Bevölkerungsrückgang erstmals durch Genomanalyse nachgewiesen Eroberung Amerikas rottete Hälfte aller Ureinwohner aus - scinexx | Das Wissensmagazin
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Bevölkerungsrückgang erstmals durch Genomanalyse nachgewiesen

Eroberung Amerikas rottete Hälfte aller Ureinwohner aus

Kolumbus mit amerikanischen Ureinwohnern © Library of Congress / gemeinfrei

Die Eroberung Nord- und Südamerikas durch die Europäer kostete rund die Hälfte aller amerikanischen Ureinwohner das Leben. Das haben Forscher durch den Vergleich moderner und prähistorischer Genproben herausgefunden. Ihre Ergebnisse deuten auf einen drastischen Kollaps in den Bevölkerungszahlen der Ureinwohner vor rund 500 Jahren hin. Dies bestätige erstmals die historischen Überlieferungen, nach denen mit den Europäern Krankheiten, Krieg, Hunger und Versklavung Einzug in die Neue Welt hielten und so die dortigen Ureinwohner stark dezimierten, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

„Die Verluste waren dabei nicht auf bestimmte Regionen beschränkt, sondern über beide amerikanische Kontinente verteilt, mit den schwersten Auswirkungen in den am dichtesten besiedelten Gebieten“, erläutert der Anthropologe Lars Fehren-Schmitz von der Universität Göttingen. Er führte die Studie gemeinsam mit seinem Kollegen Brendan O’Fallon von der University of Washington durch.

Einbruch nur kurzfristig

Der dramatische Einbruch war allerdings nicht von langer Dauer, wie die genetischen Daten zeigen. Die indigene Bevölkerung begann im Laufe der folgenden Jahrhunderte wieder zu wachsen. „Dies deutet darauf hin, dass als Ursache nur schnell und kurzfristig wirkende Faktoren in Frage kommen“, sagt Fehren-Schmitz. Wahrscheinlich seien die meisten Ureinwohner an eingeschleppten Krankheiten, durch Hunger und direkte Ausrottung gestorben. Als diese akuten Bedrohungen vorüber waren oder sich die Menschen an die neue Situation anpassten, wurden sie wieder mehr.

Die neuen Ergebnisse widerlegen auch Theorien, nach denen der Niedergang der Ureinwohner bereits vor Ankunft der Europäer begann. Eine Klimaveränderung oder andere Jahrhunderte dauernde Prozesse ließen sich nicht mit den genetischen Daten in Einklang bringen, sagen die Forscher. Es habe sich klar um einen kurzzeitigen, heftigen Einschnitt gehandelt.

Mütterliche Erblinie von Ureinwohnern analysiert

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler die genetische Information aus, die in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, gespeichert ist. Diese Teile des Erbguts werden nur von den Müttern über die Eizelle an ihre Nachkommen weitergegeben und ermöglichen daher die Rekonstruktion der mütterlichen Linie eines Stammbaums.

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Die Wissenschaftler analysierten das mitochondriale Genom von 137 modernen amerikanischen Ureinwohnern und 63 mitochondriale Teilsequenzen aus fossilen Knochen. Diese stammten von Menschen, die vor 800 bis 5.000 Jahren in Nord- und Südamerika lebten.

Der Vergleich beider Gruppen ergab, dass die genetische Vielfalt der Ureinwohner vor rund 500 Jahren einen erheblichen Einschnitt erlitten haben muss. Ein solcher auch als „Flaschenhals“ bezeichneter genetischer Engpass tritt häufig dann auf, wenn eine Population für einige Zeit stark dezimiert wurde.

Erste Menschen kamen vor 17.000 Jahren

Die genetischen lieferten den Forschern aber auch Informationen über die Bevölkerungsentwicklung der Ureinwohner vor Ankunft der Europäer. Die ersten Siedler, die vor etwa 15.000 bis 17.000 Jahren von Asien über die Bering-Landbrücke nach Amerika kamen, breiteten sich demnach sehr schnell entlang der Küsten nach Süden aus. Vermutlich bestanden diese Gruppen aber zunächst nur aus wenigen Tausend Menschen, wie die Wissenschaftler berichten.

Zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerungszahlen kam es erst deutlich später, nachdem sich die einzelnen Gruppen an ihre jeweiligen Lebensräume angepasst hatten. Vor rund 11.000 Jahren sei die Bevölkerung dann um das fast Tausendfache angestiegen, sagen die Forscher. Aus dieser Zeit stammen auch die meisten archäologischen Spuren früher Siedler auf dem amerikanischen Kontinent. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2011; doi:10.1073/pnas.1112563108)

(Proceedings of the National Academy of Sciences / dapd, 09.12.2011 – NPO)

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