Riesige Siedeanlage produzierte Salz und gesalzenen Fisch für zehntausende Menschen Salzfabrik der Maya entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Riesige Siedeanlage produzierte Salz und gesalzenen Fisch für zehntausende Menschen

Salzfabrik der Maya entdeckt

Das Salzsieden ist eine Jahrtausende alte Kulturtechnik. WIe sich jetzt zeigt, betrieben auch die Maya sie schon in fast industriellem Maßstab. © Polawat Klinkulabhiru/ iStock

Salzgewinnung in großem Stil: Schon vor rund 1.000 Jahren betrieben die Maya riesige „Salzfabriken“, wie Ausgrabungen in Belize enthüllen. Archäologen haben dort die Überreste einer Anlage mit hunderten von Salzsiedereien entdeckt. Die Maya gewannen dort aus Meerwasser genügend Salz, um täglich den Bedarf zehntausender Menschen zu decken. Ein Teil des Salzes wurde jedoch direkt vor Ort genutzt, um Fisch und Meeresfrüchte zu konservieren.

Mehr als 2.000 Jahre lang herrschten die Maya über weite Teile Mittelamerikas. Von ihrer Macht zeugen noch heute die Überreste gewaltiger Tempelpyramiden im Dschungel Mittelamerikas. Für Faszination sorgen jedoch auch ihre erstaunlich fortgeschrittene Wasserbau-Technologie, ihre Schriftzeichen und komplexen Kalender. Archäologische Funde liefern zudem spannende Einblicke in die Politik, Religion und die möglichen Gründe für den rätselhaften Niedergang dieser Kultur.

Überreste von hunderten Salzsiedereien

Jetzt haben Archäolgen in Paynes Creek in Belize eine weitere Errungenschaft der Maya aufgedeckt. Heather McKillop von der Louisiana State University und ihr Team haben dort am Grund eines Mangrovensumpfes die Überreste einer 1.400 Jahre alten Salzgewinnungsanlage der Maya entdeckt. In einem fünf Quadratkilometer großen Gebiet stießen sie auf mehr als 4.000 Holzpfosten, die einst die Dächer von Siedehütten trugen. Im Sediment zwischen den Holzpfosten fanden sich Überreste von Tongefäßen, die dicht an dicht aufgereiht standen.

Nach Ansicht der Forscher muss es sich bei diesen Gefäßen um Siedepfannen für die Salzgewinnung handeln. Denn zur Zeit der lag das heute überflutete Gebiet am Ufer einer flachen Küstenlagune, deren Wasser im Sommer durch erhöhte Verdunstung vermutlich starek salzhaltig war. „Die Maya gewannen das Salz, indem sie das Meerwasser in diesen hölzernen Siedehütten in Töpfen über Feuern kochten“, berichten McKillop und ihre Kollegen.

Feuersteinwerkzeuge aus der Paynes Creek Salzfabrik. Sie zeigen Nutzungspsuren, die auf eine Fischverarbeitung hindeuten. © Louisiana State University

Salzproduktion für zehntausende Menschen

Das enorme Ausmaß der Salzfabrik lässt darauf schließen, dass die Maya dort Salz in fast industriellem Maßstab produzierten: „Wenn man von einem Salzbedarf von acht Gramm pro Tag und Person ausgeht, hätte allein eine Siedeküche in Paynes Creek genügend Salz für täglich 7087 Menschen produziert“, berichten die Forscher. „25 dieser Salzküchen konnten 88.594 Menschen mit dem Tagesbedarf an Salz versorgen.“

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Das Salz aus Paynes Creek wurde wahrscheinlich mit Kanus über Flüsse ins Inland gebracht und dort verkauft. „Die Abbildung eines Salzhändlers mitsamt der Glyphe für Salz zwischen anderen Händlern und Waren auf einem Gebäude in Calakmul in Mexiko belegt, dass Salz zu den Waren gehörte, die auf den Märkten der Maya gehandelt wurden“, erklären die Archäologen. Die einheitliche Größe vieler Siedegefäße in der Salzfabrik spreche zudem dafür, dass die Maya das Salz in Paynes Creek gezielt für den Handel herstellten.

Gesalzener Fisch als Handelsware

Doch Salz war nicht das einzige, das die Salzfabrik von Paynes Creek für die Maya-Märkte lieferte: Bei ihren Ausgrabungen stießen die Wissenschaftler auch auf Werkzeuge aus Holz und Feuerstein, deren mikroskopische Gebrauchsspuren ihre Nutzung verrieten. „Ich war überrascht, dass die meisten dieser Werkzeuge offenbar zum Schneiden und Schaben von Fisch oder Fleisch genutzt worden sind“, sagt McKillop. „Das Einsalzen von Fisch könnte demnach eine wichtige Aktivität in der Salzfabrik gewesen sein. Der Fisch wurde geputzt, gesalzen und dann auf die Märkte des Inlands transportiert.“

Diese Konservierung könnte erklären, warum Archäologen auch in weit im Inland gelegenen Maya-Städten Überreste von Fisch und Meeresfrüchten gefunden haben. „Knochen von Meeresfischen wurden sowohl in zeremoniellen Zusammenhängen als auch in kleineren Abfallgruben von Inlandgemeinden entdeckt“, berichten die Forscher.

Die Salzgewinnungsanlage von Paynes Creek war für die Mays der klassischen Periode demnach nicht nur eine Quelle wertvollen Salzes, sie war auch ein wichtiges Zentrum der Fischverarbeitung im Maya-Reich. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2018; doi: 10.1073/pnas.1803639115)

(PNAS, Louisiana State University, 09.10.2018 – NPO)

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