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Von Viren, Elefanten und Buffalo fences

Bedrohtes Paradies Okavango

Nicht nur Staudämme und Wasserpipelines bedrohen das Okavango-Delta stärker als jemals zuvor, auch Viren, Schutzzäune und eine Bevölkerungsexplosion unter den Elefanten bringen das empfindliche Ökosystems ins Wanken.

Naturkiller Elefant?

Elefanten als Naturzerstörer © IMSI MasterClips

Großwild wie Elefanten sind eines der wichtigsten Markenzeichen des Okavango-Deltas. 100.000 Elefanten leben zurzeit alleine in Botswana und ihre Zahl steigt immer noch weiter. Doch zu viele davon tun dem Feuchtgebiet auch nicht unbedingt gut. Rund 200 Kilogramm Futter braucht ein einziger Elefant pro Tag. Auf der Suche nach Nahrung, sind die Dickhäuter nicht zimperlich: Um an die begehrten Zweige, Blätter, Früchte, Knospen oder Wurzeln zu gelangen, kippen die Tiere immer wieder Bäume um und weiden sie dann anschließend ab.

Wenn eine größere Elefantenherde ein Gebiet abgegrast hat, bleibt deshalb häufig nur noch eine Spur der Verwüstung zurück. Die entwaldeten Flächen sind Wind und Sonne und damit der Erosion schutzlos ausgesetzt. Mit der Zeit können sich dadurch ehemals fruchtbare Regionen in Steppen- oder Wüstenlandschaften verwandeln. Botswana überlegt deshalb sogar überzählige Tiere in so genannten Culling-Aktionen töten zu lassen.

Lentivirus bedroht Löwen

Für die mehr als 1.500 Löwen ist das Okavango-Delta eine Art Schlaraffenland. Zebras, Antilopen, Büffel, aber auch Warzenschweine oder Giraffen stehen auf ihrer Speisekarte, und davon gibt es im Norden Botswanas mehr als genug. Doch trotz der Nahrung im Überfluss sind einige der Populationen – beispielsweise im Moremi-Nationalpark – mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Löwen in Gefahr © IMSI MasterClips

Schuld daran ist dieses Mal ausnahmsweise nicht in erster Linie der Mensch. Wie die Forscher Pieter Kat und Kate Nicholls von der Organisation Lion Aid festgestellt haben, ist es ein Lentivirus, der den Tieren zu schaffen macht und den Bestand dezimiert. Fast alle Löwen im Moremi-Reservat sind mittlerweile nach Angaben von Kat und Nicholls von dem gefährlichen Erreger befallen.

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„Der Eindruck verstärkt sich immer mehr, dass das Virus einen bedeutenden Einfluss auf die Lebenserwartung der Löwen hat und wohl auch auf die Fortpflanzung,“ sagt Pieter Kat in einem Beitrag der ZDF-Sendung „ZDF.umwelt“. Die von den Biologen ermittelten Fakten unterstützen diese Vermutung: Nur rund ein Drittel der Löwenweibchen im Reservat war zum Zeitpunkt der Untersuchungen tragend. Ein nicht unerheblicher Teil des Löwennachwuchses starb zudem noch vor der Geburt oder kurz danach.

Doch Kat und Nicholls haben die Hoffnung auf die Rettung des Königs der Tiere noch längst nicht aufgegeben. „Wir werden herausbekommen, in welcher Form das Virus das Leben der Löwen beeinflusst. Und wir wollen uns dafür einsetzen, dass keine Krankheiten von außen in den Lebensraum eingeschleppt werden. (…) Wenn wir die beiden Dinge in den Griff bekommen können, dann gibt es Grund zu hoffen, dass die Löwen hier den Kampf ums Überleben gewinnen werden“, so der Forscher.

Buffalo fences oder Todeszonen?

Zebras auf Wassersuche © IMSI MasterClips

Ein mehr als umstrittener Versuch, das Einschleppen von Krankheiten in das Okavango-Delta – oder aus ihm heraus – zu verhindern, sind die so genannten „Veterinary cordon fences“ oder „Buffalo fences“. In den 1940er Jahren wurden die ersten dieser Schutzzäune gebaut, um Viehherden und Wildtiere von einander zu trennen und damit den Austausch von Erregern zu verhindern. Heute gibt es rund 3.000 Kilometer dieser Schutzgitter, die in einigen Regionen das Okavango-Delta beinahe zooartig nach außen abriegeln.

Für die Rinderzüchtler lohnt sich dieser vergleichsweise große Aufwand trotzdem. Denn zum einen gelten die Rinder in der Region als wichtiges Statussysmbol, zum anderen lässt beispielsweise die EU nur Fleischimporte zu, die garantiert frei sind von der Maul-und-Klauen-Seuche (MKS) oder anderen Tierseuchen. Da ein Großteil des Fleisches aus Botswana auf den Tellern der Verbraucher in Deutschland oder anderen EU-Staaten landet, versuchen die Botswaner mithilfe der Buffalo fences den Stempel „keimfrei“ zu erhalten.

Die bis zu drei Meter hohen Zäune haben aber noch eine andere Aufgabe. Sie schützen das empfindliche Ökosystem auch vor dem Eindringen der ständig wachsenden Viehherden Botswanas. Auf jeden der 1,44 Millionen Einwohner kommen mindestens zwei Rinder, die immer größere Gebiete kahlfressen und ständig auf der Suche nach neuer Nahrung sind. Die Buffalo Fences sind nach Angaben von Naturschützer aber oft plan- und wahllos in die Natur gesetzt worden. Häufig kreuzen sie wichtige Wanderungsrouten von Wildtieren wie Antilopen und versperren den freien Zugang zu wichtigen Wasserstellen. Wie die Naturschutzorganisationen berichten, haben sich die vermeintlichen Schutzzäune an vielen Stellen deshalb zu regelrechten „Todeszonen“ entwickelt…

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Stand: 30.07.2004

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Okavango-Delta
Wasserkrise im „Garten Eden“?

Wasserwelt in der Wüste
Das größte Binnendelta der Erde

Paradies auf Erden?
Wasser und Sedimente sorgen für biologische Vielfalt

Ökotourismus statt Pauschalreisen
Natur pur im „Land der vielen Flüsse“

Wasser und Strom für Windhuk
Staudämme, Pipelines und mehr...

Popa Falls ade?
Ein 20 Megawatt Wasserkraftwerk im Caprivi-Zipfel

"Saubere" Energie oder ökologische Katastrophe?
Streit um ein Stauwehr

Unterirdische Speicher statt Stauseen
Alternativen zur Wasserpipeline am Okavango

Wie viele Staudämme verträgt der Okavango?
Von hydrologischen Modellen und Flussgebietskommissionen

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