Die Vorfahren unserer mitteleuropäischen Hauskatzen lebten wild und opportunistisch Katzen: Unabhängig seit 6.000 Jahren - scinexx | Das Wissensmagazin
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Katzen: Unabhängig seit 6.000 Jahren

Die Vorfahren unserer mitteleuropäischen Hauskatzen lebten wild und opportunistisch

Falbkatze
Sie ist die Vorfahrin aller Hauskatzen: die im Nahen Osten heimische Falbkatze Felis silvestris lybica. © slowmotiongli/ iStock

Von wegen domestiziert: Zu einer Zeit, als Hunde längst enge Begleiter des Menschen waren, hielten die Katzen noch Abstand. Die aus dem Nahen Osten eingewanderten Vorfahren unserer mitteleuropäischen Hauskatzen jagten zwar schon Mäuse, waren aber unabhängig von menschlichen Futterquellen. Stattdessen ähnelte ihr Speiseplan eher dem der heimischen Wildkatzen, wie Forscher herausgefunden haben.

Im Gegensatz zu Hunden sind Hauskatzen bis heute kaum domestiziert. Denn von ihrem wilden Vorfahren, der ursprünglich im Nahen Osten heimischen Falbkatze Felis silvestris lybica, sind sie genetisch nahezu ununterscheidbar. Dennoch entwickelten sie sich in den letzten rund 10.000 Jahren zu Begleitern des Menschen. Sie profitierten von Ratten und Mäusen, die sich im Umfeld menschlicher Behausungen und Gehöften vermehrten. Etwa um 4.400 vor Christus kamen die Hauskatzen-Vorfahren dann auch nach Mitteleuropa.

Fossil
Knochen einer nahöstlichen Katze in der polnischen Zarska-Höhle. (Bild: Michal Wojenka und Magdalena Krajcarz)

Spurensuche in Polen

Doch wie lebten diese Vorfahren unserer mitteleuropäischen Hauskatzen damals? Waren sie schon domestizierte Begleiter des Menschen? Diese Frage haben nun Forscher um Magdalena Krajcarza von der polnischen Nicolaus-Copernicus-Universität untersucht. Dafür analysierten sie die Isotopenwerte in den Knochen von sechs in polnischen Höhlen gefundenen Falbkatzengebeinen, die aus der Zeit zwischen 3600 und 2300 vor Christus stammen.

Diese Katzenrelikte gehören damit zu den ältesten Funden von Hauskatzenvorfahren in Mitteleuropa. Anhand der Stickstoff-Isotope in den Knochen lässt sich feststellen, ob diese Katzen Beute fraßen, die vom Nutzpflanzenanbau und der menschlichen Landwirtschaft profitierte oder nicht. Zusätzlich verglichen die Forscher die Isotopenwerte mit denen von Haushunden aus jener Zeit und mit denen Europäischer Wildkatzen, die damals im gleichen Gebiet lebten.

Gemischter Speiseplan

Das Ergebnis: Während die Isotopenwerte der Haushunde klar von ihrer Fütterung durch den Menschen zeugten, war dies bei den Hauskatzenvorfahren nicht der Fall. Sie fraßen zwar durchaus einen Teil an Mäusen und Wühlmäusen aus dem menschlichen Umfeld und der Feldflur, gleichzeitig standen aber auch Wildtiere wie Vögel auf ihrem Speiseplan.

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Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass diese Katzen zwar opportunistisch von der Gegenwart der Menschen profitierten, wenn es sich anbot. Aber sie blieben unabhängig. „Sie waren noch wild oder verwildert, in jedem Falle wurden sie nicht von den Menschen gefüttert“, sagt Krajcarza. Die Vorfahren unserer Hauskatzen lebten zwar in der Nähe der menschlicher Siedlungen und Felder, suchten ihre Beute aber nicht ausschließlich dort.

Unabhängig wie die Wildkatzen

Das aber bedeutet, dass die Hauskatzenvorfahren zumindest im jungsteinzeitlichen Polen noch eher scheue, wilde Raubtiere waren. Sie hatten wahrscheinlich nur wenig direkten Kontakt mit den Menschen und lebten eher wie Wildkatzen. Dafür spricht auch die große Übereinstimmung der Isotopenwerte zwischen den eingewanderten Falbkatzen und den heimischen Europäischen Wildkatzen, wie Krajcarza und ihr Team erklären.

Beide Unterarten hatten demnach ein ähnliches Beutespektrum und teilen die gleiche ökologische Nische. Damit standen beide Katzen eigentlich in direkter Konkurrenz. Weil aber das Beuteangebot groß genug war, scheint dies weder den Hauskatzenvorfahren noch der Wildkatze geschadet zu haben. Hinzu kommt, dass die Europäische Wildkatze eher im Wald lebte, während die Falbkatzen wie in ihrer nahöstlichen Heimat offenes Gelände bevorzugten. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2020; doi: 10.1073/pnas.1918884117)

Quelle: PNAS, Universität Tübingen

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