Vermutlich löst eine Kombination mehrere Gene die häufigen Blackouts aus Neigung zur Ohnmacht ist erblich bedingt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Vermutlich löst eine Kombination mehrere Gene die häufigen Blackouts aus

Neigung zur Ohnmacht ist erblich bedingt

Wer häufig in Ohnmacht fällt, dem liegt dies wahrscheinlich in den Genen. Denn die Neigung, bei Schmerzen, Schock oder beim Anblick von Blut das Bewusstsein zu verlieren, wird von Eltern und Vorfahren geerbt. Das zeigt die Studie eines deutsch-australischen Forscherteams an 51 ein- und zweieiigen Zwillingspaaren. Bei den eineiigen Zwillingen seien doppelt so häufig beide Geschwister von häufigen Ohnmachtsanfällen betroffen gewesen wie bei den zweieiigen. Das sei ein starkes Indiz für eine genetische Komponente, berichten Karl-Martin Klein von der Philipps-Universität Marburg und seine Kollegen im Fachmagazin „Neurology“. Allerdings sei nicht ein einzelnes Gen für die Neigung zur Ohnmacht verantwortlich. Stattdessen deute das Ergebnis auf eine komplexe Vererbung hin, an der zahlreiche Gene beteiligt seien.

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„Jeder Vierte erlebt mindestens einmal in seinem Leben eine sogenannte vasovagale Ohnmacht“, erklären die Forscher. Dabei handele es sich um eine Reflexreaktion, bei der sich die Blutgefäße weiten. Dadurch sinken Blutdruck und Herzfrequenz kurzzeitig ab und das Gehirn wird schlechter durchblutet – es wird einem schwummerig und man fällt in Ohnmacht. Ausgelöst wird diese Reaktion oft durch starke emotionale Reize wie Schreck oder plötzlicher Stress.

Bislang sei umstritten gewesen, ob die Neigung zu solchen Ohnmachtsanfällen eher genetisch bedingt oder durch Umweltfaktoren beeinflusst sei, sagt Studienleiter Samuel Berkovic von der University of Melbourne in Australien. Jetzt zeige sich, dass die erbliche Veranlagung dann ausschlaggebend sei, wenn die Ohnmachtsanfälle häufig auftreten und durch die typischen Auslöser verursacht werden. Bei seltenen Blackouts ohne klassische Auslöser spielten dagegen Umweltfaktoren die dominierende Rolle.

51 Zwillingspaare mit Ohnmachtsanfällen

Für ihre Studie hatten die Forscher in Australien gezielt nach Zwillingspaaren gesucht, bei denen wenigstens eines der beiden Geschwister an häufigen Ohnmachten litt. Bei 51 Paaren, davon 33 eineiigen und 18 zweieiigen Zwillingen wurden sie fündig. Darunter waren sowohl Männer als auch Frauen im Alter von neun bis 69 Jahren. In Telefoninterviews und durch Auswertung der medizinischen Unterlagen ermittelten die Forscher den Gesundheitszustand aller Studienteilnehmer und die Häufigkeit und Umstände der Ohnmachten – sowohl bei ihnen selbst als auch bei ihren Familienangehörigen.

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Bei drei Viertel der eineiigen Zwillinge fiel auch das Geschwisterkind sehr schnell und häufig in Ohnmacht. Beiden zweieiigen war dies nur halb so oft der Fall. Diese unterschiedlichen Übereinstimmungsraten seien ein deutliches Zeichen für genetische Faktoren, sagen die Forscher. Weil eineiige Zwillinge aus derselben Eizelle hervorgehen, besitzen sie die gleichen Gene. Zweieiige Zwillinge entstehen aus zwei verschiedenen Eizellen und haben daher die gleichen genetischen Unterschiede wie zwei nacheinander geborene Geschwister.

Bei fast zwei Drittel der eineiigen Zwillingspaare waren keine oder nur wenige andere Familienmitglieder betroffen, bei den restlichen teilweise gleich mehrere. Dieses Muster passe nicht zu einem einzigen, dominant vererbten Auslösegen, erklären die Forscher. Denn bei einer solchen Form der Vererbung zeigt jeder Träger dieses Gens auch die Krankheitsmerkmale. Daher müssten auch die jeweiligen Eltern der betroffenen Zwillinge an häufigen Ohnmachten leiden. Da dies nicht der Fall sei, deute dies darauf hin, dass mehrere Genvarianten zusammenkommen müssten, um die Ohnmachts-Neigung hervorzurufen, sagen die Wissenschaftler. Die Eltern vererben dann jeweils einige dieser Genvarianten an ihre Nachkommen und erst in dem betroffenen Kind führt die Kombination dieser Gene dazu, dass es schnell ohnmächtig wird.

Hinweise auf eine geschlechtsspezifische Weitergabe der Veranlagung habe man nicht gefunden, berichten die Forscher. Jungen und Mädchen sind demnach gleichermaßen betroffen.

(Neurology, 07.08.2012 – NPO)

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