Forscher entdecken eine Hefe-Art, die sich mit jeder Zellteilung verjüngt Einzeller ist immun gegen das Altern - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher entdecken eine Hefe-Art, die sich mit jeder Zellteilung verjüngt

Einzeller ist immun gegen das Altern

Die Spalthefe Schizosaccharomyces pombe © David O Morgan

Sie stellt die Regeln der Biologie auf den Kopf: Forscher haben eine Hefeart entdeckt, die ewig jung bleiben kann. Sie verjüngt sich jedes Mal, wenn sich ihre Zelle teilt. Bei uns und den meisten anderen Organismen ist es genau umgekehrt: Unsere Zellen altern mit jeder Teilung ein bisschen mehr. Die Entdeckung der ungewöhnlichen Ausnahme könnte dazu beitragen, den Prozess des Alterns besser zu verstehen, hoffen die Forscher im Fachagmazin „Current Biology“.

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In der Regel teilen sich Mikroorganismen auch bei einer symmetrischen Zellteilung nicht in zwei exakt gleiche Hälften: Meist sorgt ein Mechanismus dafür, dass eine Hälfte vornehmlich älteres und damit auch defektes Zellmaterial erhält, zum Beispiel verklumpte Proteine. Die andere Hälfte hingegen wird mit voll funktionsfähigem Material ausgestattet. Meist geht dann die ältere Mutterzelle zugrunde, die jüngere lebt weiter – so auch in vielen unserer Gewebe.

Zellmüll gerecht aufgeteilt

Auch einzellige Hefen erzeugen auf diese Weise normalerweise jeweils einen jüngeren und einen älteren Nachkommen. Forscher vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden haben nun jedoch entdeckt, dass die Hefe Schizosaccharomyces pombe unter günstigen Bedingungen immun gegen das Altern ist. Wird der einzellige Pilz gut umsorgt, dann pflanzt er sich so fort, dass die beiden entstehenden Tochterzellen Zellbestandteile zu gleichen Teilen erhalten. Da sie so auch beschädigtes Material unter sich aufteilen, erbt jede Tochterzelle nur die Hälfte der Schäden. Die entstehenden Zellen sind beide jünger als vorher – zumindest was ihre Belastung mit „Zellmüll“ angeht. „Die Hefe verjüngt sich mit jeder Zellteilung”, erklärt Studienleiterin Iva Tolic-Nørrelykke.

Sobald die Hefe allerdings Stress wie giftigen Chemikalien oder Hitze ausgesetzt wird beginnt sie, sich wieder in eine jüngere und eine ältere Zelle zu teilen – wie andere Zellen auch. Während die älteren Zellen schließlich sterben, überleben die jüngeren Zellen lange genug, um sich auch bei widrigen Umständen fortzupflanzen. Dies macht die Hefe Schizosaccharomyces pombe zu einem interessanten Studienobjekt, um mehr über menschliche Zellen wie Keim-, Stamm- oder Krebszellen zu erfahren, denn auch diese Zelltypen altern nicht. Allerdings: Die Alterung von Zellen macht sich noch an anderen Eigenschaften fest, darunter vor allem der Länge der Telomere – der Schutzkappen am Ende der Chromosmen. Und ob diese bei der Hefe auch „verjüngt“ werden, geht aus der Studie nicht hervor.

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(Max-PLanck-Gesellschaft, 13.09.2013 – NPO)

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