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„Goldene Stadt“ des Pharao entdeckt

3.400 Jahre alte Königstadt von Amenophis III. ist "zweitwichtigster Fund nach Tutanchamun"

STadt der "Himmelfahrt Atons"
Blick auf die bisher freigelegten Gebäude der "goldenen Stadt" des Amenophis III. bei Luxor. © Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities

Wie ein ägyptisches Pompeji: Archäologen haben bei Luxor eine  Königsstadt von Pharao Amenophis III. entdeckt – dem Vater von Echnaton. Die 3.400 Jahre unter Sand begrabene Stadt ist überraschend gut erhalten und gibt erstmals einen Einblick in Leben und Alltag am Herrschaftssitz eines Pharaos. Die Entdeckung dieser verlorenen Stadt sei der zweitwichtigste archäologische Fund nach dem Grab des Tutanchamun, sagen die Forscher. Sie erwarten dort weitere sensationelle Funde.

Pharao Amenophis III. war einer der am längsten regierenden und mächtigsten Könige des Neuen Reichs – er herrschte von 1391 bis 1353 vor Christus. Er ließ den Tempel von Karnak erweitern und baute in Theben einen der größten Totentempel Ägyptens, förderte die Künste und brachte seinem Land eine Zeit des Wohlstands und Friedens. Amenophis III. war es auch, der religiöse Reformen einleitete, durch die die Amon-Priester entmachtet werden sollten. Erst sein Sohn Echnaton jedoch vollzog den radikalen Wechsel mit seinem neuen Kult um den Sonnengott Aton.

Lage der Stadt
Die Stadt wurde zwischen den Tempeln von Ramses III. und Amenophis III. entdeckt. © c.lingg /CC-by-sa 2.0

Zufallsfund unter dem Wüstensand

Jetzt haben Archäologen unter Leitung von Zahi Hawass, dem ehemaligen Minister für Altertümer, eine der größten und am besten erhaltenen Städte aus dieser goldenen Ära Ägyptens entdeckt. Ursprünglich war das Team auf der Suche nach dem Totentempel des Tutanchamun, den sie zwischen den Totentempeln von Amenophis III. und Ramses III. vermuteten. Beide liegen gemeinsam mit weiteren Tempeln bei Luxor am Westufer des Nils und unweit der Eingänge zum Tal der Könige.

Doch als die Archäologen im September 2020 mit ihren Ausgrabungen begannen, stießen sie unter dem Wüstensand schon nach kurzer Zeit auf gut erhaltene Reste von bis zu drei Meter hohen Gebäuden aus Lehmziegeln, die sich in alle Richtung zu erstrecken schienen und ganze Straßenzüge bildeten. Wie Hawass berichtet, handelt es sich um eine der größten jemals in Ägypten entdeckten Städte des Altertums.

„Größte Entdeckung seit dem Grab von Tutanchamun“

Die Sensation jedoch: Diese Stadt stammt aus der Zeit Amenophis III. und ist wahrscheinlich die Stadt, die zu seiner Regierungszeit als die Stadt der „Himmelfahrt Atons“ bezeichnet wurde. Davon zeugen zahlreiche Gefäße, Ringe, Skarabäen und Lehmziegel, die das Königssiegel von Amenophis III. tragen. Die Stadt war damals eines der wichtigsten Zentren des alten Ägypten und eine der drei Residenzstädte des Pharaos Amenophis III. Auch Pharao Echnaton lebte zum Beginn seiner Regierungszeit in dieser Stadt.

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Königssiegel
Die Kartusche von Amenophis III. wurde auf zahlreichen Gegenständen in der Stadt entdeckt. © Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities

„Viele ausländische Grabungskampagnen haben nach dieser Stadt gesucht, sie aber nie gefunden“, sagt Hawass. Die Entdeckung dieser verlorenen Stadt sei eine der größten Entdeckungen seit dem Fund des Grabes von Tutanchamun, kommentiert die Ägyptologin Betsy Bryan von der Johns Hopkins University. „Die Entdeckung dieser Stadt gibt uns nicht nur einen seltenen Einblick in das Leben der alten Ägypter in dieser Zeit – sie könnte uns auch dabei helfen, eines der größten Rätsel der Geschichte zu lösen.“

Unklar ist beispielsweise, was mit der Stadt der „Himmelfahrt Atons“ geschah, nachdem Echnaton sie kurze Zeit nach Beginn seiner Herrschaft verließ – obwohl der Pharao hier jahrelang als Mitregent mit seinem Vater regierte. Unbekannt ist bislang auch, ob die Stadt wieder erblühte, nachdem Tutanchamun nach Theben zurückkehrte.

Unberührt wie ein Pompeji Ägyptens

Das Besondere der neu entdeckten „goldenen Stadt“ Ägyptens liegt auch in ihrem außergewöhnlich guten Erhaltungszustand und ihrer Unberührtheit: In den Räumen sind Einrichtung und Alltagsobjekte noch so, als hätten die Bewohner ihre Häuser erst gestern verlassen. Einige Kommentatoren sprechen bereits von einem „Pompeji Ägyptens“.

„Die Entdeckung dieser verlorenen Stadt wird uns einen tieferen Einblick in das tägliche Leben der alten Ägypter geben – beispielsweise wie sie ihre Häuser bauten und dekorierten, welche Werkzeuge sie benutzten und wie sie die Arbeit organisierten“, erklärt Hawass. „Wir haben zuvor schon viel Information über Gräber und Tempel gehabt, aber dies ist das erste Mal, dass wir auch etwas über das Leben der Könige im goldenen Zeitalter Ägyptens erfahren.“

Fleisch vom Schlachter Iwi, eine „Gated Community“ und Werkstätten

Schon in den ersten sieben Monaten der Ausgrabungen haben die Archäologen mehrere unterschiedliche Stadtviertel der alten Pharaonenstadt freigelegt. Im südlichen Teil lagen vor allem Küchen und Bäckereien. Öfen, umherliegende Kochutensilien und tönerne Aufbewahrungsbehälter zeugen davon, dass hier einst Brot und Speisen für eine große Zahl von Menschen zubereitet wurden. In einem Raum stießen die Forscher auf zwei Fässer mit getrocknetem oder gekochtem Fleisch, die laut einer Inschrift vom „Schlachter Iwi“ gemacht wurden.

Wände
Viele Wände und Räume sind noch intakt und enthalten unzählige Alltagsobjekte der Bewohner.© Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities

Ein zweites Viertel, das erst in Teilen ausgegraben ist, scheint vor allem Verwaltungsgebäude und Residenzen hochrangiger Bewohner zu umfassen. Dieses Areal ist durch größere Häuser gekennzeichnet sowie durch eine umlaufende, geschwungenen Mauer vom Rest der Stadt abgegrenzt. Nur ein Tor führte in den inneren Bereich dieses Areals – möglicherweise war dies eine Sicherheits-Vorkehrung, um den Zugang zu diesem sensiblen Bereich zu überwachen, erklären die Archäologen.

Ein dritter Bereich von Amenophis‘ Stadt umfasst Werkstätten unter anderem für die Herstellung von Lehmziegeln und ihren Stuckverzierungen. Neben zahlreichen Ziegeln, die das Königssiegel von Amenophis III. tragen, haben die Archäologen auch eine große Zahl von Gussformen für die Herstellung von Amuletten und dekorativen Elementen gefunden. Sie dienten vermutlich sowohl zur Verzierung der vielen Tempel in der Umgebung als auch für die Ausstattung von Grabmälern.

Nekropole mit potenziell intakten Felsgräbern

Spannend auch: Das Archäologenteam hat erste Bereiche einer großen Nekropole freigelegt, deren ganzes Ausmaß noch nicht abzusehen ist. In diesem Komplex könnte möglicherweise auch der lange gesuchte Totentempel von Tutanchamun liegen, mutmaßen die Forscher. Außerdem entdeckten sie eine Reihe von möglicherweise noch unberührten Felsgräbern unterschiedlicher Größe. Ähnlich wie die Gräber im nahen Tal der Könige sind sie über in den Stein gehauene Stufen zugänglich.

Die Archäologen halten es für durchaus wahrscheinlich, dass sie dort noch unberührte Gräber voller Schätze finden könnten. Sie setzen die Grabungsarbeiten an der Nekropole, aber auch an der restliche Stadt fort – noch ist erst rund ein Drittel der Stadt erkundet.

Quelle: Ägyptisches Ministerium für Tourismus und Altertümer

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