstenarten durch den Meeresspiegelanstieg“, sagt Wetzel.

Meeresspiegel mit einplanen

Die Ergebnisse des Forscherteams bestätigen einmal mehr die Besorgnis über die Folgen des Klimawandels. Die Autoren legen zudem dar, warum ihre Ergebnisse das tatsächliche Risiko des Aussterbens sogar unterschätzen könnten, und nennen eine Reihe weiterer Faktoren, die die Situation auf Inseln möglicherweise noch weiter verschärfen könnten. Beispielsweise wird eine durch den Meeresspiegelanstieg erzwungene Verlagerung des Siedlungsgebiets der ansässigen menschlichen Bevölkerung den Lebensraum der Landtierarten auf den Inseln noch zusätzlich beschneiden. Daher empfehlen die Forschenden, bei der Planung von Arterhaltungsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten den erwarteten Meeresspiegelanstieg weit stärker zu berücksichtigen als bisher. (Global Change Biology, 2013; doi: 10.1111/gcb.12185)

(Veterinärmedizinische Universität Wien, 09.04.2013 – KBE)

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