Kiefer des ausgestorbene Beutel-Raubtiers war zu schwach für die Schafsjagd Beutelwolf war kein "Schafstöter" - scinexx | Das Wissensmagazin
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Kiefer des ausgestorbene Beutel-Raubtiers war zu schwach für die Schafsjagd

Beutelwolf war kein „Schafstöter“

3D-Modell eines Beutelwolf-Schädels im Belastungstest: links Belastung von Muskeln und Sehnen des Kiefers beim Biss, rechts Belastung in den Knochen (rot/weiß = hohe Belastung; blau/grün = geringe Belastung) © Attard et al. / Journal of Zoology

Der Beutelwolf war einst der Top-Räuber Australiens. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das auch als Tasmanischer Tiger bekannte Raubtier ausgerottet, weil es als „Schafstöter“ galt. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass der Beutelwolf damals zu Unrecht verfolgt wurde. In biomechanischen Simulationen erwiesen sich Kiefer und Schädel des Beutelwolfs als viel zu schwach, um Schafe zu reißen. Stattdessen habe der bis zu 1,30 Meter lange Beutelwolf daher maximal Beuteldachse, kleine Kletterbeutler oder Zwergkängurus erlegen können, berichten die Forscher im Fachmagazin „Journal of Zoology“.

Vor tausenden von Jahren war der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) noch in ganz Australien und Neuguinea verbreitet. Nach Angaben der Forscher war er zu dieser Zeit der größte Fleischfresser und damit der Top-Räuber der Nahrungsketten dieser Region. Als die ersten Europäer Australien zu besiedeln begannen, war das Verbreitungsgebiet des Beutelwolfs bereits geschrumpft, er kam nur noch auf Tasmanien vor. Dort wurde er im 19. Jahrhundert intensiv bejagt, weil Siedler ihre Schafe schützen wollten. Der letzte Vertreter des Beutelwolfs starb 1936 im Zoo von Hobart.

3D-Modelle im Belastungstest

Für ihre Studie scannten die Forscher Schädel des Beutelwolfs, des Riesenbeutelmarders und des Beutelteufels mittels Computertomografie ein. Aus den Aufnahmen konstruierten sie 3D-Modelle der Schädel. Diese setzten sie in biomechanischen Simulationen unterschiedlichen Druck- und Zug-Belastungen aus, wie sie beim Fangen, Festhalten, Schütteln und Zerbeißen von unterschiedlich großer Beute auftreten. „Indem wir die Schädelbelastung des ausgestorbenen Beutelwolf mit eng verwandten, noch heute lebenden Arten verglichen, konnten wir ermitteln, welche Körpergröße seine Beute vermutlich hatte“, erklärt Studienleiter Stephen Wroe von der University of New South Wales.

Die Simulation ergab, dass Kiefer- und Schädelknochen des Beutelwolfs beim Beißen und Festhalten von Beute stärkere Anzeichen für Belastung zeigten als bei den anderen Beuteltieren. Einer der Schwachpunkte sei dabei die verhältnismäßig lange Schnauze des Beutelwolfs, berichten die Forscher. Sie hätte möglicherweise dem Gewicht und der Kraft eines Schafes nicht standgehalten. „Unsere Forschungen haben ergeben, dass seine schwachen Kiefer ihm nur den Fang kleinerer, wendigerer Beute erlaubte“, sagt Erstautorin Marie Attard von der University of New South Wales. „Für ein großes Raubtier wie dieses ist das ein sehr ungewöhnliches Merkmal.“

Schädel eines Beutelwolfs (Thylacinus cynocephalus) © Attard et al. / Journal of Zoology

Mehrere Faktoren begünstigten Aussterben

Welche Faktoren neben der intensiven Bejagung dazu beitrugen, den Beutelwolf ausssterben zu lassen, sei noch umstritten, schreiben die Forscher. Zähne und biogeochemische Belege deuteten aber darauf hin, dass der Beutewolf auf das Fleisch von Wirbeltieren spezialisiert war. Im Vergleich zu anderen räuberischen Beuteltieren, die auch Insekten fraßen, sei sein Beutespektrum damit deutlich enger gewesen. Gemeinsam mit der Beschränkung auf kleinere Beute könne dies sein Aussterben gefördert haben.

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„Wir können ziemlich sicher sein, dass die Beutelwölfe dadurch mit kleineren räuberischen Beuteltieren in Konkurrenz gerieten“, sagt Studienleiter Stephen Wroe. Schon eine kleine Veränderung der Umwelt könnte dann gereicht haben, um die Beute für ihn knapp werden zu lassen. Die Veränderung des Lebenraums durch die europäischen Siedler könne ausreichend gewesen sein, um diese sensibel ausbalancierte Art in den Abgrund zu stoßen“, sagt Wroe. (Journal of Zoology, 2011; DOI: 10.1111/j.1469-7998.2011.00844.x)

(University of New South Wales / Wiley-Blackwell, 02.09.2011 – NPO)

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