Wehe, wenn die Erde kippelt... - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Wehe, wenn die Erde kippelt…

Erdbahnparameter und ihre Folgen

Schon früh hatten die Eiszeitenforscher astronomische und kosmische Ereignisse im Verdacht, für den beständigen Wechsel zwischen Kalt- und Warmzeiten verantwortlich zu sein.

Neigung der Erdachse © MMCD

Eiszeiten, so weiß man heute, werden entscheidend durch Änderungen des globalen Strahlenhaushalts der Erde ausgelöst. Wie aber kommt es zu solchen Veränderungen? Es gibt drei astronomische Faktoren, die die Sonneneinstrahlung und damit auch die Strahlenbilanz beeinflussen: das Pulsieren der Umlaufbahn und das Kippeln und das Trudeln der Erdachse.

Erdbahnparameter im Einzelnen

Die Neigung der Erdachse gegenüber der Erdbahn beträgt heute 23,5 Grad. Sie ist der Grund für die Jahreszeiten. Die Neigung variiert aber in einem Rhythmus von etwa 41.000 Jahren zwischen 22,3 und 24,5 Grad. Diese geringen Änderungen haben einen wichtigen Einfluß auf die Unterschiede zwischen den Jahreszeiten.

Die Erde „trudelt“ zusätzlich aber auch wie ein großer Kreisel, dessen Drehachse langsam kleine Kreise beschreibt. Bei der Erde passiert das alle 22.000 Jahre. Die jeweilige Ausrichtung der Erdachse bestimmt, in welcher Jahreszeit die Erde der Sonne am nächsten steht.

Darüberhinaus verändert sich die Form der Umlaufbahn der Erde um die Sonne periodisch: Innerhalb von 92.000 Jahren wird aus elliptischen eine fast kreisförmige Bahn. Dadurch ist die Erde mal näher an der Sonne, mal etwas weiter von ihr entfernt. Zurzeit ist die Erdumlaufbahn beinahe kreisförmig.

Anzeige

Milankovitch-Theorie

Durch diese geringen Schwankungen verändert sich die Menge an Wärme geringfügig, die von der Sonne zur Erde gelangt. Aber kann dies wirklich ausreichen, um Eiszeiten auszulösen? Der erste Wissenschaftler, der versuchte eine solche Abhängigkeit herzustellen, war der jugoslawische Geophysiker Milutin Milankovitch. In den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts fand er bei peniblen Berechnungen schließlich heraus, dass sich in der jüngeren Erdgeschichte deutliche Übereinstimmungen zwischen den erdbahnbedingten Veränderungen in der Sonneneinstrahlung und den Warm- und Kaltzeiten finden ließen.

Hatte man mit der Milankovitch-Theorie also bereits den Universalschlüssel für die Entstehung von Eiszeiten in der Hand? Leider nicht. Die von Milankovitch errechneten Strahlungskurven galten immer nur für einen bestimmten Breitengrad. Zudem dauerte es naturgemäß immer eine ganze Weile, bis die Gletschermassen auf Änderungen in der Strahlungsintensität reagierten. Die zeitliche Zuordnung von Strahlungsbedingungen und Gletscherwachstum oder -schmelze war deshalb nicht einfach und zudem fehleranfällig.

Immer neue Theorien

Dies ließ die Eiszeitforscher nicht ruhen und sie machten sich auf die Suche nach anderen Faktoren, die das Phänomen erklären konnten. Einige sahen die Wurzel allen Übels in der heutigen Verteilung der Kontinente und den heftigen Klimaunterschieden zwischen den Polen und Äquatorregionen. Diese könnten – so die Anhänger dieser Theorie – irgendwann einmal vielleicht die Auslöser von Kaltzeiten sein. Wenn diese Annahmen stimmten, wie aber sollte man dann die Eiszeiten erklären, die die Erde heimsuchten, als die Kontinentverteilung noch gänzlich anders war?

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. 10
  22. |
  23. 11
  24. |
  25. 12
  26. |
  27. 13
  28. |
  29. 14
  30. |
  31. 15
  32. |
  33. 16
  34. |
  35. weiter


Stand: 19.02.2002

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Eiszeiten
Die frostige Vergangenheit der Erde...

Wenn die Erde eine Erkältung hat...
4,6 Milliarden Jahre zwischen "warm" und "kalt"

Enthüllungen der Frühzeit
Die ersten Eiszeiten

Snowball Earth
In den Klauen der Kälte...

Von der Kältehölle zur eisfreien Zone
Zeitreise durch die Jahrmillionen

1.000 Meter Eis über Deutschland
Die letzten beiden Eiszeiten

Von Mammuts, Bohrkernen und D/O-Ereignissen
Klimaschwankungen während der letzten Eiszeit

Klimakapriolen ohne Ende...
Von der letzten Eiszeit bis heute

Vorsicht Gletscherwanderung!
Woher stammten die Eismassen während der Eiszeit?

Wettlauf der Gesteine
Gletscher machen Landschaften

Von Löss, Findlingen und Fjorden
Spuren der Eiszeiten

Ein Schweizer schreibt Geschichte
Louis Agassiz und die Eiszeiten

Wehe, wenn die Erde kippelt...
Erdbahnparameter und ihre Folgen

Plattentektonik, Meeresströmungen und mehr
Eiszeiten und ihre Entstehung

Die Suche nach dem Klima der Vergangenheit
Archive geben Auskunft

Sedimente, Eiskerne und Jahresringe
Eiszeitforscher und ihre Methoden

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Wetterextreme - Klimatische "Ausrutscher" oder Folgen des Klimawandels?

Klimawandel - Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?

Anzeige
Anzeige