Erstmals Glycinrezeptoren im Innenohr nachgewiesen Gehirnbotenstoff macht auch Ohr fit - scinexx | Das Wissensmagazin
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Erstmals Glycinrezeptoren im Innenohr nachgewiesen

Gehirnbotenstoff macht auch Ohr fit

Nicht nur im Gehirn, sondern auch im Ohr spielt der Botenstoff Glycin vermutlich eine wichtige Rolle: Dies zeigt jetzt eine neue Studie Erlanger Forscher. Ihnen ist es erstmals gelungen, Glycinrezeptoren im Innenohr nachzuweisen. Diese Erkenntnis lässt wichtige Rückschlüsse auf die Feinabstimmung unseres Höreindrucks zu und bietet völlig neue Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Therapien von Hörstörungen.

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„Glycin ist einer der wichtigsten hemmenden Botenstoffe im Nervensystem. Die Wirkungen des Neurotransmitters Glycin im Zentralen Nervensystem sind bereits gut erforscht. Im Ohr hat sie bisher jedoch noch niemand beschrieben. Die von uns gefundene Verteilung der Glycinrezeptoren im Innenohr legt nahe, dass sie bei der Feinabstimmung unseres Höreindrucks eine Rolle spielen“, erläutert Dr. Julia Dlugaiczyk, Leiterin des Forscherteams an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (HNO) des Universitätsklinikums Erlangen.

Zusammenspiel von erregenden und hemmenden Botenstoffen

Im Innenohr wird die Energie von Schallwellen in elektrische Impulse umgewandelt, die anschließend über den Hörnerven an das Gehirn weitergeleitet werden. Für die Feinregulation des Höreindrucks ist dabei das Zusammenspiel von erregenden und hemmenden (inhibitorischen) Neurotransmittern, wie Glycin, im Innenohr essentiell.

Fehlen die inhibitorischen Einflüsse, dann kann es zu einer „Übererregung“ des Innenohres kommen. Die Folgen sind nach Angaben der Forscher schwerwiegend und reichen von verzerrtem Hören, über erhöhte Lärmempfindlichkeit bis hin zur Wahrnehmung von Phantomgeräuschen (Tinnitus).

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Entwicklungspotenzial für neue Therapien

Die Forscher um Dlugaiczyk gehen davon aus, dass Glycin im Innenohr an der Feinregulation des Höreindrucks beteiligt ist. Ein Mangel an diesem hemmenden Botenstoff könnte auch bei Erkrankungen wie Tinnitus, für die es bis heute keine befriedigenden Therapien gibt, eine wichtige Rolle spielen. Nächstes Forschungsziel ist es nun, offen zu legen, wie Glycin den Hörvorgang beeinflusst.

„Wir müssen verstehen, wie das Zusammenspiel zwischen erregenden und hemmenden Impulsen im Innenohr tatsächlich funktioniert. Das ist die Voraussetzung für die Entwicklung neuer Therapien von Hörstörungen“, so Dlugaiczyk. Auf lange Sicht könnten so Medikamente entwickelt werden, die im Innenohr den Botenstoff Glycin und damit das Hörempfinden beeinflussen.

„Im Moment sind wir noch im Bereich der Grundlagenforschung, doch das Entwicklungspotenzial in diesem Forschungsfeld ist groß. Denkbar wäre zum Beispiel, auf lange Sicht ein Medikament zu entwickeln, das lokal ins Innenohr eingebracht werden kann“, so Dlugaiczyk.

(Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen, 13.07.2009 – DLO)

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