Männer in Ländern mit guter Gesundheitsversorgung bevorzugen weiblichere Gesichtszüge Japaner mögen "Sie" am femininsten - scinexx | Das Wissensmagazin
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Männer in Ländern mit guter Gesundheitsversorgung bevorzugen weiblichere Gesichtszüge

Japaner mögen „Sie“ am femininsten

Männer in reicheren Ländern bevorzugen meist typisch weibliche Gesichter © freeimages

Große Augen, Schmollmund, zartes Kinn – diese Merkmale machen Frauengesichter besonders weiblich und für die meisten Männer attraktiv. Aber es gibt da durchaus regionale Unterschiede, wie jetzt ein Online-Experiment zeigt: In reichen Ländern mit guter Gesundheitsversorgung sind weiblichere Gesichtszüge gefragt. In Ländern mit eher harten Bedingungen halten sich die Vorlieben für herbere oder feminiere Frauengesichter dagegen fast die Waage.

Unsere Gesichter verraten nicht nur unser Alter und unser Geschlecht, sie geben unterschwellig auch Auskunft über unsere Gesundheit und sogar unsere Fortpflanzungsfähigkeit. So fördert das weibliche Geschlechtshormon Östrogen beispielsweise typisch feminine Merkmale wie volle Lippen und große Augen, gleichzeitig spielt es eine wichtige Rolle für die weibliche Fruchtbarkeit.

Studien zeigen, dass die meisten heterosexuellen Männer Frauen mit eher femininen Gesichtszügen bevorzugen – möglicherweise, weil sie damit unbewusst auf die subtilen Signale der Fruchtbarkeit reagieren. Unklar war aber bisher, ob diese Präferenzen global sind oder ob es möglicherweise kulturelle oder regionale Unterschiede gibt. Ein internationales Forscherteam um Urszula Marcinkowska von der Universität von Turku in Finnland hat dies nun in einem Online-Experiment getestet.

Manipulierte Portraits im Online-Test

Für die Studie nutzten die Forscher nachträglich mittels Bildbearbeitung veränderte Portraitfotos von Frauen. Eine Kopie machten sie jeweils etwas maskuliner – beispielsweise indem sie das Kinn breiter und kantiger und die Augen kleiner machten. Die andere Kopie wurde feminisiert – unter anderem indem sie das Kinn verschmälerten und die Lippen und Augen vergrößerten.

Diese Portraits wurden für Online-Tests in 16 verschiedenen Sprachen eingesetzt. An diesen nahmen insgesamt 1.972 Männer im Alter zwischen 18 und 45 aus 28 Ländern teil. In den Tests sahen die Männer jeweils zwei Varianten eines Portraits – eines etwas maskuliner, eines etwas femininer – und sollten angeben, welche von beiden sie attraktiver fanden.

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Nepalesen sind unentschieden, Japaner am extremsten

Das Hauptergebnis war zunächst eindeutig: „In allen Ländern hatten die Männer eine signifikant größere Vorliebe für die feminisierten Gesichter“ berichten Marcinkowska und ihre Kollegen. Wie stark diese Präferenz aber ausgeprägt war, unterschied sich zwischen den einzelnen Ländern erheblich: Am unentschiedensten reagierten die Männer aus Nepal: Bei ihnen lag das Ergebnis bei 52 Prozent – also nur knapp über der 50:50-Marke, wie die Auswertung zeigte. Sie fanden demnach auch eher maskulinere Frauen attraktiv.

Japanische Männer bildeten das andere Extrem: Sie bevorzugten zu mehr als drei Vierteln die femininere Portraitvariante. „Das ist unseres Wissens nach die erste Studie, die solche geografischen Variationen in der Präferenz weiblicher Gesichter quantifiziert“, konstatieren die Forscher.

Je gesünder das Land, desto femininer das Ideal

Einen möglichen Grund für die auffallenden Unterschiede fanden die Wissenschaftler, als sie ihre Ergebnisse mit den nationalen Gesundheits-Indices der einzelnen Länder abglichen: Je höher das Niveau der öffentlichen Gesundheitsversorgung, desto höher war auch die Präferenz der Männer für typisch weibliche Frauengesichter.

Die Vermutung der Forscher: Möglicherweise signalisieren männlichere Gesichtszüge unterschwellig, dass eine Frau stark genug ist, um auch unter harten Bedingungen „ihren Mann zu stehen“ und ihre Familie mitzuversorgen. In Ländern wie Nepal, in denen die Ressourcen knapp und Krankheiten häufig sind, sind daher maskulinere Frauen eher gefragt.

Oder ist das Testosteron schuld?

Doch es gibt noch eine weitere mögliche Erklärung: In Regionen mit hoher Krankheitsrate und niedrigem Lebensstandard haben Männer oft einen niedrigeren Testosteronspiegel, wie Marcinkowska und ihre Kollegen erklären. Das männliche Geschlechtshormon beeinflusst aber durchaus sowohl das Paarungsverhalten als auch den Blick aufs andere Geschlecht.

Es könnte daher sein, dass Männer in den wohlsituierten Industrienationen hormonell gesehen maskuliner reagieren und daher femininere Frauen bevorzugen. Welche der beiden Erklärungen aber zutrifft – oder ob möglicherweise beide eine Rolle spielen – müssen nun weitere Studien zeigen. (Biology Letters, 2014; doi: 10.1098/rsbl.2013.0850)

(Royal Society, 02.05.2014 – NPO)

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