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Regenwald: Ohne Wald sterben Kulturen

Über die untrennbare Verknüpfung von Regenwald und Ureinwohnern

Der tropische Regenwald verschwindet in einem atemberaubenden Tempo. Noch vor 200 Jahren bedeckte er elf Prozent der Erdoberfläche. Heute ist die Hälfte davon zerstört. Jedes Jahr fallen etwa 200.000 Quadratkilometer der Abholzung und Großbränden zum Opfer. Das entspricht 35 Fußballfeldern pro Minute. Mit dem Regenwald sterben täglich um die 50 Tier- und Pflanzenarten. Und nicht zuletzt bedeutet die Vernichtung der tropischen Wälder auch den Untergang der dort lebenden Ureinwohner, denen mit dem Regenwald die Grundlage genommen wird.

Amazonas-Regenwald © IMSI MasterClips

Große Teile der Tropenwälder sind für den Menschen eigentlich unbewohnbar. Denn die Böden der so üppig wirkenden immergrünen Wälder sind meist unfruchtbar. Über Jahrhunderte hinweg hat sich hier ein Ökosystem entwickelt, dass sich über die eigene Biomasse am Leben hält. Selbst bei der Abholzung kleiner Flächen dauert es Jahrzehnte bis die Vegetation wieder nachwächst. Dennoch wird der Wald seit der Kolonialzeit in großem Stil für Plantagen, Holzgewinnung und Abbau von Bodenschätzen gerodet. Die dort lebenden Ureinwohner werden in die Gesellschaft der Staaten eingegliedert. Ihre kulturelle Identität geht mehr und mehr verloren.

Nur Völker, die in den tieferen Regionen des Regenwaldes leben, konnten bis heute ihr traditionelles Leben fortsetzen. Sie leben im Einklang mit der Natur. Ihr umfangreiches Wissen über die komplexen Zusammenhänge des Waldes und die Nutzbarkeit von Pflanzen und Tieren ermöglicht ihnen seit Jahrhunderten eine ausgewogene Ernährung bei gleichzeitig nachhaltigem Umgang mit ihrem Lebensraum. Noch etwa 1.000 solcher indigenen Völker leben in den Tropenwäldern. Die meisten sind nur einige hundert Personen stark, dennoch nutzen sie große Gebiete. Viele Regionen weisen Bevölkerungsdichten auf, die der der Sahara entsprechen. Nur so ist es möglich, dauerhaft im Regenwald zu überleben und das Ökosystem gleichzeitig intakt zu halten. Doch auch diese letzten Ureinwohner sind in Gefahr.

Schreitet die Zerstörung des Regenwaldes weiter voran, so wird in 50 Jahren nur noch ein Drittel des jetzigen Bestandes existieren. Das Tropenholz ist begehrt. Die Holzkonzerne machen satte Gewinne und nehmen keine Rücksicht auf die einheimische Bevölkerung. Wenn diese um ihr Land kämpft, wird sie mit Gewalt vertrieben. Neben Japan ist die EU der zweitgrößte Tropenholzimporteur der Welt. Nur ein geringer Teil davon wird „nachhaltig“ abgeholzt. Dieses Holz stammt nicht von Plantagen sondern aus Wäldern, die dauerhaft, aber extensiv genutzt werden.

Aber nicht nur die Abholzung für den Holzhandel gefährdet die Zukunft der Regenwaldvölker. Häufig kommt es zu großen Flächenbränden, wenn die Brandrodung zum Beispiel für die Ausweitung von Plantagen außer Kontrolle gerät. Auch mit dem Abbau von Bodenschätzen schwindet zunehmend der Lebensraum der Ureinwohner. Ähnliche Folgen hatten zahlreiche Umsiedlungsprojekte, die vor allem in den 70er und 80er Jahren von den Regierungen durchgeführt wurden.

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Nach dem Motto „Land ohne Menschen für Menschen ohne Land“ erfolgten zum Beispiel in Brasilien große Umsiedlungen aus übervölkerten Regionen in die Regenwälder, teilweise mit Unterstützung der Weltbank. Die Folgen: der Wald verschwand, doch die Menschen hungerten weiter. Denn die kargen Böden konnten sie nicht ernähren und zahlreiche indigene Völker starben aus. Kulturell entwurzelt, verfolgt und von eingeschleppten Krankheiten bedroht, hatten und haben sie kaum eine Chance zum Überleben.

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Stand: 26.11.2001

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Inhalt des Dossiers

Bedrohte Völker
Überleben zwischen zwei Welten

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