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Schmelzender Kitt

Was Klimawandel, Permafrost und Felsstürze verbindet

Ziel des Projekts PermaSense ist es, mithilfe der Daten vom Matterhorn mehr über den Einfluss des Klimawandels auf den Permafrost und die Stabilität des Untergrunds zu erhalten. Denn wie die Arktis gehören auch die Gebirge zu den Regionen, in denen sich die Erwärmung besonders stark bemerkbar macht.

Permafrost
Durch tauenden Permafrost kollabierte Steilhänge an einem Fluss in der kanadischen Arktis. © Boris Radosavljevic/CC-by-sa 2.0

Instabil durch die Eisschmelze

Die steigenden Temperaturen lassen nicht nur den Schneefall weniger werden und die Gletscher schmelzen. Auch der normalerweise in der Arktis und den Hochlagen der Gebirge dauerhaft gefrorene Boden taut auf – mit teilweise verheerenden Folgen. Denn wenn das Eis des Permafrosts schmilzt, verschwindet auch der Kitt, das Gestein des Untergrunds und den Boden zusammenhält.

Allein in Alaska verursacht der tauende Permafrost schon jetzt Kosten von mehreren 100 Millionen Dollar pro Jahr. Denn durch den absackenden Untergrund kommt es zu schwerwiegenden Schäden an der Infrastruktur. Viele Flughäfen, Straßen, Pipelines und Siedlungen müssen schon jetzt verlegt oder abgestützt werden. Entlang vieler Flussläufe kommt es durch die schwindende Stabilität der Ufer zu einer Rekord-Erosion. Schätzungen zufolge könnten bis 2050 allein in der Arktis 3,6 Millionen Menschen von Schäden an der Infrastruktur durch tauenden Permafrost betroffen sein.

Felssturz
Felssturz am Hübschhorn in den Schweizer Alpen im Sommer 2012. © Hp.Baumeler/CC-by-sa 4.0

Wenn der ganze Hang kollabiert

Im Hochgebirge kann dieser Prozess der Destabilisierung jedoch noch schwerwiegendere Folgen haben. Denn wenn in den Hochlagen der Permafrost taut, verlieren viele Hänge den Kitt, der Fels und Geröll zusammenhält. Als Folge ereignen sich immer häufiger Erdrutsche und Felsstürze. An einigen Bergen, wie dem Hochvogel in den Allgäuer Alpen kündigen wachsende Risse im Fels bereits den drohenden Kollaps des Hangs an.

Um verheerende Schäden und Todesopfer zu vermeiden, ist es wichtig, solche sich anbahnenden Felsstürze rechtzeitig zu entdecken und ihre Entwicklung zu überwachen. Forscher tun dies unter anderem mithilfe von Leitfähigkeitsmessungen und Permafrost-Bohrungen wie auf der Zugspitze oder, wie im Fall des Projekts PermaSense, durch ein ganzes Netzwerk verschiedenster Sensoren.

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Nadja Podbregar

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Datenschatz vom Matterhorn
Sensor-Messnetz gibt Einblick in Permafrost und Felssturzgefahr

Ein Berg unter Beobachtung
Das Projekt PermaSense

Schmelzender Kitt
Was Klimawandel, Permafrost und Felsstürze verbindet

Einzigartiger Schatz
Zehn Jahre an hochaufgelösten Daten

Resonanzen im Fels
Wie sich Felsstürze ankündigen

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