China hat den größten Anteil an Stagnation oder sogar Rückgang der CO-Emissionen CO2-Emissionen könnten 2015 erstmals leicht sinken - scinexx | Das Wissensmagazin
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China hat den größten Anteil an Stagnation oder sogar Rückgang der CO-Emissionen

CO2-Emissionen könnten 2015 erstmals leicht sinken

Die CO2-Emissionen könnten 2015 erstmals leicht sinken, so die Prognose. © Michael & Christa Richert/ freeimages

Ein erster Hoffnungsschimmer: Im Jahr 2015 könnten die weltweiten CO2-Emissionen erstmals stagnieren oder sogar leicht zurückgehen, wie Forscher ermittelt haben. Vor allem ein Rückgang des kohlebedingten Treibhausgas-Ausstoßes von China trägt zu dieser Entwicklung bei. Aber: Ob dies schon die Wende zu einem Rückgang der globalen Emissionen einläutet, muss sich beim Klimagipfel von Paris entscheiden.

Bisher kennt die Kurve der weltweiten CO2-Emissionen weltweit nur eine Richtung: aufwärts. Trotz zumindest einiger Klimaschutzbemühungen erreichten die CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre in diesem Jahr erstmals den Rekordwert von400 ppm und die globale Erwärmung liegt inzwischen bei knapp einem Grad. Das Problem dabei: Das Treibhausgase, die wir heute in die Luft blasen, machen sich erst in zehn Jahren so richtig bemerkbar, wirken dann aber mindestens ein Jahrhundert nach.

Robert Jackson von der Stanford University und seine Kollegen haben jetzt anlässlich des Welt-Klimagipfels in Paris ermittelt, wie die Bilanz der CO2-Emissionen für das Jahr 2015 ausfallen wird. Sie nutzten dafür Emissions- und Energieverbrauchsdaten der größten Emittenten wie China, den USA und der EU vom Juni bis Oktober 2015 und rechneten dies anhand des projizierten Wirtschaftswachstums der verschiedenen Länder auf das Jahr und die gesamte Welt hoch.

Die Veränderungen im CO2-Ausstoß der vier größten Emittenten und des Rests der Welt © Nach Jackson et al.

Erstmals weniger CO2 als im Vorjahr

Das Ergebnis: In diesem Jahr könnten die globalen CO2-Emissionen erstmals nicht weiter ansteigen, sondern sogar stagnieren oder leicht abnehmen. Die Forscher sagen einen Wert zwischen 1,5 Prozent Abnahme und 0,5 Prozent Zunahme des Ausstoßes voraus. Am wahrscheinlichsten wird ihren Angaben nach die Bilanz am Jahresende bei 0,6 Prozent weniger CO2 als im letzten Jahr liegen – statt 35,9 Gigatonnen werden es 35,7 Gigatonnen sein. Gemessen an den zwei bis drei Prozent Wachstum der meisten Jahre seit 200 ist dies eine klare Veränderung.

Gemessen am Gesamtausstoß ist dies zwar dennoch kein sehr dramatischer Abfall, aber immerhin ein erstes Hoffnungszeichen – vor allem, weil der CO2-Ausstoß schon 2014 weniger steil angewachsen war als in den Jahren zuvor. Positiv auch: Verringerung der Emissionen fand trotz Wirtschaftswachstum statt. „Die Zeit wird zeigen, ob diese überraschende Pause im Emissions-Wachstum nur vorübergehend ist oder schon ein erster Schritt hin zu einer Stabilisierung der Emissionen“, konstatieren die Forscher.

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China hat Löwenanteil am Rückgang

Den größten Anteil an dieser Entwicklung hat dabei China: „Für die vorhergesagte Abnahme der CO2-Emissionen ist hauptsächlich die verringerte Kohlenutzung Chinas verantwortlich“, sagt Koautorin Corinne Le Quéré von der University of East Anglia. „Schon im Jahr 2014 hat China mehr als die Hälfte seines Energiebedarfs durch Wasserkraft, Kernenergie, Wind- und Solarenergie gedeckt.“

Immerhin leicht abgenommen haben in diesem Jahr die CO2-Emissionen der EU und der USA, wie die Forscher feststellten. Auch hier sehen sie vor allem die erneuerbaren Energien und die Abkehr von der Kohle als wichtige Triebkraft. „Wind- und Solarenergie erlebten Rekordzuwächse im letzten Jahre und werden 2015 sogar noch mehr zunehmen“, so Jackson und seine Kollegen. Weniger gut stehen allerdings Indien und der größte Teil der restlichen Länder da: Ihr Treibhausgas-Ausstoß steigt weiter nahezu ungebremst.

„Noch lange nicht genug“

Bedeutet dies schon die Wende im Klimageschehen? Eher nein, betonen die Forscher. „Es ist unwahrscheinlich, dass damit schon der Peak der Emissionen erreicht ist“, sagt Le Quéré. „Denn die wachsenden Wirtschaften verlassen sich noch immer primär auf Kohle und die Emissionsreduktionen in einigen Industrieländern sind noch immer bestenfalls mäßig.“

Ähnlich sieht es auch Le Quérés Kollege Tim Osborn: „Dass die Emissionen 2015 niedriger werden als erwartet, ist willkommen, aber sie sind trotzdem höher als in jedem Jahr vor 2013“, sagt er. „Und das CO2 sammelt sich schneller in der Atmosphäre an, als die natürlichen Prozesse es wieder daraus entfernen können.“ Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen und den Klimawandel spürbar zu bremsen, reiche ein bloßes Stagnieren der Emissionen nicht aus.

„Die globalen Emissionen müssen auf nahezu Null absinken, um das Klima zu stabilisieren“, sagt Le Quéré. „Noch aber stoßen wir massive Mengen von CO2 aus – rund 36 Milliarden Tonnen jährlich allein aus fossilen Brennstoffen und der Industrie. Vor und liegt daher noch ein langer Weg.“ Sie und ihre Kollegen betonen daher, wie wichtig es ist, auf dem Klimagipfel von Paris ein bindendes Klimaschutz-Abkommen zu schließen. (Nature Climate Change, 2015; doi: 10.1038/nclimate2892)

(University of East Anglia, 08.12.2015 – NPO)

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