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Züngeln als Überlebenstrick

Riesenschlange auf Nahrungssuche

Wenn ein Mensch einem anderen seine Zunge raustreckt, gilt dies mindestens als unhöflich, wenn nicht gar als Beleidigung. Im Schlangenreich dagegen ist das völlig normal. Egal in welcher Lebenslage sich die Tiere befinden: Das Maul ist fast immer ein stückweit geöffnet und unaufhörlich bewegt sich die Zunge hin und her – die Schlange züngelt.

Mit der Zunge riechen

Auf den ersten Blick erinnert das Verhalten an einen Hund, der nach großer Anstrengung oder bei starker Hitze hechelt, um überschüssige Wärme los zu werden. Das Züngeln der Schlangen verfolgt jedoch einen ganz anderen Zweck: Die Tiere „riechen“ vor allem mit der Zunge.

Denn beim Züngeln nehmen sie aus der Luft selbst feinste Duftpartikel auf, die im so genannten Jacobson-Organ, das in einer Vertiefung im Gaumendach liegt, analysiert und ausgewertet werden. Dieser Geruchssinn der Schlange ist der menschlichen Nase um ein Vielfaches überlegen und fungiert als wichtiger Detektor bei der Nahrungs- oder Partnersuche.

Empfindliche Messgeräte

Denn auch ohne Hilfe der Augen können sich Schlangen nur durch das Züngeln räumlich orientieren. Sie erkennen sogar, ob ein identifizierter Geruch von rechts oder links auf sie einströmt. Das liegt daran, dass die Zungenspitze gespalten ist und die Tiere deshalb über gleich zwei empfindliche Sensor-Abteilungen verfügen. Mithilfe dieser nehmen sie selbst minimale Konzentrationsunterschiede bei den Duftmolekülen wahr und identifizieren so einwandfrei, aus welcher Richtung der Geruch kommt.

Hat eine der bis zu zehn Meter langen, 30 Zentimeter dicken und über zweihundert Kilogramm schwere Riesenschlangen dabei eine potenzielle Beute entdeckt, setzt sie meist auf das Motto „Ruhe bewahren“. Je nach Art gut versteckt im Wasser, am Rande eines Sumpfes oder im Geäst von Büschen und Bäumen harrt sie bewegungslos aus und wartet diskret im Verborgenen auf das Opfer.

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Alligator und Tigerpython im Todeskampf © Lori Oberhofer / National Park Service

Riesenschlangen sind nicht wählerisch

„Ab einer gewissen Länge – und das fängt bei dreieinhalb Meter an –, da gehen diese Riesenschlangen zu größerer Beute über. Es würde also nie so sein, dass zum Beispiel ein fünf Meter langes Tier sich von 40 Ratten ernährt. Das würde eher ein großes Beutetier erbeuten. Jetzt ist es halt so, dass ein sechs Meter langer Python natürlich nicht wählerisch ist. Der nimmt im Prinzip das, was er antrifft“, erklärt der deutsche Biologe Mark Auliya in der Radiosendung „Im Reich der Riesenschlangen“.

Ein schnelles Zucken des Kopfes, ein Biss und der Vogel, das Wasserschwein, eine kleinere Schildkröte oder ein Alligator sind in sicherem Gewahrsam. Dann bleibt reichlich Zeit für die tödliche Umarmung…

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Dieter Lohmann
Stand: 15.10.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Züngelnde Giganten
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