Mondzyklus bestimmt Intensität der Jagd nach Meeresfischen Auch Möwen richten sich nach dem Mond - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mondzyklus bestimmt Intensität der Jagd nach Meeresfischen

Auch Möwen richten sich nach dem Mond

Gabelschwanzmöwe Creagrus furcatus © suecan1 / CC-by-sa 2.0 us

Der Mond bestimmt das Verhalten vieler Tiere. Jetzt zeigt sich, dass sich auch nachtaktive Möwen nach dem Mondzyklus richten: Sie jagen immer dann besonders viel, wenn die Nächte bei Neumond sehr dunkel sind. Denn dann wähnt sich ihre Beute, kleine Meeresfische, in Sicherheit und schwimmt nah an der Wasseroberfläche. Das berichten deutsche Forscher im Fachmagazin „PLoS ONE“. Demnach spielt der Mond auch für Seevögel eine wichtige Rolle.

Der Mondzyklus steuert das Verhalten verschiedener Tierarten: Eulen, Schwalben und Fledermäuse, beispielsweise, richten ihre Aktivität nach der Mondphase aus, um ihren Jagderfolg zu maximieren. Doch auch die Lebewesen des Meeres werden vom Mond beeinflusst. So verstecken sich viele Fischarten tagsüber vor Feinden in der Tiefe und wandern erst in der Dunkelheit zur Wasseroberfläche. Diese sogenannte Vertikalmigration wird zusätzlich vom Mondzyklus beeinflusst. So vermeiden die Fische, dass sie an der Wasseroberfläche bei Vollmond wie auf einem Präsentierteller schwimmen. In helleren Nächten ist die Vertikalmigration deswegen eingeschränkt und die Tiere bleiben in tieferen Bereichen. Bei Neumond dagegen werden die Organismen aktiv und wandern an die Oberfläche.

Fahrtenschreiber für jagende Möwen

Doch auch in der Dunkelheit der Nacht warten Jäger auf sie, beispielsweise die Gabelschwanzmöwe Creagrus furcatus von den Galapagos-Inseln. Mit ihren an Dunkelheit gut angepassten Augen sieht sie selbst bei schwachen Lichtverhältnissen noch Fische unter der Wasseroberfläche und braucht den Mond deshalb nicht als Lichtquelle. Wissenschaftler des Max-Planck Instituts für Ornithologie in Radolfzell wollten deshalb herausfinden, welche Auswirkung der Mondzyklus auf das Jagdverhalten der Möwen hat.

Sie rüsteten dafür 37 Tiere mit Fahrtenschreibern und Feuchtigkeitssensoren aus, die registrierten, wo, wann und wie lange die Vögel im Wasser waren. „Die Möwen fliegen auf der Jagd über das offene Meer und lassen sich kurz auf die Wasseroberfläche fallen, um Tintenfische oder kleine Fische zu schnappen“, erläutert Max-Planck-Forscher Martin Wikelski. „Aus der Kontaktzeit der Sensoren mit dem Wasser konnten wir deshalb schließen, in welchen Nächten des Monats die Möwen besonders aktiv waren.“ Durchschnittlich 120 Tage lang wurde das Verhalten jedes Vogels aufgezeichnet, um so mehrere Mondphasen zu erfassen.

Gabelschwanzmöwen halten sich tagsüber an ihrem Nest an Land auf. Nachts fliegen sie zum Fischen aufs Meer. © MPI für Ornithologie

Im Dunkeln ist gut jagen

Die Vögel hielten sich streng an die Mondzyklen: Bei Neumond waren die Möwen besonders oft im Wasser. War es nachts sehr hell, blieben die Vögel dagegen eher im Trockenen. „Für die Gabelschwanzmöwen ist es sinnvoll, sich bei der Jagd am Mondzyklus zu orientieren, denn mit einer Tauchtiefe von nur maximal einem Meter ist in Vollmondnächten die Beute schnell außerhalb ihrer Reichweite“, sagt Wikelski.

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Gabelschwanzmöwen haben für die nächtliche Jagd im Laufe der Evolution lichtempfindliche Augen entwickelt, die besonders an die dunklen Nächte über dem Meer angepasst sind. Außerdem haben sie ihren Melatonin-Rhythmus verloren – einen wichtigen Taktgeber zur Schlafsteuerung. So können die Gabelschwanzmöwen eine einzigartige, neue ökologische Nische besetzen. (PLoS ONE, 2013; doi:10.1371/journal.pone.0056889)

(Max-Planck-Gesellschaft, 19.03.2013 – NPO)

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