Zugverhalten von Dünnschnabel-Walvögeln entschlüsselt Seevögel mausern flexibel - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Zugverhalten von Dünnschnabel-Walvögeln entschlüsselt

Seevögel mausern flexibel

Dünnschnabel-Walvogel © Petra Quillfeldt

Wissenschaftler haben das Zugverhalten von Dünnschnabel-Walvögeln untersucht und dabei entdeckt, dass die Tiere ihre Mauserzeit in zwei weit auseinander liegenden Gebieten verbringen. Manche Seevögel können demnach ihren Lebensraum äußerst flexibel wechseln, wenn es die Bedingungen erfordern – eine lebensnotwendige Anpassung an die unvorhersehbaren Bedingungen auf hoher See.

Nicht nur Landvögel, auch manche Seevögel legen ungeheure Distanzen zurück: Trotzdem ist das Zugverhalten von Seevögeln im Vergleich zu ihren auf dem Land lebenden Verwandten kaum bekannt. Zwar können die Wanderungen vor allem der Albatrosse, seit einigen Jahren erfolgreich mit Satellitensendern verfolgt werden, bei kleineren Arten ist das jedoch noch nicht möglich. Auch Beringungsmethoden oder Radiotelemetrie, wie sie an Land eingesetzt werden, haben auf dem offenen Ozean geringe Erfolgsaussichten.

Brutgebiet Falkland-Inseln

Einem Forscherteam um Petra Quillfeldt am Max-Planck Institut für Ornithologie in Radolfzell ist es nun gelungen, trotz dieser Schwierigkeiten Details im Zugverhalten von Dünnschnabel-Walvögeln zu entschlüsseln. Diese etwa amselgroße Art aus der Familie der Röhrennasen, zu denen auch die Albatrosse, Sturmvögel und Sturmschwalben gehören, brüten von November bis Februar auf den Falkland-Inseln sowie benachbarten Inselgruppen im Südatlantik.

Bereits in einer früheren Untersuchung hatten die Max-Planck- Wissenschaftler nachgewiesen, dass zumindest ein Teil der Vögel für die Mauser in ein Gebiet südlich der antarktischen Konvergenzzone fliegt, um ihre Federn zu erneuern. Gleichzeitig wurden Dünnschnabel-Walvögel jedoch auch vor dem südamerikanischen Schelf und der Küste Brasiliens gesichtet.

Die Mausergebiete der Kurzschnabel-Walvögel können noch nicht exakt eingegrenzt werden, bislang lässt sich anhand der Isotopen-Daten nur zwischen antarktischen Gewässern und einem Gebiet vor Südamerika unterscheiden. Auch ist noch nicht klar, ob das antarktische Gebiet im atlantischen oder pazifischen Südpolarmeer liegt. © MPI für Ornithologie

Mauser auch vor Südamerika

Den Forschern zufolge suchen 90 Prozent der Dünnschnabel-Walvögel die antarktischen Gewässer auf. Dort bleiben die meisten während der gesamten Mauserzeit vom April bis in den Juni. Einzelne Vögel mausern jedoch auch weiter nördlich vor Südamerika. Trotz dieser unterschiedlichen Reiseziele handelt es sich bei den beiden Populationen nicht um genetisch getrennte Gruppen.

Anzeige

Die Wissenschaftler konnten einzelne Walvögel während ihrer Brutaufenthalte beringen und anschließend über mehrere Jahre hinweg verfolgen. Beringte Vögel flogen zwar bevorzugt wieder in das gleiche Gebiet, das sie schon im Vorjahr besucht hatten. Es gab aber auch Individuen, die im jeweils anderen Gebiet mauserten. Zudem kam es auch vor, dass ein Vogel im Laufe des Winters erst in die Antarktis und später weiter nach Norden wanderte.

„Die Ergebnisse zeigen, dass sich nicht nur die gesamte Art, sondern auch einzelne Dünnschnabel-Walvögel äußerst flexibel verhalten. So können sie in den riesigen Meeresgebieten mit ihren oft unvorhersagbaren, durch Wetterlagen und ozeanografische Zyklen beherrschten Gebieten erfolgreich den Winter überleben, ihr Federkleid erneuern und Reserven für die kommende Brutsaison anlegen“, erklärt Quillfeldt.

Federn als Reise-Archiv

Möglich gemacht haben diese Ergebnisse unterschiedlich schwere Kohlenstoff- und Stickstoffatome in den Federn. Die Forscher entnahmen von Brutvögeln auf den Falkland-Inseln im Südwestatlantik je eine kleine Feder. Außerdem sammelten sie Flügel von Tieren, die Raubmöwen zum Opfer gefallen waren. Kleine Proben dieser Federn wurden dann am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierbiologie in Berlin mit einem hochsensiblen Massenspektometer auf ihren Gehalt an stabilen Isotopen der Elemente Kohlenstoff und Stickstoff untersucht.

Insbesondere das schwere Isotop C13 des Kohlenstoffs ist auf dem Meer nach Angaben der Wissenschaftler nicht gleichmäßig verteilt. Seine Häufigkeit in Algen, die die Grundlage der ozeanischen Nahrungsnetze bilden, nimmt mit geringerer Meerestemperatur ab. Dadurch haben Vögel im Nahrungsnetz des Antarktischen Ozeans einen niedrigeren Gehalt an C13 als Tiere in gemäßigten Meeresgebieten. Während der Mauser werden neue Federn gebildet und C13 je nach Aufenthaltsort in unterschiedlicher Menge eingebaut. Die neuen Federn speichern so in einem charakteristischen Isotopenmuster, wo sich der Vogel gemausert hat.

(idw – Max-Planck-Gesellschaft, 12.03.2010 – DLO)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

Zugvögel - Von Interkontinentalflügen und Weltenbummlern

News des Tages

Wassermoleküle

Wasser: Doch keine zwei Varianten?

Fördert Salz Allergien?

Neptun: Rätsel des "unmöglichen" Mondes gelöst

Wie gelangen Schwermetalle in Bier und Wein?

Bücher zum Thema

Antarktis - Forschung im ewigen Eis von Norbert W. Roland

Fantastisches Tierreich - Zwischen Legende und Wirklichkeit von John Downer

Tierisch! - Expedition an den Rand der Schöpfung von Dirk Steffens

Nomaden der Lüfte - Das Geheimnis der Zugvögel von Jaques Perrin

Einführung in die Ökologie - von Wolfgang Tischler

Das geheime Leben der Tiere - Ihre unglaublichen Fahigkeiten, Leistungen, Intelligenz und magischen Kräfte von Ernst Meckelburg

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige