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Wie viel „Power“ hat eine Boa?

Das große Quetschen

„Big Squeeze“, das „große Quetschen“: Unter diesem Motto standen Experimente, die Professor Adnan Akay von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, Pennsylvania, schon vor einigen Jahren durchgeführt hat. Darin ging es darum für eine BBC-Sendung den Druck zu ermitteln, den eine Boa maximal erzeugen kann, wenn sie eine Beute umschlingt und tötet.

Boa constrictor imperator © Jens Raschendorf / CC by-sa 2.5

„Constrict-o-Meter“ misst Boa-Kraft

Herzstück der Versuche im Jahr 2002 war ein so genanntes „Constrict-o-Meter“, das Akay schon zuvor zusammen mit seinen Studenten entwickelt hatte. Dabei handelt es sich um ein druckempfindliches Gerät mit einem äußerst sensiblen Sensor am Ende einer 30-Zentimeter langen Messsonde.

Die Kunst bei den Boa-Experimenten bestand nun darin, das Constrict-o-Meter möglichst optimal zwischen die Körperschlingen der Schlange und ihre Beute zu platzieren. Wenn sich dann die Boa zusammenzog, wurden die elektrischen Signale an einen Laptop weitergegeben und ausgewertet. Die Druckwerte – und ihre Veränderungen – wurden von den Forschern nahezu in Echtzeit am Bildschirm kontrolliert und überwacht.

Das Sechsfache eines starken menschlichen Händedrucks

Doch wie viel Kraft hat denn nun eine Boa? Die Ergebnisse des zweimonatigen Projekts im Zoo Pittsburgh waren erstaunlich. Danach ist eine 5,5 Meter lange Schlange in der Lage, einen Druck von einem Kilogramm pro Quadratzentimeter auf das bemitleidenswerte Beutetier auszuüben. Klingt auf den ersten Blick nicht viel, das entspricht aber immerhin etwa dem Sechsfachen eines starken menschlichen Händedrucks.

Atmung und Kreislauf k.o.

Die Kraft der Boa reicht deshalb locker für eine tödliche Umarmung aus. Denn bei jedem Ausatmen des Opfers ziehen sich die Körperschlingen der Boa weiter zu und drücken den Brustkorb der Beute zusammen. Schließlich stoppt der Blutfluss und das Luftholen wird unmöglich.

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Fazit der Forscher: Riesenschlangen sind keineswegs – wie früher gedacht – Knochenbrecher, sondern setzen bei ihrem Würgegriff „lediglich“ das Herz-Kreislaufsystem und die Atmung der Opfer außer Gefecht.

Säugetiere wie Hirsche oder Wasserschweine halten dem Quetsch-Angriff der Riesenschlangen gerade mal ein paar Minuten stand, Krokodile oder Alligatoren dagegen überleben deutlich länger, weil sie weniger Sauerstoff benötigen. Ein Todeskampf kann dann schon mal mehrere Stunden dauern.

Albino eines Netzpython © SEWilco / GFDL

Vergleichende Untersuchungen stehen aus

Akay kommentierte die Ergebnisse seiner Experimente so: „Was ich persönlich dabei über diese Riesenschlangen gelernt habe, ist mehr als ich eigentlich je wissen wollte.“

Ob die von dem Pittsburgher Forscher ermittelte Boa-Kraft den Weltrekord im Reich der Riesenschlangen darstellt, oder ob es noch leistungsfähigere „Druckkünstler“ gibt, ist unklar. Denn an vergleichende Untersuchungen beispielsweise mit den meist viel größeren und muskulöseren Anakondas oder Pythonschlangen hat sich noch kein Wissenschaftler heran getraut.

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Dieter Lohmann
Stand: 15.10.2010

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