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Deichrückverlegung soll natürliche Puffer wiedergewinnen

Wenn Deiche weichen

Einen sicheren Schutz bieten die Deiche nicht mehr, wie sich gerade wieder beim Hochwasser gezeigt hat. „Eine Lösung ist es, die Deiche zurückzuverlegen und damit Auenflächen wiederzugewinnen“, sagt Mathias Scholz. So wie in der Nähe von Roßlau in Sachsen-Anhalt: Dort gibt es neben dem Fluss wieder die komplette Aue, die im Laufe der vergangenen Jahrhunderte immer weiter zurückgedrängt worden war.

Deiche schützen nicht immer - wie der hier überflutete Deich des Rheinzuflusses Murg zeigt. © Martin Dürrschnabel / CC-by-sa 3.0

Deichrückverlegung nennen Experten das Vorgehen: Die Deiche nah am Wasser werden geöffnet und, falls nötig, weiter im Landesinneren neu gebaut. Der Effekt hat sich in Roßlau beim jüngsten Hochwasser eindrucksvoll gezeigt: Die wiederhergestellte Aue kann 3,6 Millionen Kubikmeter Wasser speichern und so Überflutungen in der Umgebung verhindern. Ein derartiges Projekt braucht allerdings viel Zeit. Ganze fünfzehn Jahre dauerte in Roßlau allein die Vorbereitung. Am schwierigsten sind bei solchen Vorhaben die Verhandlungen mit den Landwirten, die ihre Flächen meist intensiv bewirtschaften und nur selten verkaufen wollen. Einen Deich zu verlegen kostet deshalb etwa zwei bis drei Millionen Euro pro Kilometer Deich.

Nutzen zehnfach höher als Kosten

Der Aufwand aber lohnt sich. „Eine funktionierende Aue bringt Leistungen, die durchaus auch wirtschaftlich interessant sind“, sagt Mathias Scholz. Er hat dabei vor allem im Blick, dass Häuser in der Umgebung hochwassersicherer werden. Bis zu 300 Milliarden Euro an Vermögenswerten werden allein durch die untersuchten Auen geschützt, heißt es in der Studie von UFZ und BfN.

Bis ein Auwald allerdings wieder vollständig entwickelt ist, vergehen ungefähr hundert Jahre. „Wichtig ist dabei eine wissenschaftliche Begleitung“, sagt Forscher Mathias Scholz – vor allem wegen der langen Renaturierungsphase.„Unsere Feldforschung hilft dabei, künftige Projekte zu Erfolgen zu machen“, sagt er. „Dieses Ziel erreichen wir aber nur, wenn wir lange Datenreihen zur Verfügung haben.“

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Franziska Roeder / Helmholtz Perspektiven
Stand: 09.08.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Katastrophe mit Ansage
Das "Jahrhundert"-Hochwasser 2013 - und was Hochwasserforscher dazu sagen

Prolog: "Land Unter" in Deutschland
Das Hochwasser im Juni 2013 und seine Auslöser

Flucht vor der Flut
Als das Wasser zu den Hochwasser-Forschern kam

Keime, Schadstoffe und natürliche Filter
Hochwasser reaktiviert gesundheitsschädliche Stoffe

Wenn Deiche weichen
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Hilfe zur Selbsthilfe
Mehr Förderung für private Vorsorge und bessere Versicherung

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