Das pinkfarbene Putnisit hat eine einzigartige Chemie und Kristallstruktur Neuartiges Mineral entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Das pinkfarbene Putnisit hat eine einzigartige Chemie und Kristallstruktur

Neuartiges Mineral entdeckt

Ein Putnisit-Kristall unter der Lupe © Peter Elliot

Ungewöhnlicher Fund: Am Ufer eines Sees in Westaustralien haben Bergarbeiter ein neuartiges Mineral entdeckt: Die kleinen, rosa-violetten Kristalle zeigen eine ungewöhnliche chemische Zusammensetzung und Kristallstruktur. Das Putnisit getaufte Mineral sei damit absolut einzigartig unter den rund 4.000 bisher bekannten Mineralen, betonen australische Mineralogen.

Zwar werden jedes Jahr neue Mineralvarianten entdeckt, aber einen völlig neuen Typ zu finden, ist äußerst ungewöhnlich. „Die meisten Mineralien gehören zu einer Familie oder einer kleinen Gruppe verwandter Minerale“, erklärt Peter Elliott von der University of Adelaide. Sie ähneln sich in ihrer Kristallstruktur und Chemie, was sich durch Röntgenkristallografie in Verbindung mit chemischen Analysen zeigen lässt. Gibt es kaum Ähnlichkeit zu bestehenden, dann handelt es sich meist um künstlich hergestellte Verbindungen. Das neuentdeckte Putnisit aber ist natürlichen Ursprungs.

Bei der Suche nach Gold entdeckt

„Putnisit ist absolut einzigartig und mit nichts anderem verwandt“, wie Elliot berichtet. Entdeckt wurde das neue Mineral durch Mitarbeiter einer Bergbaufirma, die im Gestein einer Halbinsel im Lake Cowan in Westaustralien nach Anzeichen für Gold und Nickelvorkommen suchten. Einem von ihnen fielen winzige pinkfarbene Punkte im dunkelgrünen und weißen Quarzgestein auf. Bei näherem Hinsehen entpuppten sie sich als kleine Kristalle von nicht mehr als 0,5 Millimetern Durchmesser.

Elliot und seine Kollegen erhielten Proben dieses unbekannten Minerals und stellten prompt fest, dass es nichts glich, was sie kannten. „Putnisit ist durchscheinend, mit rosafarbenem Strich und einem glasartigen Glanz“, berichten die Forscher. Es ist zudem relativ spröde und hat eine Mohs-Härte von 1,5 bis 2. Es ist damit eher weich und vergleichbar mit Gips.

Ungewöhnliche Element-Kombination

Unter dem Mikroskop werden die eckigen, würfelförmigen Kristalle sichtbar. In ihnen sind die Elemente Strontium, Kalzium, Chrom, Schwefel, Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff enthalten – in einer sehr ungewöhnlichen Kombination, wie die Forscher erklären. Als das Sediment im Lake Cowan vor Millionen von Jahren abgelagert wurde, enthielt es kleine Mengen von Strontium, Kalzium, Chrom und Schwefel. Im Laufe der Zeit hat Verwitterung diese Elemente freigesetzt und konzentriert und Putnisit kristallisierte aus.

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„Putnisit hat sowohl eine einzigartige chemische Zusammensetzung als auch eine einzigartige Kristallstruktur“, sagt Elliot. Ein Oktaeder aus der Verbindung Cr(OH)4O2 bildet dabei einen achtteiligen Ring, in dessen Zentrum ein Strontium-Ion liegt. An der Außenseite der Ringe reihen sich Dreiecke aus CO3-Gruppen. Die einzelnen Ringe werden durch die Kalziumverbindung Ca(H2O)4O4 miteinander verknüpft und bilden dünne parallele Schichten. Ob das neue Mineral einen praktischen Nutzen hat, ist noch unklar. (Mineralogical Magazine, 2014; doi: 10.1180/minmag.2014.078.1.10)

(University of Adelaide, 30.04.2014 – NPO)

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