Forscher vermuten genetischen Hintergrund Karpaltunnelsyndrom und Fettleibigkeit verknüpft? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher vermuten genetischen Hintergrund

Karpaltunnelsyndrom und Fettleibigkeit verknüpft?

© MMCD

Menschen mit Fettleibigkeit sowie bestimmten Formen des Handgelenks lieden überdurchschnittlich häufig unter dem gefürchtete Karpaltunnelsyndrom. Erstaunlicherweise führt eine Gewichtsabnahme jedoch zu keiner Milderung des Syndroms. Fachleute vermuten zwischen diesen beiden Zuständen daher einen genetischen Zusammenhang oder ein genetisches Profil, das betroffene Patienten für beides anfällig macht.

Das Karpaltunnelsyndrom ist die Nervenstörung, die am häufigsten zur Beeinträchtigung oder zum Verlust der Arbeitsfähigkeit führt. Betroffen ist dabei der mittlere Handnerv, der auf der Höhe des Handgelenks durch einen eigenen Kanal, den Karpaltunnel, läuft, der ihm beim Übergang vom Unterarm in den Handteller Führung und Schutz bietet. Das Syndrom besteht in der Einengung des Nervs an dieser Stelle – entweder, weil der Kanal selbst schmäler wird, oder weil die Sehnen, die die gleiche Bahn benützen, an Umfang zunehmen. Das Karpaltunnelsyndrom kann brennende oder juckende Reize in den Fingern und im Daumen, ein taubes Gefühl, Schwierigkeiten, Gegenstände zu ergreifen sowie eine generelle Schwäche in der Hand verursachen. Betroffene sind oft mit einer verminderten Funktionsfähigkeit der Hand und mit beträchtlichen Schmerzen konfrontiert.

Während nur zehn Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben an einem eingeklemmten Mediannerv der Hand leiden, tun dies 25 Prozent jener Menschen, die man als adipös, also krankhaft fettleibig, zu klassifizieren sind. Das Karpaltunnelsyndrom ist jene Nervenstörungen, die am häufigsten zur Beeinträchtigung oder zum Verlust der Arbeitsfähigkeit führt.

Studie testet Übergewichtige

Eine Studie von Dr. Yuksel Kaplan und seinen Kollegen an der Gaziosmanpasa-Universität in der Türkei untersuchte nun die Rolle von Fettleibigkeit als Risikofaktor für diese behindernde Erkrankung. Doch obwohl Adipositas mit einem häufigeren Auftreten des Karpaltunnelssyndroms verbunden ist, scheint dieser Zusammenhang nicht ursächlich zu sein, wie das Forscherteam auf dem 17. Treffen der Europäischen Neurologischen Gesellschaft von 16. bis 20. Juni auf Rhodos (Griechenland) berichtete.

Die Studie erhob die Wirkung von Gewichtsabnahme sehr übergewichtiger Patienten auf die Reizweiterleitung im Handmediannerv. Für die Studie wurden 126 Probanden ausgewählt, die an leichten bis mittelgradigen Funktionsstörungen der Hand aufgrund eines Karpaltunnelsyndrom litten. Alle waren als adipös, also krankhaft fettleibig zu klassifizieren, sie wiesen also einen Body-Mass-Index von über 30 auf. Normalgewichtige liegen zwischen 20 und 25, Übergewichtige zwischen 25 und 30; alles über 30 gilt als adipös.

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Gewichtsverlust bringt keine Erleichterung

Alle Patienten, die ursprünglich in die Studie miteinbezogen worden waren, wurden im Hinblick auf die Symptome des Karpaltunnelsyndrom ebenso analysiert wie auf Alter, Geschlecht, Größe, Körpergewicht und Begleiterkrankungen. Zu Beginn wurden Nervleitungsuntersuchungen zur Messung der Übertragung von Impulsen entlang des Mediannervs durchgeführt. Dann wurden alle Patienten auf Diät gesetzt. Nach drei Monaten wurden die Reizleitungsmessungen wiederholt.

Für die zweite Reizleitungsuntersuchung blieben 92 Patienten zwischen 17 und 77 Jahren zur Verfügung, weit überwiegend Frauen (79 Frauen zu 13 Männern). Nach dem dreimonatigen Diätprogramm zeigten sie eine sehr deutliche Abnahme des Body Mass Index von im Durchschnitt von 36 auf 26/27 – was bedeutet, dass sie nicht länger als adipös zu qualifizieren waren. „Der Gewichtsverlust brachte jedoch keine Erleichterung des Karpaltunnelsyndroms mit sich“, so Kaplan.

Kein ursächlicher Zusammenhang

Entgegen den Erwartungen, die sich auf die höhere Häufigkeit des Karpaltunnelsyndroms unter Adipösen stützten, zeigt die Studie also klar, dass das Übergewicht nicht die eigentliche Ursache für die schmerzhafte Einengung des medianen Handnervs ist. Die Natur der statistisch eindeutigen Verbindung zwischen beiden muss also eine andere sein und bleibt noch zu erforschen. Obwohl mangels einschlägiger Studien noch reine Spekulation, denkt Kaplan dabei an eine genetische Verbindung zwischen diesen beiden krankhaften Zuständen, oder auch an ein genetisches Profil, das einen Patienten für beide gleichzeitig anfällig macht.

Rechteckiger geformter Handgelenke machen anfälliger

Licht auf dieses Problem könnte auch eine Studie werfen, die jüngst am Imam Khomeini Hospital in Täbriz (Iran) vollendet wurde. Dr. M. Yazdchi Marandi und Dr. M. Sharifi stellten am ENS-Treffen eine Arbeit vor, welche die Rolle von Größe und Proportionen der Hand bei der Entwicklung des Karpaltunnelsyndroms untersuchte. 131 Patienten mit dem Syndrom wurden über 14 Monate mit gesunden Kontrollgruppen verglichen. Um eine Skala von Schweregraden der Symptome zu entwickeln, wurden die vom Karpaltunnelsyndrom Betroffenen nach elektrodiagnostischen Kriterien analysiert.

Anschließend wurden zwischen den beiden Gruppen Faktoren wie die Form des Handgelenks, das Verhältnis zwischen Länge und Höhe der Hand und der Body Mass Index verglichen und Entsprechungen mit der Schwere der Symptome gesucht. Die Ergebnisse bestätigten im wesentlichen die laufenden Berichte in der Literatur, dass Adipositas und die Form des Handgelenks mit einem häufigeren Auftreten des Karpaltunnelsyndroms einhergehen, wobei ein rechteckiger geformtes Handgelenk Patienten dafür anfälliger macht.

(B&K Kommunikation, 20.06.2007 – NPO)

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